Groß-Enzersdorf: Stadtmauer weiterhin eine Ruine . Seit ein Autobus in historisches Relikt krachte, liegt Schutzwall in Trümmern. Geld für Sanierung ist zu wenig.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 31. Juli 2020 (04:25)
„Das war nicht nur ein Schuppen, hier sind meine Kinder aufgewachsen!“ Vater Elfin Hedo mit Sohn Nermin, Tochter Hajreta, Frau Emine und Enkelin Melisa vor dem halb zerstörten Haus an der Stadtmauer.
Kremsmayer

Warum liegt die Stadtmauer noch immer darnieder? Im Jänner, gleich nachdem der städtische Autobus 26A in die Mauer gekracht war, hatte es geheißen, sie werde so bald wie möglich wieder aufgebaut. Das müsse auch so sein, bekräftigte das Bundesdenkmalamt, denn je länger sie als Teilruine darniederliege, desto eher sei ihr Bestand gefährdet.

Jetzt wurde klar, dass dieser Teil der Stadtmauer gar nicht der Stadt gehört, sondern privaten Besitzern, nämlich den Hedos, einer bosnischen Familie, die schon seit zwei Generationen hier lebt. Ihr wurden von der Versicherung der Wiener Linien für die Wiederherstellung der Stadtmauer und des angrenzenden Hauses 43.000 Euro angeboten. „Das ist viel zu wenig“, sagt Familienvater Elfin Hedo. „Unser Haus ist völlig demoliert.“

Seit über einem halben Jahr liegt ein Teil der Stadtmauer in Trümmern.
NOEN

Der angrenzende Schuppen war ihr Haus? „Alle sagen, da ist nur ein Schuppen, nein, hier sind meine drei Kinder aufgewachsen und wir Eltern wollen hier auch weiter wohnen.“ Als der Autobus ins Haus krachte, seien er und seine Tochter auch nur haarscharf dem Unglück entronnen: „Fast wären wir tot gewesen.“

Die Familie wurde zwar nach dem Unfall psychologisch betreut, doch er, Vater Hedo, leide noch immer unter dem Schock: „Mein Blutdruck ist viel zu hoch, doch keiner von der Gemeinde oder vom Denkmalamt hat uns je gefragt, wie es uns geht. Es heißt immer nur: Wann baut ihr wieder auf?“ Von der Gemeinde sei nur die Abtretung der Mauer angeboten worden, doch das will die Familie nicht. Jetzt stresst auch noch die geringe Schadenssumme.

Mithilfe eines Anwaltes wurde die tatsächlich für den Wiederaufbau benötigte Summe ausgerechnet und vorgelegt, über 160.000 Euro. Das sei ohnedies nicht viel, weil Vater Hedo, beruflich im Baugewerbe, mit Hilfe der Familie das Haus selbst wieder aufbauen will. Tochter Hajreta ist als Geschäftsführerin der familieneigenen „Hedo Baugesellschaft“ ausgewiesen.

„Wir können aber erst bauen, wenn alles abgesichert ist“, so Hedo senior. Nun soll es im August auf Initiative des Denkmalamtes einen „Runden Tisch“ geben, der Grundbesitzer, Denkmalamt und Stadtgemeinde zu einer gemeinsamen Lösung führen soll. „Wir wurden noch nicht eingeladen“, ärgert sich die Familie. SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec beruhigt: „Wir haben auch noch keinen Termin. Aber wir sind an einer gütlichen Lösung sehr interessiert.“