Photovoltaikanlage: Kritik an Mega-Projekt. NÖN-Leser ist der Ansicht, „dass mit zweierlei Maß gemessen wird“. Landwirte würden anders behandelt als Konzerne. Grüne und OMV kontern die Vorwürfe.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 25. Juli 2020 (03:37)
So soll sie aussehen, wenn sie fertig ist: die Flächenphotovoltaikanlage in Schönkirchen-Reyersdorf.
Verbund

OMV und Verbund gaben den Startschuss zum Bau der größten Flächenphotovoltaikanlage in Österreich (die NÖN berichtete). Ein Projekt, das NÖN-Leser Raimund Erber aus Neuhofen (Bezirk Amstetten) eher sauer aufstößt. Er wandte sich mit einem Leserbrief an die NÖN.

„Ich finde es eigenartig, wie mit zweierlei Maß gemessen wird. Wenn Landwirte auf 13 Hektar Grund Pflanzen für die Energiegewinnung anbauen, ist dies nicht nachhaltig und sie werden gebrandmarkt. Wenn aber Konzerne mit Photovoltaikanlagen 13 Hektar Grund zupflastern, stellt sich die Politik dazu und preist dies als großes Nachhaltigkeitsprojekt, obwohl es riesige Hallendächer für PV- Anlagen gibt, wo kein neuer Grund verschwendet werden müsste,“, so Erber in seinem Leserbrief.

Die NÖN fragte bei OMV-Austria-Geschäftsführer Reinhard Oswald nach: „Die Photovoltaikanlage wird auf einem Gelände der OMV in Schönkirchen-Reyersdorf errichtet. Hier lagert Gestein, das bei Öl- und Gasbohrungen der letzten 70 Jahre im Weinviertel mitgefördert und gereinigt wurde.“ Das Grundstück sei Bergbau gewidmet und „kann für keinen anderen Zweck verwendet werden.“

Verlorene Fläche wird bewirtschaftet

Die Fläche kann daher nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden und wurde bewusst von OMV und Verbund für den Bau der Photovoltaikanlage ausgewählt. Ein Projekt, dem die Grünen im Bezirk positive Aspekte abgewinnen können: „Die Deponie muss gepflegt, erhalten und kontrolliert werden. Diese eigentlich verlorene Fläche doch noch zu bewirtschaften, ist ausgesprochen innovativ“, meint die Bezirkssprecherin der Grünen, Beate Kainz.

Auch, dass die reduzierte Leistung der Gaskraftwerke Aderklaa, Schönkirchen und Niedersulz sich positiv auf die CO -Bilanz in der Umgebung auswirkt, sieht Kainz als Vorteil. Ganz zufrieden ist die Bezirksgrüne allerdings nicht: „Grüner Strom wird zur Förderung fossiler Energie verwendet. Das sollte uns bewusst machen, wie viel Energie bei Gewinnung, Transport und Verarbeitung von Öl und Gas verbraucht wird.“

Trotzdem: Für Kainz zeigt das Photovoltaikprojekt auf, wie viel Potenzial für alternative Energiegewinnung noch vorhanden ist. Sie regt an, Deponiegruben, die derzeit mit Restflüssigkeit aus dem Bergbau gefüllt sind, mit Photovoltaikflächen zu überdachen. Dort gibt es jetzt bereits Lichtreflexionen, damit keine Vögel dort landen.