Leopoldsdorfer Zuckerfabrik-Aus: Was nun?. VP-Agrarministerin lud alle Beteiligten zum Gespräch. Bald soll es Rettungsmaßnahmen geben.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 10. September 2020 (05:40)
SP-Bürgermeister Clemens Nagel hofft auf die Rettung des Leopoldsdorfer Standorts.
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Nachdem der Agrana-Konzern die Leopoldsdorfer Zuckerfabrik aus wirtschaftlichen Gründen zusperren will, lud VP-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in der Vorwoche zu einem runden Tisch mit relevanten Stakeholdern. Mit dabei waren neben Vertretern der Agrana und Rübenbauern auch Leopoldsdorfs SP-Bürgermeister Clemens Nagel. Was kann er über das Treffen berichten?

Nagel: „Es haben alle am Tisch ihren Willen bekundet, die Zuckerfabrik erhalten zu wollen. In den nächsten Tagen soll ein entsprechendes Maßnahmenpaket vorliegen.“ Damit will man die zuletzt geschrumpfte Rübenanbaufläche wieder erhöhen.

Mindestens 38.000 Hektar sind notwendig, damit die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf auch nächstes Jahr ihre Öfen anheizen darf, betonte Agrana-Generaldirektor Johann Marihart. Heuer lag die Fläche nur noch bei 26.000 Hektar.

Zukunft der Fabrik bleibt vorerst offen

Im Gegensatz zur Zuckerfabrik in Tulln, deren Weiterbetrieb nicht gefährdet ist, bleibt die Zukunft der Leopoldsdorfer Fabrik mit ihren 150 Mitarbeitern somit auch nach dem runden Tisch vorerst offen.

Wie genau sieht nun der Rettungsplan aus? Fakt ist: Ohne genügend Rohstoffe ist die Zuckerfabrik tot. Damit man wieder auf die 38.000 Hektar Rübenanbaufläche kommt, muss man die Bauern in ihrem Kampf gegen Schädlinge, die sich aufgrund des Klimawandels ausbreiten, unterstützen.

Mittlerweile wird nicht nur vom berüchtigten Rüsselkäfer gesprochen, sondern von insgesamt drei verschiedenen Schädlingen, die die Rübenernte zu einem Lotteriespiel machen, weshalb viele Landwirte auf andere Früchte umsattelten. Das Aus der EU-Zuckermarktordnung 2017 hatte zudem für einen Preisverfall gesorgt. Den Schädlingen kann man nur mit entsprechenden Spritzmitteln Herr werden, die aber mittlerweile nicht mehr erlaubt sind.

Noch sei die Zukunft des Leopoldsdorfer Standorts „nicht abschätzbar“, so Marihart. Die Agrana biete Bauern mehrjährige Verträge an, um ihnen Sicherheit zu geben. „Wir haben heute sehr intensiv Lösungsvorschläge diskutiert. Unterstützungsmaßnahmen werden überprüft“, erklärte Köstinger. Seitens des Bundes und der Länder werde angedacht, Unterstützungen für Flächen zu zahlen, die etwa vom Rüsselkäfer befallen wurden. Weiterhin werde es auch Notfallzulassungen für Neonicotinoide (Spritzmittel gegen den Rüsselkäfer) geben.

„Die Rübenbauern müssen finanziell unterstützt werden“, forderte Rübenbauern-Präsident Ernst Karpfinger. Die Landwirte bräuchten mit Pflanzenschutzmitteln die entsprechenden Werkzeuge, um zu arbeiten.