Zug steht nun am Abstellgleis. Regionalbahn fährt nicht mehr. Ersatzbusse sorgen seit Wochen für vehementen Widerstand vieler Öffi-Nutzer.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 23. Dezember 2019 (04:41)
Durchaus nostalgisch ging es am letzten Betriebstag der Linie Schweinbarther Kreuz zu. Der Lokführer wurde nach der Abschlussfahrt mit einem Geschenk verabschiedet.
Szeker

Die Busse fahren, sonst bewegt sich nichts – was sowohl wörtlich als auch bildlich zu verstehen ist. Das Schweinbarther Kreuz ist seit dem Wochenende Geschichte, der letzte Zug verließ den Bahnhof. Seit dem Bekanntwerden der Einstellung wird das Thema heiß diskutiert, Bürgerinitiativen haben sich pro Bahn gebildet. Ein Weihnachtswunder wird es wohl nicht geben, die Fronten scheinen verhärtet.

Die Plattform „Regionalbahn statt Bus“ präsentierte mit der Graz Köflacher Bahn (GKB) einen potenziellen Interessenten für den Fortbetrieb. Ein – bislang internes – Konzept wurde erstellt. Die Eckpfeiler klingen gut: Fortbetrieb im derzeitigen Umfang in der ersten Phase, Einbindung in die Laaer Ostbahn direkt zur U-Bahnstation Leopoldau und schlussendlich moderne und komfortable Schienenfahrzeuge. Das weckt Hoffnungen bei den Busgegnern und der Bürgerinitiative in Raggendorf, die sich vehement gegen den dort geplanten Busbahnhof stellen.

Allerdings – seitens der GKB wartet man, dass man von offizieller Seite zu Gesprächen an das Unternehmen herantritt. Das Land Niederösterreich bestätigt, dass es bislang weder Gesprächstermine noch eine Anfrage zu solchen gegeben hat und verweist auf die ÖBB als Eigentümer der Gesamtinfrastruktur, die ebenfalls bis dato keinen Bestellwunsch verzeichnen kann.

Züge waren leer, die Busse sind es auch

Die Züge waren großteils leer, die Busse sind es bis jetzt auch. Fahrgastzahlen von 700 Personen werden genannt, 2.000 sollten es mindestens sein. Die Meinung einer Passantin dazu: „Unsere Region wurde über die Jahre den öffentlichen Verkehr betreffend ausgehungert. Jetzt fahren die Menschen mit dem Auto. Es wird schwer, sie davon wieder wegzubekommen.“

Das Auto ist bequem, jederzeit verfügbar und steht in mehreren Ausfertigungen fast vor jeder Haustür. Den Fahrgast so nahe als möglich am Wohnort abzuholen, ist eine der Hauptargumentationen von VOR und Land. Deshalb kurven die Busse im Halbstundentakt durch die Ortschaften, was wiederum die Busgegner auf die Palme bringt. Auch zum Thema Investitionsbedarf bestehen grundlegende Meinungsverschiedenheiten.

Während die ÖBB Zahlen in der Größenordnung von 115 Millionen Euro nennt, geht die Bürgerinitiative in Raggendorf von wenigen Millionen Euro aus. Ohne ausreichende Adaptierung der Schienen steht eine Maximalgeschwindigkeit von 20 km/h im Raum, was der Attraktivierung wohl auch nicht zuträglich ist. Abgesehen davon, dass sich bis jetzt niemand gefunden hat, der Geld für die Sanierung in die Hand nehmen will.

Die Idee, den Schweinbarther Ast in Obersdorf einzuschleifen und damit eine Direktanbindung nach Wien zu schaffen, ist nicht neu. Schon die Regionsbürgermeister sind 2016 mit einer entsprechenden Petition gescheitert. Technisch wäre eine rund einen Kilometer lange Schleife notwendig. Es drängt sich die Frage auf, warum das nicht schon beim Umbau des Bahnhofes Obersdorf eingeplant wurde.

Die Trassenkapazität würde einen Stundentakt noch vertragen, spätestens in Leopoldau ist kein Platz mehr für zusätzliche Züge – so die ÖBB. Für einen Umbau gebe es weder ein Konzept, geschweige denn eine Finanzierung – und noch dazu handelt es sich schon um Wiener Stadtgebiet.

Raggendorf sträubt sich gegen den Busbahnhof

Apropos Busbahnhof: Die Raggendorfer Anrainer wollen ihn nicht, die Nachbargemeinde Groß-Schweinbarth liebend gerne, bekommt ihn aber nicht, was mit der Effizienz der Streckenführung argumentiert wird. Die Alternativvariante der Bürgerinitiative am Bahngelände (Haltestelle Raggendorf) wurde ebenfalls nicht angenommen.

Auch über die „Schuldfrage“ gehen die Meinungen weit auseinander. SP, Grüne und auch FP betonen einhellig: „Wenn das Land bestellt, fährt die ÖBB.“ Aus dem Büro von VP-Landesrat Ludwig Schleritzko klingt das alles aber gänzlich anders: „Es ging nie darum, ob das Land hier keinen Verkehr bestellen will oder doch, sondern darum, dass die Infrastruktur-Besitzer die Strecken nicht mehr zur Verfügung stellen.“

Das Ganze hört sich nicht wirklich nach Weihnachtsfrieden an und schon gar nicht nach einer baldigen Wiederaufnahme des Bahnbetriebes. Bei allem Drumherum, Willensbezeugungen und Ähnlichem – die Frage wird wohl wie so oft sein: „Wer bezahlt das Ganze eigentlich?“