Sensationsfund: Neues Mineral entdeckt. Der „Alumino-Oxy-Rossmanit“ wurde vom Strasshofer Forscher Andras Ertl zuerst beschrieben.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 17. Juli 2021 (05:18)

Auf eine absolute Sensation wurde der in Strasshof lebende Mineralologe Andreas Ertl (Institut für Mineralogie und Kristallografie der Universität Wien) aufmerksam: In einem in Raabs an der Thaya (Waldviertel) zutage tretenden Gestein war ein sehr versierter Mineraliensammler auf bis zu mehrere Zentimeter große, wundervoll rosa gefärbte und oftmals durch schön ausgebildete Flächen begrenzte Kristalle aufmerksam geworden.

Der ungewöhnliche Fund wurde Mineralogen der Universität Wien gemeldet, die nun nach umfangreichen und langwierigen Untersuchungen zu einem spektakulären Ergebnis kamen: Es handelt sich um ein bisher unbekanntes Mineral aus der Gruppe der Turmaline.

Ein Highlight im Leben von Wissenschaftler

Das seltene Privileg, eine ganz neue Mineralart zu entdecken, gehört zu den absoluten Highlights im Leben von Erdwissenschaftlern. Ein neues Mineral wäre allein schon bemerkenswert, doch dieses hier ist gleich aus mehreren Gründen ganz besonders spektakulär: Der erste Grund ist seine Größe.

Während es sich bei den meisten der heute neu entdeckten Mineralarten um mikroskopisch kleine Körnchen handelt, sind die Kristalle in diesem Fall teils mehrere Zentimeter groß. Dies kommt bei neu entdeckten Arten nur noch extrem selten vor – so, als würde in der Zoologie plötzlich eine neue Elefantenart entdeckt.

Der zweite Grund liegt in seiner Herkunft. Der neue Turmalin aus dem Waldviertel ist nun der Erste aus dieser Gruppe mit offizieller Typlokalität (d. h. der erste Fundpunkt, durch den die Spezies definiert wird) in Österreich.

Entstehung vor rund 340 Millionen Jahren

Der dritte Grund liegt in seiner sehr speziellen chemischen Zusammensetzung. Der neue Turmalin stellt einen weltweiten Rekord auf, da er der aluminiumreichste Vertreter dieser Gruppe ist, der jemals entdeckt wurde.

Gleichzeitig ist er sehr arm an Wasser und Natrium, was auf ganz spezielle Bildungsbedingungen hinweist. Es konnte bestimmt werden, dass die Kristalle der neuen Mineralart vor rund 340 Millionen Jahren bei höherem Druck aus einer rund 700°C heißen, sehr trockenen Gesteinsschmelze entstanden.

Nachdem der internationale Zulassungsprozess erfolgreich abgeschlossen ist, freuen sich die Entdecker auf eine Publikation in einer renommierten Fachzeitschrift.