Viele Weinviertler Wirte haben genug Platz. Wirte sehnen Lokalöffnung mit Auflagen herbei.

Von Belinda Krottendorfer, Robert Knotz, Veronika Löwenstein und Michael Pfabigan. Erstellt am 29. April 2020 (04:17)
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Genügend Platz in der Linde, auch wenn nur jeder zweite Tisch besetzt wird: Wirt Karl Polak und sein Koch Hannes Langer.
Michael

Mit dem 15. Mai beginnt das Hochfahren der Gastronomie nach der Coronapause: „Es wird machbar sein“, sagt Karl Polak, Lindenwirt in Mistelbach, zu den Einschränkungen, mit denen die Gastronomie vermutlich zu kämpfen haben wird. „Ich hoffe, dass das Ganze gut anläuft. Ich fürchte aber, dass es nicht so schnell wieder hochfährt, wie das mit dem Zusperren gegangen ist.“

„Frage ist, wie weit die Leute am Abend fortgehen“

Der Wiederbeginn wird langsam erfolgen, nachdem seine Mitarbeiter in Kurzarbeit oder zwischenzeitlich gekündigt sind: „Ich muss ausloten, wie das Geschäft anspringt“, sagt Polak. Um das Mittagsgeschäft macht sich der Wirt keine Sorgen, „die Frage ist, wie weit die Leute am Abend fortgehen“.

Der Hollabrunner Haubenkoch Christoph Wagner wartet gespannt auf die offiziellen Vorgaben, was Abstand und erlaubte Personenzahl pro Quadratmeter betrifft. Der Öffnung im Mai sieht er jedenfalls recht entspannt entgegen: „Unser Lokal ist zum Glück groß genug, um die Tische weiter auseinander zu schieben. Wir lassen uns überraschen, wie die Leute reagieren und wie viele tatsächlich kommen werden.“ Wagners Wirtshaus wird wie gewohnt bis 23 Uhr offen halten.

„Wir werden entweder jeden zweiten Tisch abservieren oder rausnehmen. Das ist für uns zum Glück nicht so schwer, da wir ein großes Lokal haben“, sagt Birgit Reisinger vom gleichnamigen Gasthof am Hollabrunner Hauptplatz, weiß aber: „Es wird nicht so sein wie vorher. Die drei Monate, die wir durch die Coronakrise verloren haben, lassen sich nicht mehr aufholen.“ Der Ausfall von großen Feiern wie Muttertag, Firmung oder Erstkommunion schmerzt. Froh ist Reisinger, dass abends geöffnet sein darf: „Das ist ganz wichtig für die Gastro.“

„Seit Bekanntwerden der Lockerungen der Bestimmungen haben wir 30 bis 40 Online-Reservierungen täglich.“Bei Marchfelderhof-Juniorchef Peter Großmann herrscht Vorfreude

„Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir ausreichend Platz zur Verfügung haben“, berichtet Michael Eisner vom Gasthaus „Seinerzeit“ in Deutsch-Wagram (Bezirk Gänserndorf). Man könne die Tische weiter auseinanderrücken und nur jeden zweiten davon besetzen. Auch im Gastgarten sei dies möglich.

„Das Mittagsbuffet können wir allerdings aus Sicherheitsgründen nicht abhalten. Hier würden sich die Menschen bei der Speisenentnahme zu nahe kommen. Auch das Besteck selbst zu nehmen, würde ein Gefahrenpotenzial darstellen“, meint Eisner, der auch auf Lockerungen bei Veranstaltungen, wie Geburtstagsfeiern, hofft, diese seien die Haupteinnahmequelle seines Lokals.

Der Junior-Chef des Deutsch-Wagramer Promi-Speisetempels Marchfelderhof, Peter Großmann, zeigt sich optimistisch: „Das Personal kann es kaum erwarten, die Gäste zu empfangen. Seit Bekanntwerden der Lockerungen der Bestimmungen haben wir 30 bis 40 Online-Reservierungen täglich. Wir behandeln diese Buchungen allerdings mit Vorbehalt. Es kann sich jederzeit etwas ändern.“ Ein Glücksfall sei vor allem, dass man mitten in der Spargelsaison aufsperren könne.