Nach Feldweg-Bearbeitung: Ziesel-Zwist spaltet Ort

Bürgerinitiative „Lebenswertes Silberwaldviertel“ fürchtet, dass Fahrzeuge Tiere gefährden könnten. Grüne wittern Vorarbeiten für Kiesgruben-Erweiterung.

Erstellt am 30. Mai 2018 | 05:45
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Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Silberwaldviertel“ setzt sich dafür ein, dass im Zieselschutzgebiet nicht mit schwerem Gerät gearbeitet wird. Laut Auskunft der Gemeinde handelt es sich beim abgebildeten Fahrzeug um den Gemeindetraktor samt angebautem Schlegelhäcksler.
Foto: privat

Zu einem handfesten Eklat kam es in der Vorwoche bei Arbeiten an einem Feldweg im Ortsteil Silberwald. „Spätabends und bei strömendem Regen sollte ein Gemeindearbeiter den Weg 694 mit schwerem Gerät bearbeiten. Das ist ein durch Gutachten ausgewiesenes Zieselgebiet. Die geplante Aufschotterung vernichtet den Lebensraum der Tiere“, führt Monika Busch, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Lebenswertes Silberwaldviertel“, aus, die mit einer Gruppe von Anrainern auf die Problematik hinwies.

„Daraufhin wurde es unschön“, bedauert Busch die weiteren Vorgänge: „Amtsleiter Karl Stradner hat die Polizei gerufen und mit Anzeige gedroht.“ Soweit kam es dann doch nicht, dafür zu einem Gespräch mit Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz am nächsten Morgen.

Auch Gänserndorfs Grünen-Vize vor Ort

Vor Ort war auch Gänserndorfs Grünen-Vizebürgermeisterin Margot Linke – dieser Weg gehört zu einem Teil auch zu „ihrem“ Gemeindegebiet. Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz vermutet in einer Aussendung, dass Tatsachen geschaffen werden sollen, um die geplante Schottergruben-Erweiterung (die NÖN berichtete bereits mehrmals) ungehindert durchzubringen, ohne entsprechend Rücksicht auf die geschützten Zieselpopulationen nehmen zu müssen. „Woher kommt die plötzliche Dringlichkeit?“, so Kainz in ihrem E-Mail.

Busch stellt für die Bürgerinitiative klar: „Wir weisen strikt von uns, dass unsere Reaktionen nur dazu dienen, die Schottergrube zu verhindern. Wir wollen lediglich, dass von Amts wegen geklärt ist, was auf diesem Weg eigentlich gemacht werden darf.“

Die NÖN fragte in der Amtsstube nach: „Ich habe höflich eingeladen und ersucht, die Blockade des Weges aufzuheben und unseren Mitarbeiter nicht von der Arbeit abzuhalten. Dies ist nicht geschehen, daher die Beiziehung der Exekutive“, erläutert Stradner seine Sicht auf die Dinge, um weiter auf den Vorwurf, eine gegebenenfalls vorhandene Zieselpopulation absichtlich zu vertreiben, vehement zurückzuweisen: „Keinesfalls hat die Gemeinde irgendein Interesse, Schaden anzurichten.“

„Es werden lediglich Wege instand gesetzt“

Listenbürgermeister Peter Hofinger nimmt zum Hintergrund der Arbeiten Stellung: „Die Wegsanierung hat überhaupt nichts mit der Schottergrube zu tun. Es handelt sich dabei um eine Instandsetzung der Wege nach den seismologischen Messungen der OMV. Diese sind eingetieft und müssen auf den ursprünglichen Zustand gebracht werden.“

Auf dem fraglichen Teilstück seien auch keine Aufschotterung und Verdichtung geplant gewesen, sondern lediglich Mäharbeiten und Begradigungen. Zeitgleich mit dem Interview Montagmittag langte auch ein Rückruf der Bezirkshauptmannschaft (in Beisein des Ortschefs) beim Amtsleiter ein. Stradner nach der Beendigung des Telefonats: „Wie mir soeben bestätigt wurde, gibt es keine Festlegungen, dass der Weg in einem Schutzgebiet liegt.“

Der Bürgermeister ergänzt: „Wir sind verpflichtet, das Wegenetz in ordentlichem Zustand zu halten. Sollte das aufgrund eines Bescheides nicht möglich sein, wird der Weg gesperrt.“