Politik gegen Bau von Schottergrube in Deutsch-Wagram. Die Staub- und Lärmbelastung würde laut ÖVP, SPÖ, Grünen und FPÖ stark ansteigen. Rohrdorfer: Lkw fahren auf eigenen Straßen.

Von Robert Knotz. Erstellt am 04. März 2021 (04:23)
ÖVP-Stadtrat Johannes Kozlik, FPÖ-Gemeinderat Matthias Hittinger, SPÖ-Stadtrat Gurdial-Singh Bajwa, Grünen- Gemeinderätin Bettina Bergauer, ÖVP-Bürgermeister Friedrich Quirgst, ÖVP-Gemeinderätin Susanne Predl mit Enkel und Grünen-Stadtrat Heinz Bogner sind gegen die geplante Schottergrube.
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Fliegen sonst im Gemeinderat die Fetzen, so sind sich die Politiker in einem Punkt großteils einig: Sie wollen keine Schottergrube in Deutsch-Wagram. ÖVP, SPÖ, Grüne und FPÖ lehnen den Abbau von Schotter am Hagerfeld strikt ab.

Hier die Hintergründe: Die Firma Rohrdorfer Sand und Kies GmbH plant eine Schottergrube im Hagerfeld. Dabei handelt es sich um das Gebiet südöstlich des Zentrums nahe der Feldgasse. Laut einem Bescheid der Bezirkshauptmannschaft (BH), der der NÖN vorliegt, ist die Grube rund 680 Meter vom besiedelten Gebiet in Deutsch-Wagram entfernt. In südlicher Richtung (Parbasdorf) sind es etwa 1,6 Kilometer und in Richtung Strasshof (Industriegebiet Markgrafneusiedl bzw. Wohngebiet Strasshof) 1.100 und 1.500 Meter Entfernung zum besiedelten Gebiet. Das Projekt „Kies V“ soll dem derzeit aktiven Projekt „Kies IV“ im Markgrafneusiedl nachfolgen.

Anwalt für Umweltrecht wurde eingeschaltet

Laut dem BH-Bescheid bedarf es keiner Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für das Projekt. „Ich bin umgehend tätig geworden und habe bereits mit einem auf Umweltrecht spezialisierten Anwalt Kontakt aufgenommen, der für uns eine fundierte Beschwerde erarbeiten soll“, so ÖVP-Bürgermeister Friedrich Quirgst. Und weiter: „Die Mondlandschaft in Markgrafneusiedl dient uns hier als abschreckendes Beispiel.“

Noch ein interessantes Detail: Das geplante Abbaugebiet soll sich auf der geplanten Trasse der Marchfeld-Schnellstraße S8 befinden. Die Frage stellt sich nun, wie es mit der S8 weitergeht. „Wir sind in Deutsch-Wagram schon extrem vom Verkehr belastet. Auch rückt für mich der Schotterabbau viel zu nahe an das Siedlungsgebiet“, so der Stadtchef weiter.

Gefürchtet wird vor allem der Anstieg von Lärm, Lkw-Verkehr sowie der Feinstaubbelastung. „Ich höre bei Südwind schon jetzt den Lärm vom Schotterabbau in Markgrafneusiedl, zukünftig wäre der Abstand zum Siedlungsgebiet im Hagerfeld nur noch halb so weit“, so ÖVP-Gemeinderätin Susanne Predl, die im Hagerfeld wohnt.

Bernd Wanivenhaus, Prokurist der Rohrdorfer Group, besänftigt: „Es handelt sich hier um ein ganz normales Verfahren. Die Grube ist weit weg vom Ort und die Zu- und Abfahrt erfolgt nicht über das öffentliche Straßennetz, sondern über eigene Zufahrtswege direkt von und in unser Werk.“

Rohrdorfer habe ordnungsgemäß angesucht und die Gemeinde habe Parteienstellung erhalten. Das Abbaugebiet liege in der Eignungszone für Schotterabbau.