Schloss Hof: Ziesel in Lebensgefahr. Eine Umleitung der B49 wird einer Zieselpopulation in Schloss Hof zum Verhängnis: Mindestens 30 der stark gefährdeten Tiere sollen schon überfahren worden sein. Jetzt schaltet sich Wiener Tierschutzverein ein.

Von Sandra Frank und Natascha Steiger. Erstellt am 09. Juli 2019 (12:51)

"Es sieht aus, wie auf einem Schlachtfeld!", meldet sich eine Anrainerin aufgeregt am NÖN-Telefon. Die B 49 ist noch bis Freitag, 12. Juli, wegen Asphaltierungsarbeiten gesperrt. Zahlreiche Autofahrer weichen auf eine andere Route aus. "Sie fahren direkt hinter Schloss Hof vorbei. Dort lebt eine Zieselpopulation, die gerade Junge hat", weiß die Anruferin. Da es sich um eine sonst ruhige Straße handelt, seien die Tiere keinen Verkehr gewöhnt. Sie würden einfach auf der Fahrbahn sitzen bleiben - und das wird ihnen zum Verhängnis, denn auf der Strecke sind 70 km/h erlaubt. Mindestens 30 dieser Tierchen sollen bereits von Fahrzeugen getötet worden sein. 

Bürgermeister ließ Hinweistafeln aufstellen 

Engelhartstettens VP-Bürgermeister Josef Reiter weiß darüber Bescheid und ließ eine Hinweistafel neben der Straße aufstellen. „Die Gemeinde hat versucht, alles Mögliche zu tun“, sagt der Ortschef, der zudem auf die Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Strecke hinweist. 

Die Groißenbrunner Ortsdurchfahrt wird bis Freitag, 12. Juli, gesperrt bleiben. Die Umleitung erfolgt über Engelhartstetten, Loimersdorf, Lassee, Breitensee und Marchegg.

Wiener Tierschutzverein setzt sich für Ziesel ein

Nun schaltete sich auch Madeleine Petrovic ein, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins. Nur durch beharrliche Intervention bei Polizeistellen, der Bezirkshauptmannschaft Gänserndorf, dem Innenministerium und der Landespolizeidirektion NÖ war es möglich, eine Zusicherung der Behörden zu bekommen, dass diese sich umgehend der dramatischen Situation annehmen, heißt es in einer Aussendung des Tierschutzvereins. 

Das europäische Ziesel steht nämlich als gefährdet auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Auch in der Roten Liste Österreichs ist die Art als "stark gefährdet" eingestuft. 

"Exekutive muss endlich entsprechend geschult werden"

Fälle wie diese in Schloss Hof mache für Petrovic deutlich, dass es den Behörden oft an Informationen über die rechtliche Lage mangle. Es ist höchst an der Zeit, sämtliche Polizeistellen in Österreich zu informieren, dass der Schutz streng geschützter Tiervorkommen nach der FFH-Richtlinie im Verfassungsrang steht. Sogar die fahrlässige Gefährdung dieser Tierarten ist strafrechtlich verboten.“ 

Es gehe keineswegs darum, Behörden anzupatzen. Doch die Exekutivorgane müssen wissen, dass Tiere ein streng geschütztes Rechtsgut seien. "Die Bundesregierung muss hier endlich entsprechend schulen."

Die Situation in Schloss Hof will die Tierschützerin genau beobachten, die sich freut, dass sich sämtliche Beamten freundlich und kooperativ zeigten.

Grausamer Lokalaugenschein

Als NÖN-Fotograf Ernst Spet am Dienstagnachmittag vor Ort war, bot sich ihm ebenfalls ein Schlachtfeld auf der Fahrbahn. Die Ziesel schauten aus ihren Löchern, waren aber auch auf der Straße unterwegs, auf der viele ihrer überfahrenen Artgenossen zu sehen sind. Die Polizei dreht auf der Umleitungsstrecke ebenfalls ihre Runden.

„Genau dort, wo die Ziesel ihre Nester haben, wird ein Zaun errichtet. Ständig werden Zaunpfähle eingeschlagen, es geht nur „bum-bum-bum“, ist ein Passant überzeugt, dass auch diese Arbeiten den geschützten Tieren nicht guttun können.

Umfrage Gänserndorf

  • Mäuse, Gelsen und Co.: Habt ihr Angst vor tierischen Plagen?