Anrainerin gegen Stromleitung. Untersiebenbrunn: Nicht nur die Grünen, sondern auch eine Grundbesitzerin kritisiert Pläne der EVN, im Natura-2000-Gebiet zu bauen.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 16. Januar 2021 (04:15)
Die EVN will eine Hochspannungsleitung verlegen, Grundbesitzerin Elfriede Fuhrmann wehrt sich dagegen.
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Wie die NÖN bereits berichtete, plant die EVN die Errichtung einer 110-kV-Freileitung vom Umspannwerk Untersiebenbrunn zum neu zu errichtenden Umspannwerk Oberweiden. Die geplante Trasse führt durch ein Natura-2000-Gebiet, was nicht nur Kritik der Grünen auf sich zog (die NÖN berichtete), sondern nun auch eine betroffene Anrainerin auf den Plan rief.

Elfriede Fuhrmann aus Untersiebenbrunn ist eine Grundstückseigentümerin und zeigt sich mit den EVN-Plänen gar nicht einverstanden: „Die EVN hat gemeinsam mit der GasConnect Austria ein Umspannwerk in Schönkirchen sowie ein 18 km langes 110-kV-Erdkabel. Das neu gebaute betriebseigene Umspannwerk Baumgarten und die effizienten Elektroverdichter stehen seit 2014 in Betrieb. Damit stehen 76 MW Leistung seit 2014 für die gesamte Gasstation Baumgarten zur Verfügung.“

EVN-Sprecher Stefan Zach verwies auf ein übergeordnetes Netzkonzept, in dem die 110-kV-Freileitung, die Errichtung der S8, der prognostizierte Ausbau des ecoPlus-Wirtschaftsparks und der Mehrbedarf der GasConnect Austria enthalten seien. „Der ecoPlus-Wirtschaftspark in Marchegg steht seit seiner Errichtung leer. Die bestehende Netzeinbindung erfolgt über Breitensee.“

Außerdem versteht Fuhrmann nicht, warum ein derartiges Projekt keiner Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bedarf.

Darüber hinaus berichtet Fuhrmann von zahlreichen Weltkriegs-Bomben, die im betroffenen Gebiet unter dem Boden schlummern sollen: „Hier war so etwas wie ein Bomben-Testgebiet, warum will man sich dieser Gefahr aussetzen?“

Zach reagiert auch darauf: „Wir hatten ein UVP-Feststellungsverfahren, bei dem die Behörde festgestellt hat, dass das Projekt nicht UVP-pflichtig ist“, äußert er sich zu Fuhrmanns Bedenken. Auch der Netzentwicklungsplan (NEP) sei „kein Geheimnis, den könne man unter https://www.apg.at/de/Stromnetz/Netzentwicklung herunterladen. Ich bin mit nur nicht sicher, was die Grundeigentümerin damit anfangen kann.“

Zum Bedarf der GasConnect habe man bereits zwei Mal Stellung genommen und erklärt, warum dieser bestehe und dass die Leitung nicht nur dafür errichtet werde“, erklärt Zach: „Es gibt diesen Mehrbedarf, er kann durch die bestehenden Leitungen nicht abgedeckt werden. Die OMV bezahlt dafür. Die Leitung ist Teil eines übergeordneten Netzentwicklungskonzeptes.“

Zum „Bombentestgebiet“ beruhigt Zach: „Detaillierte Bodenerkundungen vor Baubeginn sind Teil jedes unserer Bauvorhaben. Wir möchten aber nur kurz erwähnen, dass solche Bomben bei einem Freileitungsprojekt, bei dem nur weniger m² Boden für die Mastenfundamente verwendet werden, wesentlich weniger gefährlich wären als beim von den Grundeigentümern und den Grünen geforderten Erdkabel, bei dem der Boden großflächig abgegraben und das Natura-2000-Gebiet in eine Großbaustelle verwandelt werden würde.“