„Fleck“ für alte Reform. Volksschuldirektor Gerhard Gangl sieht Chance, dass Kinder nun Defizite aufholen können. NMS-Direktor Karl Kukutsch begrüßt eine Einführung von stabilen Leistungsgruppen.

Von Michaela Fiala. Erstellt am 15. Oktober 2018 (19:55)
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Volksschuldirektor Gerhard Gangl erkennt Vorteile bei der Festigung der Grundlagen in allen Hauptgegenständen.
NOEN

Seit vielen Jahren herrscht weder auf politischer noch auf Experten-Ebene Einigkeit, welche Maßnahmen notwendig sind, damit alle jungen Menschen die Pflichtschule mit einer fundierten Grundausbildung abschließen. Bildungsminister Heinz Faßmann stellte kürzlich ein überarbeitetes Schulpaket vor: In der Volksschule wird das Sitzenbleiben wieder möglich sein, ab der zweiten Klasse soll es künftig auch wieder Noten geben. In der Neuen Mittelschule sollen zwei Leistungsgruppen (Standard und Standard-AHS) und ein verpflichtender Förderunterricht eingeführt werden.

Die Direktoren der Gänserndorfer Pflichtschulen sehen positive Aspekte in den geplanten Neuerungen. Volksschuldirektor Gerhard Gangl erkennt im nochmaligen Besuch derselben Schulstufe für einige Grundschüler eine wichtige Chance:

„Kinder verlieren den Anschluss, wenn sie grundlegende Themen wie z. B. die 10er-Überschreitung im Rechenunterricht noch nicht begriffen haben.“ Derzeit gebe es die Problematik, dass Kinder, die die Vorschule besuchten, keine Klasse mehr wiederholen könnten, um ihre Defizite aufzuholen. Die Maßnahme sei selbstverständlich nie leichtfertig und immer mit dem Einverständnis der Eltern zu treffen.

Die vom Minister geforderte Notengebung im Zeugnis stellt für Gänserndorfer Volksschüler keine Umstellung dar. Der Schulleiter erklärt: „Die Kinder haben auch bisher jedes Jahr ein Notenzeugnis erhalten. Und es gibt an unserer Schule einen Lernkatalog und Rasterkriterien, die erfüllt werden müssen.“ Ergänzend dazu hätten die Lehrer für die Eltern Zeugnisbriefe mit verbalen Erklärungen der Leistungsbeurteilung verfasst.

Mittelschuldirektor Karl Kukutsch ferhofft sich ein stabileres Lernumfeld.
NOEN

Auch NMS-Direktor Karl Kukutsch begrüßt das neue Konzept: „Die Reduzierung auf zwei durchlässige Gruppen mit klaren Vorgaben geht in die richtige Richtung. Kinder, Eltern, Schule und Wirtschaft werden für klare, einheitliche und vergleichbare Strukturen sowie Ergebnisse dankbar sein.“ Die Zusammensetzung der Schüler in den bisherigen temporären Lerngruppen, die sich am Tempo, den Interessen, den sprachlichen Begabungen, etc. orientierten, habe häufig gewechselt. Diese Unterrichtsmethode habe daher nicht immer für das notwendige stabile Lernumfeld gesorgt.

Eine Verpflichtung zum Förderunterricht findet Kukutsch wichtig: „Es gibt sowohl Eltern als auch Kinder, die Fördermaßnahmen nicht annehmen. Es müssen Möglichkeiten der Durchsetzung und Instrumentarien zur Sanktionierung geschaffen werden.“ Es gebe aber auch viele Eltern, die das Förderangebot dankbar annehmen würden, wenn bei ihrem Nachwuchs Bedarf festgestellt werde.

 Schulreform

 Geplante Maßnahmen:

Volksschule:

  • Sitzenbleiben ab 2. Klasse
  • Notenzeugnis

Neue Mittelschule:

  • Änderung der Bezeichnung
  • zwei fixe Leistungsgruppen
  • fünfteilige Notenskala
  • verpflichtender Förder-Unterricht für schwache Schüler

Polytechnische Schule:

10. Schuljahr ist möglich