Umschlagterminal im südlichen Weinviertel möglich. Experten ziehen das Marchfeld als möglichen Standort für Europas größten Güterumschlagplatz in Betracht. Marev-Obmann René Lobner zeigt sich gesprächsbereit.

Von Michaela Fiala. Erstellt am 18. Mai 2018 (13:35)
NÖN-Archiv
René Lobner

Seit einigen Jahren wird in Ostösterreich nach einem geeigneten Standort für einen Umschlag-Terminal der Breitspurbahn inklusive Logistikzentrum gesucht. Seit vergangenem Mittwoch ist klar, dass Parndorf (Burgenland) als möglicher Standort nicht mehr in Frage kommt.

Nun ziehen Experten das Marchfeld in Betracht. FP-Verkehrsminister Norbert Hofer betonte kürzlich: „Das südliche Weinviertel wäre durch die gute Anbindung an Autobahn, Flughafen und Flusstransportweg auf der Donau als Standort für den neuen Bahnhof, der fünf Kilometer lang und 300 Meter breit werden soll, geeignet.“

René Lobner, Obmann des Regionalentwicklungsvereins Marev und VP-Bürgermeister von Gänserndorf, sieht den geplanten Güterbahnhof als Chance: „Das Marchfeld braucht auf jeden Fall Arbeitsplätze, allerdings wissen wir noch nicht, wie das Projekt genau aussieht. Dafür braucht es noch Informationen.“ So sei etwa zu klären, ob und wie die Lebensqualität beeinflusst werde, aber prinzipiell sei er gesprächsbereit.

Renner: "solange dadurch Arbeitsplätze geschaffen werden"

Auch 3. Landtagspräsidentin Karin Renner (SPÖ) steht der Errichtung eines Güterbahnhofs in der Region und der damit verbundenen wirtschaftlichen und strukturellen Aufwertung grundsätzlich positiv gegenüber, „solange dadurch Arbeitsplätze im Bezirk geschaffen werden“.

NOEN-Archiv
3. Landtagspräsidentin Karin Renner hofft auf die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Ansiedlung von Logistikunternehmen.

Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz begrüßt grundsätzlich einen Ausbau der Schieneninfrastruktur, spricht sich aber gegen die Errichtung eines Umschlagterminals im Marchfeld aus: „Es ist offensichtlich nicht geplant, die Waren auf das bestehende Schienennetz umzuladen. Als Standortvoraussetzung wird kein bestehendes Bahnnetz, sondern eine Autobahn genannt. Das widerspricht jeder vernunftorientierten Verkehrsplanung.“

Der Terminal soll Europas größter Güterumschlagplatz und zu einer Drehscheibe zwischen den Märkten Europas und Ostasiens werden. Da die Eisenbahn in den meisten EU-Ländern auf Normalspur-Schienen fährt, in den östlich angrenzenden Staaten jedoch ein Breitspur-System dominiert, ist der Anteil der Schiene am Güterverkehr zwischen EU, Russland und China derzeit eher gering. Die russische Breitspurbahn (Transsibirische Eisenbahn) endet in Košice (Slowakei) und soll in den nächsten Jahren bis zu einem neuen Bahnhof in Österreich verlängert werden.

NOEN-Archiv
Grünen-Bezirkssprecherin Beate Kainz befürchtet, dass die Waren auf die Straße umgeladen werden.

Bereits in sechs Jahren soll mit dem Bau von Europas größtem Umschlagplatz für Güter von und nach China begonnen werden, ab 2033 könnten dann die ersten Züge rollen.

Umfrage beendet

  • Soll im Marchfeld ein Umschlagterminal der ÖBB entstehen?