Betrug mit Krax’n? Mechaniker & Besitzerin vor Gericht. Mechaniker soll „Pickerl“ trotz vieler Mängel ausgestellt haben. Besitzerin des VW-Busses verkaufte das Fahrzeug daraufhin.

Von Christian Pfeiffer. Erstellt am 09. Mai 2021 (04:54)
Immer wieder kommt es vor, dass in Kfz-Prüfzentren „Pickerl“ für Fahrzeugen mit schweren Mängeln ausgestellt werden.
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„Ausstellung eines ‚Pickerls‘ durch einen 42-jährigen Mitarbeiter einer Kfz-Werkstätte für ein nicht betriebs- und verkehrssicheres Fahrzeug und nachfolgender betrügerischer Verkauf dieses Fahrzeugs durch die 44-jährige Eigentümerin“, warf Staatsanwalt Ronald Schaffer jeweils den beiden Angeklagten am Landesgericht Korneuburg vor.

Im Juni 2020 kaufte die 44-jährige Hausfrau einen 30 Jahre alten VW-Bus mit 200.000 Kilometern am Buckel. Eigentlich war dieser gedacht, um mit ihren drei Enkeln Ausflüge zu unternehmen. Dazu sollte er über eine Standheizung und Klimaanlage verfügen, was er nicht tat. Also sollte der Bus, samt Prüfgutachten, weiterverkauft werden. Der erste Versuch in der Werkstatt scheiterte an den Mängeln des Fahrzeugs.

1.500 Euro flossen in das Fahrzeug

Ihr Mann habe daraufhin – gemeinsam mit dessen Cousin – viel Zeit und etwa 1.500 Euro Materialkosten in das Fahrzeug investiert und am 24. Juli das ersehnte „Pickerl“ bekommen, allerdings nur für zwei Monate. Innerhalb dieser zwei Monate fand die Frau eine Käuferin, die für den VW-Bus 3.700 Euro bezahlte, unter der Bedingung eines aufrechten Prüfgutachtens für ein Jahr. So wurde dem Fahrzeug auch am 14. September in der Werkstatt bescheinigt „verkehrs- und betriebssicher“ zu sein. Eineinhalb Monate danach, am 5. November, musste das Fahrzeug nach 4.300 gefahrenen Kilometern auf den Prüfstand des zuständigen Amtes der Landesregierung.

Das Ergebnis waren 24 schwere Mängel und zwei Mängel mit dem Vermerk „Gefahr in Verzug“ und hatten die Anklage vor dem Schöffensenat zur Folge. Ein umfangreiches, zweitägiges Beweisverfahren kam für die beiden Verteidiger, Dieter Berthold und Markus Handlos, zu einem eindeutigen Ergebnis: Freispruch. Und sie sollten recht behalten mit ihren Plädoyers.