Umfahrung für Groß-Enzersdorf hängt an S1. Verkehrsentlastung für die Stadtler lässt wahrscheinlich länger auf sich warten.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 12. Dezember 2020 (04:43)
Die Grundstücke für eine Umfahrung von Groß-Enzersdorf sollen angekauft werden. Der Baubeginn hängt aber von der Fertigstellung der in Schwebe befindlichen S1 ab.
Asfinag

Die Umfahrung für Groß-Enzersdorf ist lang ersehnt von allen, die lärmgeplagt in der Stadtmitte wohnen und für alle, die sich einen attraktiv gestalteten Stadtkern ohne Durchzugsstraße wünschen. Und das Projekt ist Auflage zur Genehmigung der S1 samt Lobau-Querung.

Lange versprochen – die Fertigstellung hätte nach den Planungen bereits 2014 erfolgen sollen – wurde es in letzter Zeit und nach einigen Einspruchsverfahren gegen die S1 stiller. Immerhin ist das Projekt LobauTunnel, allein der Tunnel acht Kilometer lang, eines der umstrittensten und mit 2 Milliarden Euro eines der teuersten der Republik.

Doch nun wieder ein Lebenszeichen. VP-Landesrat Ludwig Scheritzko meldet in einer Aussendung, dass die Landesregierung die Grundankäufe für die Umfahrung Groß-Enzersdorf beschlossen habe: „Auch wenn der Verkehr in Zeiten der anhaltenden Gesundheits- und Wirtschaftskrise teilweise zurückging, müsse man Infrastrukturprojekte vorantreiben, die wichtig für die Zukunft sind. Aus diesem Grund haben wir heute Grundankäufe im Umfang von 1,1 Mio. Euro beschlossen“, so Schleritzko in der Aussendung.

Land NÖ trägt Kosten von 25 Millionen Euro

Die Gesamtkosten in Höhe von 25 Millionen Euro für die Errichtung der mehr als fünf Kilometer langen Umfahrung würden vom Land getragen. „Die Umfahrung dient der Entlastung von Groß-Enzersdorf vom Durchzugsverkehr. Es kommt hier zu einer Verlegung der B3 vom Ortsgebiet hin zur nördlich gelegenen Anschlussstelle der künftigen S1“, so der Landesrat. Doch dann folgt in dem Schreiben die bittere Pille: „Der Bauzeitplan der Umfahrung ist abhängig vom Bau der S1.“ Eine Fertigstellung könne laut aktuellen Plänen bis 2025 erfolgen.

Die Asfinag geht von einem Baubeginn der S1 im Abschnitt Süßenbrunn-Schwechat im kommenden Jahr aus. Da gibt es aber noch einige Zweifel, ob bis dahin alle Auflagen erfüllt sein werden – zumindest für den Tunnel sind noch einige erforderliche Genehmigungen offen. Doch die Groß-Enzersdorfer hätten sich freilich einen Baubeginn der Umfahrung unabhängig vom S1-Anschluss gewünscht, um endlich mehr Ruhe und Handlungsspielraum zu haben. „Ich werde da noch nachhaken“, verspricht Mobilitätsstadtrat Andreas Vanek (Grüne). Grundsätzlich könnte freilich vom Land aus mit den Arbeiten begonnen werden. Auch in Wien kündigte SP-Stadträtin Ulli Sima den Baubeginn der sogenannten Stadtstraße auch ohne S1 Anschluss an.

Dies ist wiederum Wasser auf die Mühlen der Autobahngegner. Eigentlich gehe es um die Umfahrungen und nicht um die besonders klimaschädlichen Autobahnen, wettert etwa Wolfgang Rehm von der Umweltorganisation Virus. „Die Groß-Enzersdorfer Umfahrung war gemeinsam mit der bereits zum Teil errichteten Umfahrung Raasdorf die Bedingung für die S1-Lobau. Damit wird deutlich, dass eine Verkehrsentlastung dort ohne Autobahn viel leichter gehen würde. Die S1 selbst liefert nämlich in den wesentlichsten Wiener Durchzugsstraßen keine Entlastung und in Niederösterreich nur mit Extra-Umfahrungen“, so Rehm.