Hainburger leugnet Mordversuch an Freund

Während angeklagter Hainburger (27) Mordversuch an Freund leugnet und von „Unfall bei einem Gerangel“ spricht, schildert das Opfer aus Marchegg im Zeugenstand (27): „Ich wollte ihn nicht heimfahren, da hat er zum Steakmesser gegriffen. Erst hat er mich damit am Hals geschnitten, dann hat er noch zugestochen!“

Jutta Hahslinger Aktualisiert am 13. November 2018 | 19:11
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Foto: NOEN, Löwenstein/Archiv

Nach einem Abend mit Videospielen, Drogen- und Alkoholkonsum kam es zwischen den Jugendfreunden Richard P. aus Hainburg und einem Marchegger (27) am 15. Februar dieses Jahres zu einem Streit: „Nach der Weigerung ihn heimzufahren, kam es zum Streit. Plötzlich hatte er ein Messer in der Hand. Erst hat er mich am Hals geschnitten, dann noch zugestochen. Ich rutschte in die Badewanne und stellte mich tot. Ich traute mich nicht einmal zu blinzeln und blieb regungslos liegen, als er mit dem Messer vor der Wanne stand, bis er endlich ging. Dann rief ich meinen Stiefvater um Hilfe und  der brachte mich dann ins Spital“, schildert das Opfer im Zeugentand.

„Hatten Sie den Eindruck, er wollte sie umbringen?“, will Franz Lima, der Verteidiger von P., wissen.

„Ja, schon. Ich habe den Ritchie noch nie so aggressiv erlebt“, kommt es leise vom Marchegger.

Der angeklagte Hainburger (27) beteuert einen „Unfall“ und leugnet einen Mordversuch.
Der Angeklagte (27), im Bild mit Staatsanwältin Gudrun Bischof, beteuert einen „Unfall“ und leugnet einen Mordversuch.
 
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Der angeklagte Hainburger will von einem Mordversuch nichts wissen und präsentiert den Geschworenen eine Unfallversion. ER habe zwar aus Wut zum Messer gegriffen, aber nur um zu drohen. Der Freund sei ihm dann quasi ins Messer gefallen. Er sei auf ihn draufgefallen und  dabei müsse er ihn irgendwie am Hals erwischt haben.  Genauer könne er es nicht sagen, beteuert P. und versichert: „Zugestochen habe ich nicht!“

„Das ist jetzt die fünfte Version. Bei der Tatrekonstruktion haben Sie noch von einem Stich gesprochen“, kommentiert Staatsanwältin Gudrun Bischof die Verantwortung des Angeklagten.

Der Hainburger bleibt dabei, er habe keine Tötungsabsichten gehabt. Er gibt lediglich zu, in Panik mit dem Auto des Freundes davongefahren zu sein und ihm Geld aus der Börse gestohlen zu haben.

Richterin Xenia Krapfenbauer
Richterin Xenia Krapfenbauer
NÖN Archiv

„Wenn es ein Unfall war, warum haben Sie Ihrem blutenden Freund nicht geholfen?“, will der beisitzende Richter Gernot Braitenberg wissen.

„Ich war so in Panik“, beteuert P.

„Sie waren so panisch, das Sie an Geld denken konnten, aber nicht daran, ihrem verletzten Freund zu helfen“, entgegnet der Richter harsch und meint zum Angeklagten: „Sie müssen eine Version bringen, die Ihnen jemanden glauben kann.“

Verteidiger Franz Lima
Verteidiger Franz Lima plädiert auf fahrlässige Körperverletzung.
NÖN

Psychiater Werner Brosch stellt  bei P. keine hochgradigen Geisteskrankheiten fest und befindet den Hainburger zum Tatzeitpunkt für zurechnungsfähig.

Mit der Zeugeneinvernahme eines Bekannten von P. ging es nach der Mittagspause weiter. „Er hat mir SMS-Nachrichten geschickt und um Hilfe gebeten. Er sei am Arsch und müsse untertauchen, sonst müsse er lange ins Gefängnis, hat er mir geschrieben. Er sei in  einem Hotel in der Slowakei und habe nur mehr 100 Euro einstecken“, erzählt der 21-Jährige.

„Warum ins Gefängnis?“, habe er nachgefragt und die schockierende Antwort von P. erhalten „I hab jemanden um’bracht!“ Dann sei der Kontakt abgebrochen, als er P. jegliche Unterstützung verwehrt habe, schildert der Zeuge und erklärt noch: „Ich bekam es mit der Angst zu tun. Ich traue ihm einen Mord zu.“

P. leugnet beharrlich, er will keinen Mordversuch begangen haben. Er räumt letztlich aber zwei Messerberührungen, davon ein Stich, am Hals des Jugendfreundes ein.

Für Anklägerin Bischof bleibt es nach dem Beweisverfahren ein Mordversuch,  und sie spricht von bedingtem Vorsatz: „Zum Glück blieb es nur bei leichten Verletzungen beim Opfer. P. hat es aber in Kauf genommen, indem er gegen den sensiblen Halsbereich eine Messerattacke führte, das sein Jugendfreund lebensbedrohliche Verletzungen erleidet. Zwei Zentimeter tiefer und er hätte die Halsschlagader getroffen. Bei jeder Vernehmung präsentierte er eine andere Version und hat haarsträubende Lügen erzählt. Er hat jegliche Glaubwürdigkeit verspielt. Das Opfer hat den Tatablauf immer gleich geschildert.“

Verteidiger Franz Lima sieht keinen Mordversuch und plädiert auf Freispruch. Die Geschworenen zogen sich gegen 16 Uhr zur Beratung zurück.

Täter für schuldig befunden

Nach einer zweistündigen Beratungszeit befinden die Geschworenen den Hainburger der absichtlich schweren Körperverletzung, des Diebstahls und des unbefugten Gebrauchs von Fahrzeugen für schuldig. P. wird zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Rechtskräftig.