Gewässervernetzung: „Jungbrunnen“ für die Au. Der „Spittelauer Arm“ soll wieder an die Donau angebunden werden, Arbeiten starten bald.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 07. Dezember 2019 (04:18)
„via donau“-Geschäftfsührer Hans-Peter Hasenbichler undNationalpark-Direktorin Edith Klauser sind erfreut über die Wiederbelebung des Spittelauer Arms.
Havranek

Ein wichtiges Projekt für die Donau-Auen steht in den Startlöchern: Wie Nationalpark-Direktorin Edith Klauser und „via donau“-Geschäftsführer Hans-Peter Hasenbichler beim Lokalaugenschein verlautbarten, wird der „Spittelauer Arm“ wieder an die Donau angebunden.

Das Nebenarmsystem befindet sich auf Höhe von Hainburg am gegenüberliegenden Stromufer und ist noch durch Traversen aus Flussbausteinen vom Hauptfluss abgeschnitten. Die Wiederanbindungsarbeiten umfassen unter anderem eine Entfernung dieser Traversen, um den Seitenarm wieder zu aktivieren. „Ziel ist es, bei Mittelwasser etwa 70 m durch den Arm fließen zu lassen“, berichtet Hasenbichler und ergänzt: „Das ist ein Teil des ,Dynamic Lifeline‘-Projekts, das rund 11 Mio. Euro bei 60-prozentiger Förderrate der EU kostet.“

"Der Ökologe vermisst hier die ,junge Au‘"

Die entfernten Wasserbausteine werden unter anderem beim Hochwasserschutz bei Witzelsdorf wieder eingesetzt – Stichwort „Wiederverwertung“ und „Nutzung kurzer Transportwege“. Die Bauvorbereitungen starten noch im Dezember (Kampfmittelerkundungen, Rodungsarbeiten) und schon Anfang 2020 sollen die Wasserbauarbeiten starten. Die Bauzeit ist mit zwei Jahren angesetzt.

Die Einströmöffnung wird dann so tief ausgeführt, dass nahezu ganzjährig Wasser in den Nebenarm fließen kann und auch die Mündungstraverse wird großteils abgebaut, sodass Wasser und vor allem die mitgeführten Sedimente wieder in die Donau zurückfließen können. Letzteres bewirkt eine Stabilisierung der Donausohle, weil durch die Aufteilung des Donau-Abflusses weniger Kies vom Sohlgrund ausgewaschen wird.

Außerdem ergibt sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Fische, denn die mit dem Hauptstrom verbundenen Nebenarme stellen Laichplätze und wellenschlag-geschützte „Kinderstuben für Jungfische“ dar, wie Hasenbichler erläutert.

Auf die ökologischen Aspekte, wie die Förderung der dynamischen Au-Landschaft, ging auch Klauser ein: „In dieser der Kernzonen des Nationalparks leben Seeadler, Eisvögel und an die 8.000 weitere seltene Arten.“ Christian Baumgartner, zuständiger Bereichsleiter des Nationalparks, erklärt: „Der Ökologe vermisst hier die ,junge Au‘. Hier gibt es zu viele hoch liegende Au-Bereiche, die der Fluss gerne umreißen würde, damit der Prozess neu starten kann. Hier könnte ein Jungbrunnen für die Au entstehen.“