Zu wenig Geld: Mann ohne Beine klagt an

Franz Pribil kann nicht einmal allein aus dem Bett. Trotzdem bekommt er nur Pflegestufe 3.

Stefan Havranek Erstellt am 14. November 2018 | 06:00
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Pflegerin Maria Kruparova und Johann Drapela (rechts) aus Strasshof, der eine Firma für mobile Hauskrankenpflege und Betreuungsdienste besitzt, mit Franz Pribil, der trotz zweier amputierter Beine nur die Pflegestufe 3 zugesprochen bekam.
Foto: Havranek

Franz Pribil (66) hat es nicht leicht: Anfang des Jahres musste ihm ein Bein amputiert werden, von 1. Juni bis 11. Juli lag er erneut im Spital, weil ihm auch das zweite Bein abgenommen werden musste. Nun sitzt er im Rollstuhl, kann weder selbstständig auf die Toilette, noch allein aus dem Bett, geschweige denn das Haus verlassen. Und trotzdem wurde ihm von der PVA (Pensionsversicherungsanstalt) nur die Pflegestufe 3 zugesprochen.

Damit stehen ihm 451,80 Euro pro Monat zu, das heißt, dass ein Pflegebedarf von maximal 160 Stunden pro Monat besteht. Johann Drapela aus Strasshof, der Pribil mit zwei 24-Stunden-Pflegekräften betreut, ist empört: „Ein Skandal. Die Ärztin, die den Pflegebedarf ermittelte, nahm sich dafür gerade einmal eine Stunde Zeit.“ Das Ergebnis: Für tägliche Körperpflege wurden acht Minuten berechnet, für das An- und Ausziehen 20 Minuten, insgesamt wurde ein Pflegebedarf von 156 Stunden im Monat ermittelt.

Drapela meint, dass Pribil Pflegestufe 6 und damit Pflegegeld in der Höhe von 1.285,20 Euro pro Monat zustehen würden: „Er kann ja nicht einmal selbst mit dem Rollstuhl fahren und das Zimmer, in dem er steht, nicht verlassen.“ Bei einer Verhandlung in der Vorwoche wurde das Urteil bestätigt, woraufhin die Klage auf höhere Pflegestufe zurückgezogen und neu eingereicht werden musste: „Das sind jetzt schon mindestens sieben verlorene Monate.“

Gerichtsgutachter hat Einstufung bestätigt

Pribils „Glück“ ist, dass er mit seiner 94-jährigen Mutter mit Pflegestufe 4 zusammenwohnt, dadurch können sich die beiden zwei 24-Stunden-Pflegekräfte, die sich 14-tägig abwechseln, leisten. Im Spital wurde Pribil nämlich gesagt, dass er ohne Rundumbetreuung gar nicht nach Hause dürfe.

Was sagt die PVA zu den Vorwürfen? Sprecher Markus Stradner erklärt: „Im April dieses Jahres wurde Franz Pribil von einem ärztlichen Gutachter untersucht. Dieser stellte einen Pflegebedarf im Ausmaß von 145 Stunden pro Monat fest. Daher wurde der Pflegegeldbezug von Stufe 1 auf Stufe 3 erhöht.“ Nach einer Klage durch Pribil habe ein Gerichtsgutachter die Einstufung bestätigt.

Grundsätzlich sei es jederzeit möglich, einen erneuten Antrag auf Pflegegeld-Erhöhung zu stellen. Sinnvoll erscheine es allerdings nur, wenn eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eintreten sollte.