Baustelle: Ticket war teurer . Strecke nach Wien war abschnittsweise gesperrt. „Dafür musste ich mehr zahlen“, so Psychotherapeut.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 31. Juli 2020 (05:14)
Anton Wambach: „Hätte nicht mitGutscheingerechnet.“
Mauritsch

Anton Wambach ist Psychotherapeut mit Praxis in Gänserndorf und in Wien, wohin er als umweltbewusster Bürger gerne mit der Baustellefährt. Das wurde ihm letztens allerdings durch ein unliebsames Erlebnis am Bahnhof Gänserndorf verleidet.

Indirekter Grund für das Ungemach: Die zeitweilige Streckensperre zwischen Floridsdorf und Praterstern. „Die Zwangsumstiege auf die U-Bahn wurden beim Automaten mit Extrafahrkarten automatisch dazugerechnet. Da kommt man nicht daran vorbei“, ärgert sich Wambach. Das bedeutete, dass für die Strecke statt 5,60 satte 10,40 Euro zu berappen waren. Dabei besitzt er eine Vorteilskarte der ÖBB, die immerhin mit 66 Euro zu Buche schlägt.

Damit aber nicht genug: „Man muss in Leopoldau mit der U1 nach Praterstern, weil das exakt so auf dem extra ausgedruckten Fahrschein steht. Die Alternative von Floridsdorf mit der U6 fällt weg. Wenn ich kontrolliert werde, hätte ich trotz Fahrscheins Strafe zahlen müssen. Die Fahrgäste müssen für die Unannehmlichkeiten der Streckensperre noch extra zahlen“, resümiert Wambach. So ganz nebenbei fragt sich der Psychotherapeut, wofür der Bahnhof Gänserndorf um teures Geld umgebaut wird, wenn der Schalter schon seit Monaten nicht besetzt ist und einzig der Fahrscheinautomat in der zugigen Unterführung zur Verfügung steht.

„Schnellste Verbindung wird normal angezeigt“

Pressesprecher Daniel Pinka von der ÖBB antwortet auf die NÖN-Anfrage: „Die Ticketautomaten arbeiten fahrplanbasiert. Es werden standardmäßig die schnellsten Verbindungen angezeigt. Bei Buchungen mit einer ÖBB-Vorteilskarte erscheint die tariflichekorrekte Kombination aus ÖBB-Haustarif und Tarif des Verkehrsverbundes Ostregion. Beim VOR wird ausschließlich die Vorteilscard Senior als Ermäßigungstarif anerkannt.“

Sprich: Der serviceorientierte Vorschlag der schnellsten Verbindung geriet hier zum Nachteil, weil die Kernzone Wien mit den U-Bahn-Verbindungen vorgeschlagen wird, welche zusätzlich zu zahlen sind. Bei Nutzungen des Busses als Schienenersatzverkehr wäre nur das Bahnticket verrechnet worden. Der Bus fährt allerdings von Floridsdorf zum Praterstern wesentlich länger – daher der Vorschlag mit dem U-Bahn-Ticket – sehr kompliziert, das Ganze.

Seitens der ÖBB bedauert man die Unannehmlichkeiten: „Wir haben das Feedback an die Kollegen des verantwortlichen Fahrbereiches übermittelt, um künftig eine bessere Lösung zu finden.“ Immerhin: Die ÖBB sandte einen Gutschein über 5 Euro an den Fahrgast, um die Mehrkosten abzudecken. Die Züge sollten jetzt wieder wie gewohnt unterwegs sein.

Wambach ist erstaunt: „Das hätte ich von den Verantwortlichen der ÖBB wirklich nicht erwartet. Bekommen das jetzt eigentlich alle betroffenen Fahrgäste?“