Aufregung um geplante Siedlung. Pläne zur Schaffung neuen Wohnraumes in Schönkirchen-Reyersdorf lösen Bedenken bei Anrainern aus. Die Grünen kritisieren fehlendes Konzept.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 19. September 2020 (04:54)
Beate Kainz sieht Gefahr für die Tierwelt. VP-Ortschef Gary: „Zum Glück können wir Wohnraum schaffen.“
NÖN

Der Aufschließung neuen Siedlungslandes soll ein kleiner Wald weichen. Beate Kainz, Bezirkssprecherin der Grünen, sieht die Naherholung für die Bevölkerung und die Tierwelt in dem Waldstück gefährdet und ortet ein fehlendes Verkehrskonzept für die einzige Zufahrtsstraße.

Die Siedlung „Wunderberg“ soll neues Bauland für die Gemeinde bringen. Insgesamt rund 50 Bauplätze sind geplant. Besorgte Anrainer baten die Grünen, einen Blick auf die Pläne zu werfen: „Aktuell endet das Dorf in einem kleinen Wald, der von den Bewohnern als Naherholungsgebiet genutzt wird. Viele Tiere haben sich angesiedelt. Es wurden bereits große Greifvögel gesichtet, aber auch ein Eisvogel hat schon einen Gartenteich inspiziert“, so Kainz.

Sie vermutet, dass ohne die Akteneinsicht der Grünen die Stellungnahmen wohl im einstelligen Bereich geblieben wären. „Jetzt ist allgemein bekannt, dass Hangwasser das neue Bauland gefährdet und der Bach an dieser Stelle zu Hochwasser neigt. Es wird befürchtet, dass die bislang ruhige Straße für den zu erwartenden Verkehr verbreitert werden muss“, betont die Grüne. Die Öko-Partei appelliert an die Verantwortlichen, die Siedlung so zu planen, dass bereits an dieser Straße wohnende Menschen nicht benachteiligt werden. „Davon profitieren nicht nur die neuen Siedler, sondern die ganze Gemeinde“, ist Kainz sicher.

„Müssen vorhandene Fläche auch nutzen“

Die NÖN fragte VP-Bürgermeister Alexander Gary nach seiner Sicht der Dinge: „Ich bin froh, dass wir überhaupt die Möglichkeit haben, leistbaren Wohnraum zu schaffen. Das ist nur möglich, wenn wir die vorhandene Fläche und Infrastruktur auch wirklich nutzen. Das neue Siedlungsgebiet soll daher möglichst an das bestehende anschließen, weshalb auch die Rodung von Bäumen unvermeidlich ist.“

Bedenken der Anrainer verstehe er sehr gut. Darum sei intensiv an Lösungen gearbeitet worden. „Ich kann versichern, dass wir den doppelten Baumbestand wieder aufforsten werden – einen wesentlichen Teil sogar im direkten Anschluss zum neuen Siedlungsgebiet. Hier sind wir mit den Grundeigentümern bereits in positiven Gesprächen, um zusätzliche Flächen zur Aufforstung zu schaffen.“ Die Argumentation, dass ein alter Eschenwald, der ohnehin auf Grund der klimatischen Veränderungen gefährdet ist, für das zukünftige Klima besser ist als der doppelte Waldbestand auf geeigneten Plätzen, ist für Gary nicht nachvollziehbar.

Auch die Befürchtung von Hangwasser und Überschwemmungen sieht Gary durch die Versetzung der Retentionsflächen in Richtung Raggendorf entkräftet. „Durch den Leitungsringschluss der Wasserleitung im Siedlungsgebiet werden wir die Versorgungssicherheit auch in der verlängerten Hauptstraße deutlich verbessern und durch das neue Siedlungsgebiet wird es uns auch möglich sein, das Glasfasernetzwerk weiter auszubauen“, so Gary weiter. Das Siedlungsgebiet werde in mehreren Etappen ausgebaut, sodass genügend Zeit bleibe, auf Anpassungen der Infrastruktur zu reagieren. „Es ist mir wichtig, dass wir möglichst langsam wachsen“, fasst Gary zusammen.

Finaler Beschluss in nächster GR-Sitzung

Stellungnahmen besorgter Anrainer und der Grünen werden in die Entscheidungsfindung einfließen. Ein finaler Beschluss soll in der nächsten Gemeinderatssitzung fallen.

Den Gerüchten, die SP sei gegen die Rodung des Waldes, entgegnen SP-Vorsitzender Werner Kurz und geschäftsführender Gemeinderat René Zettel in einer gemeinsamen Antwort: „Die schwindende Waldfläche ist uns natürlich ein Anliegen. Wir setzten uns für eine 1:3-Aufforstung ein und sind diesbezüglich schon im Gespräch mit unserem Koalitionspartner VP.“ Wie auch Gary weisen Zettel und Kurz darauf hin, dass das Vorhaben bereits unter dem damaligen Listenbürgermeister Peter Hofinger gestartet wurde. „Die Landflucht unserer Jugend war jedoch schon Thema. Leistbarer Wohnraum ist unverzichtbar. Ein Stopp wäre wegen dem Fortschritt des Projektes wenig sinnvoll, würde eine hohe finanzielle Belastung für die Gemeinde darstellen und die junge Generation würde auf der Strecke bleiben“, so Kurz und Zettel.