Sanis setzten Patient in Garage: Frau tobt

Strasshof: 80-jähriger Fieberpatient wurde um drei Uhr früh von Sanitätern neben Auto abgeliefert, weil seine Frau die Glocke überhört hatte.

Erstellt am 17. November 2021 | 04:33
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Patient übernachtete in Garage. Laut den Sanitätern war dies sein eigener Wunsch.
Foto: Symbolfoto:ÖRK/Annemarie Andre

Unfassbar, was Adi Bohac da passiert ist. Der 80-Jährige wurde mit der Rettung gegen drei Uhr früh nach Hause gebracht und mit 39,6 Grad Fieber in der kalten Garage abgesetzt. Seine Frau, Brigitte Danzinger, erzählt die ganze Odyssee: „Es begann am Samstag, den 6. November. Meinem Mann ging es plötzlich sehr schlecht. Er hatte Fieber, ich rief die Hotline 1450 an und er wurde gegen neun Uhr früh vom Roten Kreuz ins Krankenhaus Stockerau gebracht, wo man feststellte, dass er trotz zweimaliger Impfung mit AstraZeneca Corona-positiv ist.“

Die Rettung habe Bohac schließlich um etwa 16.30 Uhr wieder nach Hause gebracht. Weil es sich nicht ganz wohl fühlte, hatte das Paar bereits am Vortag einen PCR-Test gemacht (beide sind positiv), das Ergebnis stand am Samstag allerdings noch aus – bis zu 36 Stunden Wartezeit. „Am Abend fühlte sich Adi wieder schlecht, er hatte 39,6 Grad Fieber und ich verständigte abermals die Rettung“, erinnert sich die Frau. Der Erkrankte sei gegen 0.45 Uhr wieder ins Krankenhaus Stockerau gebracht worden.

Die Gattin nahm eine halbe Schlaftablette

„Ich war durch die jüngsten Ereignisse aufgeregt und nahm um zwei Uhr früh eine halbe Schlaftablette. Meinen Mann wähnte ich in Sicherheit und mein Handy legte ich neben das Bett, damit ich keine Anrufe versäumte. Um etwa acht Uhr früh bemerkte ich eine halboffene Garagentür. Ich schaute nach und fand Adi in der Garage sitzend und mit einer Decke aus dem Auto notdürftig zugedeckt. Und das mit fast 40 Grad Fieber“, erzählt die entrüstete Frau der NÖN.

Ihren Recherchen nach hatte man ihren Mann um drei Uhr früh wieder nach Hause gebracht und ihn – vermutlich, weil sie das Läuten an der Tür nicht gehört hatte – einfach am nächstmöglichen Ort abgesetzt. „Einen Anruf hätte ich gehört. Auch Klopfen am Fenster des Schlafzimmers wäre eine Möglichkeit gewesen“, meint Danzinger. Doch es ging weiter: Zwei Tage später verschlechterte sich der Zustand ihres Mannes massiv und sie ersuchte den Hausarzt, ihren Gatten anstatt nach Stockerau ins Krankenhaus Mistelbach einliefern zu lassen. Obwohl der Arzt eine Einweisung in die Interne Ambulanz in Mistelbach verordnete, lieferte man Bohac erneut im Spital Stockerau ein, von wo er nach vier Stunden Wartezeit ohne Behandlung wieder nach Hause gebracht wurde.

Rotes Kreuz: Patient lehnte Rücktransport ab

„Beim Wohnhaus des Patienten schlugen zahlreiche Versuche durch die Sanitäter, auf sich aufmerksam zu machen, fehl. Auch der Vorschlag des Patienten, mit einem Ersatzschlüssel durch die Garage ins Haus zu kommen, scheiterte an einem von innen steckenden Schlüssel. Die Sanitäter schlugen vor, Bohac wieder zurück ins Spital zu transportieren, was er ablehnte“, so Helmut Riemer vom Roten Kreuz Korneuburg.

Stattdessen habe Bohac vorgeschlagen, im Auto in der Garage zu übernachten. „Da er trotz Erkrankung einen orientierten Eindruck machte, willigten die Sanitäter schließlich ein. Bohac schloss noch selbstständig das Garagentor – zumindest teilweise“, so Riemer.

Er räumt allerdings ein, dass nicht versucht wurde, die Gattin anzurufen. Den nachfolgenden Transport ins Krankenhaus Stockerau erklärt Riemer mit einer strengen Regelung für Covid-Patienten.