Hufnagl verlässt SP aus Zorn. Der Ex-Gemeinderat kritisiert die Partei heftig. Ortschef und Bezirksvorsitzende beziehen Stellung.

Von Robert Knotz. Erstellt am 05. September 2019 (04:20)
NÖN-Archiv, Knotz
Links: Wolfdieter Hufnagl lässt kein gutes Haar an der SPÖ.; Mitte: Bezirksparteivorsitzende Karin Renner akzeptiert Hufnagls Austritt.; Rechts: SP-Bürgermeister Ludwig Deltl bestreitet die Vorwürfe.

Der ehemalige geschäftsführende SP-Gemeinderat Wolfdieter Hufnagl kehrt den Sozialdemokraten nach 51 Jahren den Rücken. In einem E-Mail an Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner, das der NÖN-Redaktion vorliegt, kritisiert er vor allem die örtliche SPÖ: So wirft Hufnagl – Träger der Viktor-Adler-Plakette – seiner Ortsgruppe vor, sein 50-jähriges Parteijubiläum unter den Teppich gekehrt bzw. ihm die Urkunde, erst nach Urgenz, formlos in den Briefkasten geworfen zu haben.

Als Hufnagl mit Gattin Evelyne in der evangelischen Martin-Luther-Kirche, als deren Gründer und Kurator-Stellvertreter er sich bezeichnet, die Goldene Hochzeit feierte, sei SP-Bürgermeister Ludwig Deltl trotz mehrerer Anfragen nicht erschienen und hätte auch keinen Vertreter der Gemeinde entsendet. Auch sein 75. Geburtstag sei vonseiten der SPÖ und der Gemeinde nicht beachtet worden.

Nach 27 Jahren Tätigkeit als SPÖ-Gemeinderat, davon vier als geschäftsführender, hätten seine Gattin und er die Ämter im Ortsparlament, die Funktionen als Volkshochschulleiter, und als Vorstände des Pensionistenverbandes ohne Angabe von Gründen niedergelegt, um der Partei nicht zu schaden.

"Darstellungen Hufnagls sind seine Sicht der Dinge."

Auch in der Festzeitschrift „25 Jahre VHS“ habe es keinerlei Erwähnung der Leistungen Hufnagls gegeben. Weiters bemängelt Hufnagl, dass der Ortschef mit dem „Goldenen Verdienstkreuz des Landes NÖ“ ausgezeichnet worden wäre, obwohl dieser außer acht Jahren als Bürgermeister nichts anderes vorzuweisen habe.

Bezirksparteivorsitzende Karin Renner kommentiert den Parteiaustritt wie folgt: „Die Darstellungen Hufnagls sind seine Sicht der Dinge. Er hat zweifellos viel geleistet. Wir werden seinen Entschluss zur Kenntnis nehmen.“ Auch Deltl bezog Stellung: „Es gab keine Anfragen der Familie zur Goldenen Hochzeit. Auch der Termin war nicht bekannt, daher war auch kein Gemeindevertreter anwesend.“

Zu seinem Geburtstag habe man Hufnagl zeitgerecht ein Schreiben zugestellt, wo ein Foto-Termin vorgeschlagen wurde. „Die Gemeindeparteivorsitzende Eva Roula, ein Fotograf und ich läuteten öfter, es wurde jedoch nicht geöffnet und so deponierten wir die Wünsche im Postkasten“, so Deltl.

Roula teilte der NÖN noch mit, dass sie die Familie Hufnagl einige Tage später aufgesucht und angetroffen habe. Sie übermittelte die Glückwünsche. „In den Jahren als Bürgermeister kann ich eine lange Liste an Dingen aufzählen, die unter meiner Führung passiert sind“, schließt Deltl.