Üben für den Extremfall. Training / Im Windpark stellten Wehren Notsituationen nach. Dabei kam auch heraus, dass sich fast alle Windräder zu nahe am Wald befinden, was bei einem Brand ein großes Problem ist.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 12. Juni 2014 (07:01)
NOEN, Mauritsch
Eine bewusstlos im Sicherungsgurt hängende Person ist abzuseilen, Feuerwehrleute und Sanitäter stehen schon bereit – mit dieser Übung machten sich Wehren mit den Gegebenheiten im Windrad vertraut.

Ein umgestürzter Traktoranhänger begräbt einen Landwirt unter dem Ladegut, im Windrad ist ein Techniker auf der Leiter ausgerutscht und hängt bewusstlos mit schwerer Kopfverletzung im Sicherungsgurt – diese angenommenen Szenarien übten die Feuerwehren Klein-Harras, Groß-Schweinbarth und Kollnbrunn im Windpark, um für hoffentlich nie Realität werdende Vorkommnisse gerüstet zu sein.

Die Übung war auch notwendiger Teil für das Betriebsanlagen-Genehmigungsverfahren des Landes. Was dem Kommandant der Wehr Klein-Harras, Klaus Klöbel, aber nicht gefiel: „Die Baugenehmigung für den Windpark weist 64 Adressaten auf, die örtlich zuständige Feuerwehr war nicht darunter.“

„Eine Anlage berührt im Radius nicht den Wald"

Interessant ist auch, dass im Fall eines Brandes so eine Windmühle – wie die Anlagen im Fachjargon genannt werden – nicht gelöscht wird. Behördlich vorgeschrieben sind ein Sicherheitsradius von 250 Metern und der kontrollierte Abbrand. Auch hier hat Klöbel noch Anmerkungen: „Nur eine der Anlagen berührt innerhalb dieses Radius nicht den Wald. Diesen brandfrei zu halten, halte ich im Einsatzfall für das größere Problem. Die Behörde sollte sich schon auch die örtlichen Gegebenheiten ansehen.“

Montagabend fanden sich die übenden Wehren sowie zwei Rettungsteams der Bezirksstelle Zistersdorf unter der Einsatzleitung von Kommandant-Stellvertreter Gerald Haidinger von der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Harras am angenommenen Einsatzort ein. Die Wehren Bad Pirawarth, Hohenruppersdorf und Spannberg waren als Übungsbeobachter anwesend.

Zwei Florianis stellten sich als Opfer zur Verfügung, um die Übung so realitätsgetreu wie möglich zu gestalten. Ebenfalls anwesend waren Markus Weiss und Rene Malik als Mitarbeiter des Windparkbetreibers.

Fachfirma schult Techniker für den Notfall

Nach der Sichtung durch den Einsatzleiter entfernten die Einsatzkräfte zuerst das Ladegut und richteten den Anhänger wieder auf, um den Verletzten erstversorgen zu können. In dieser Annahme war die Person ansprechbar und konnte Angaben machen. Die Bergung des angenommen bewusstlos im Sicherungsgurt hängenden Technikers gestaltete sich etwas schwieriger.

Eine Person muss in so einen Fall mit entsprechender Ausrüstung die Leiter erklimmen und sich über dem zu Rettenden in Position bringen, um ihn abseilen zu können. Diesen Part übernahm Harry Kollross von einer Fachfirma für Klettertechnik und Höhenrettung, der auch die Techniker der Betreiberfirma regelmäßig schult. Feuerwehrleute und Sanitäter sollen dann am Fuß des Turms bereitstehen, um den Abgeseilten in Empfang und die Erstversorgung vorzunehmen. Kollross betonte, es sei essenziell wichtig, den Sicherungsgurt nicht zu entfernen und den Verletzten in Kauerstellung zu fixieren, ansonsten würde der „Bergungstod“ eintreten.

In der Abschlussbesprechung tauchten noch einige Zusatzfragen auf. Klaus Klöbel, zeigte sich mit dem Ausgang der Übung zufrieden. Markus Weiss bedankte sich bei allen Teilnehmern und meinte noch scherzhaft: „Ich hoffe, euch während der ganzen Betriebszeit hier nicht wiederzusehen.“

Ausgearbeitete Einsatzpläne liegen nun bei den Einsatzkräften auf, auch die Koordinaten der Türme ist bekannt.