Covid-Testung war Hürdenlauf für Familie. Familie klagt über zu späte Tests und Absonderungsbescheide sowie über lange Quarantäne für Nicht-Infizierte. Behörde: „Es ist sicher nicht alles optimal gelaufen.“

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 08. November 2020 (04:13)
Symbolbild
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Die Covid-19-Bürokratie kann sich als Hindernislauf gestalten – so wie bei der Familie R. zu langer Informationsfluss und zu spät zugestellte Bescheide veranlassten R., die NÖN zu kontaktieren. Die langen Quarantänezeiten der nicht infizierten Kinder bereiteten zusätzliche Probleme. Zumindest dahingehend scheint es nun gesetzliche Änderungen zu geben.

Wolfgang Merkatz: „Bedauern, dass nicht alles optimal gelaufen ist.“
NÖN

Zwei Tage nach einer beruflichen Veranstaltung außerhalb des Bezirks traten bei R. Krankheitssymptome auf. Hohes Fieber, Übelkeit, Magenprobleme Gliederschmerzen und Schüttelfrost veranlassten R. zum Anruf bei 1450. Aber: Ein Test wurde verweigert, da Geruchs- und Geschmackssinn vorhanden waren. Zwei Tage später kam alles noch schlimmer. „Ich habe nochmals angerufen und auf Ratschlag meines Hausarztes alle Fragen mit Ja beantwortet. Dann kam sofort der Absonderungsbescheid per E-Mail“, berichtet R. Seine Frau musste mit den Kindern ebenfalls in Quarantäne.

R. war positiv, einen Tag später kam das positive Testergebnis seiner Frau. „Noch am selben Tag habe ich die Liste der Sitzungsteilnehmer an die BH gemailt. Obwohl ich darauf hingewiesen habe, dass die acht Personen aus ganz Österreich kommen, meinte man, Name und Telefonnummer genügen“, wundert sich R. Es genügte nicht, wie sich nach wiederum zwei Tagen herausstellte. R. zeigt sich verwundert: „Das dauert alles viel zu lange. Die anderen Teilnehmer haben erst elf Tage nach meinem positiven Test den Bescheid erhalten. Glücklicherweise haben deren Dienstgeber reagiert und sie freiwillig in Quarantäne geschickt.“

„An die 50 Mitarbeiter für Contact-Tracing“

Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz meint auf Nachfrage der NÖN: „Ich versichere, dass wir alles so zügig als möglich abarbeiten. Mittlerweile sind an die 50 Mitarbeiter mit dem Contact-Tracing beschäftigt. Es ist die Menge der Fälle.“ Ein Argument, das R. so nicht akzeptiert: „Man hätte schon in Sommer die notwendigen Vorbereitungen treffen können.“ Mit 27. Oktober erhielt seine Frau den Aufhebungsbescheid, drei Tage zu spät, angeblich wegen einer fehlenden Amtssignatur des Juristen.

„Warum wurde nicht angerufen? Das hätte ja auch gereicht“, so R. Merkatz: „So etwas soll nicht vorkommen, das wird nachbearbeitet.“ Die ungetesteten Kinder mussten für 20 Tage in Quarantäne, länger als infizierte Personen. „Wir sind beide beschwerdefrei und könnten arbeiten gehen. Einer muss aber die Kinder betreuen“, sagt R.

Dass die Aufhebung des Absonderungsbescheides auf ein bloßes Telefonat erfolgt, gibt R. auch zu denken. Merkatz dazu: „Wir können nicht alles kontrollieren. Die Menschen sollten wissen, dass sie in dieser schwierigen Lage nicht lügen sollen.“