Verbund und OMV errichten größte heimische PV-Anlage. Baustart für die größte Flächen-Photovoltaikanlage in Österreich. Auf einer Fläche von 13,3 Hektar werden 34.600 Module mit einer Leistung von 11,4 MWp (Mega Watt peaks – Anm.) grünen Strom in das Bergbaunetz der OMV einspeisen.

Von Edith Mauritsch. Update am 08. Juli 2020 (15:56)
Geballte Fachkompetenz und hochrangiges Politprominenzaufgebot zum Baustart Österreichs größter Flächen-Photovoltaikanlage. OMV Vorstandsvorsitzender Stellvertreter Johann Pleininger, Verbund Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber, Schönkirchen-Reyersdorf SP Vizebürgermeister Werner Kurz, Bundesministerin Elisabeth Köstinger, OMV Vorstandsvorsitzender Rainer Seele, Landeshauptfrau Stellvertreter Stephan Pernkopf und Verbund Vorstandsvorsitzender Stellvertreter Michael Strugl.
Edith Mauritsch

Das Projekt entsteht in Kooperation Verbund mit OMV. Im Endausbau kommen nochmals 10.400 Module dazu. Vorstandsvorsitzender Rainer Seele dreht damit das Steuerrad des Mineralölkonzerns ein paar Grad weiter auf einen neuen Kurs.

Die Anlage wird 10 Prozent des Strombedarfes der OMV Austria abdecken. Das CO2 Einsparungspotential liegt bei rund 10.000 Tonnen. Die Investitionskosten betragen 10 Millionen Euro. Zahlen, die der Zusammenarbeit des größten Stromproduzenten und des größten Industriekonzerns angemessen sind. Die Finanzierung wird ohne Förderungen gestemmt. Die Anlage wird auf der alten Deponie errichtet. Fläche, die landwirtschaftlich nicht genutzt werden kann.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass in schwierigen Zeiten solche Investitionen getätigt werden. Ich bin stolz, dass dieses Projekt im Zentrum der österreichischen Öl- und Gasproduktion verwirklicht werden kann“, so Seele. Man werde auch übermorgen noch Öl und Gas benötigen. „Die OMV ist technologieoffen. Es geht in Richtung Veredelung, wir beschäftigen uns mit Recycling und die OMV hat Kompetenz in Chemie“, so Seele.

Die Bundesministerin für Landwirtschaft, Tourismus und Regionen Elisabeth Köstinger sieht die Politik als verlässlichen Partner für die Energiewende. „Das ist ein zukunftsweisender Tag und ein Meilenstein für den Bergbau im Weinviertel.“ Köstinger setzt auch im Hinblick auf die Entwicklung notwendiger Speichertechnologie auf die Innovativität großer Kooperationen.

Landeshauptfrau Stellvertreter Stephan Pernkopf ist stolz, dass die Anlage auf niederösterreichischen Boden entsteht: „Das Land ist verlässlicher Partner für die Energiewende.“ Auch wenn ihm manches zu langsam geht. „Das Energieausbaugesetz muss umgesetzt werden“, so Pernkopf.

Verbund Vorstandsvorsitzender Wolfgang Anzengruber rechnet vor: „Es benötigt 1800 solcher Anlagen, um den Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie zu decken. Das geht nur in enger Zusammenarbeit – mit Partner aus der Industrie, mit Gemeinden und mit den Bürgern.“ Sein Stellvertreter Michael Strugl betont: „Das ist kein green washing, sondern die einzige Möglichkeit.“

OMV stellvertretender Vorstandsvorsitzender Johann Pleininger referiert über weiteres Potential: „Wir werden uns anschauen, wo geeignete Flächen zur Verfügung stehen, die Netzanschluss haben.“ Pleininger verweist auf die Technologiekompetenz der OMV. Im Weinviertel entwickelte Modelle werden international eingesetzt. „Wir sind seit Jahren Garant in der Region und das wird auch in Zukunft so bleiben“, so Pleininger.

Es war deutlich herauszuhören: Seele und der Vorstand der OMV nehmen Kurs auf eine wesentlich breitere Aufstellung des Mineralölkonzernes. Der Einstieg in die Borealis, das Recycling von Kunststoffabfällen oder die Produktion von Wasserstoff durch die Spaltung von Wasser mit nachhaltig hergestelltem Strom. Bei letzterem eröffnet sich großes Potential. Mit „grünem“ Wasserstoff könnte abgeschiedenes CO2 zu Kohlenwasserstoff verarbeitet werden, welcher in einem weiteren Prozess zur Herstellung von Kraftstoffen oder Erzeugung von hochwertigem Kunststoff genutzt wird. Kreislaufwirtschaft nennt Seele das.