Tauziehen um Kassenarzt in Deutsch-Wagram. SPÖ: „Bürgermeister hat bei Verhandlungen geschlafen.“ Quirgst: „SP hatte Gesundheitsressort über.“

Von Robert Knotz. Erstellt am 11. Dezember 2020 (04:37)
Für SP-Gemeinderat Gustav Ewald ist die Planstelle verloren.
Knotz

Schwere Vorwürfe erhebt SP-Gemeinderat und Klubobmann Gustav Ewald gegen VP-Bürgermeister Friedrich Quirgst. „Unsere Nachbargemeinde Strasshof hat jetzt einen zusätzlichen Kassenarzt bekommen, der eigentlich Deutsch-Wagram zugestanden wäre. Unser Bürgermeister, der vorgibt, doch immer ein guter ,Verhandler‘ zu sein, hat offensichtlich geschlafen.“

Auch die Ärztekammer wird von Ewald kritisiert: „Seitens der Kammer hätte man auch die Initiative ergreifen und die Stadtgemeinde bei der Suche nach einem Arzt unterstützen können.“ Laut dem Sozialdemokraten hat die Ärztekammer – mangels Interesse von Ärzten, sich in Deutsch-Wagram anzusiedeln – die Ausschreibung auf die Nachbargemeinden ausgeweitet. Für Strasshof habe sich offensichtlich ein Interessent gefunden.

„Die Versorgung der Gemeinden mit Kassenärzten ist nicht die Aufgabe der Kammer.“ Birgit Jung, Ärztekammer NÖ

Seit dem März 2018, als ein praktischer Arzt seine Pensionierung mit 1. Jänner 2019 bekannt gab, bemüht sich die Stadt um einen zusätzlichen Mediziner. Im Herbst 2019 beschloss der Gemeinderat, einem Arzt, der eine Ordination in der Stadt eröffnet, einen Investitionszuschuss in Höhe von 30.000 Euro zu gewähren (die NÖN berichtete). „Doch das alles half scheinbar nicht und wir stehen jetzt dumm da“, so Ewald.

VP-Bürgermeister Friedrich Quirgst: „Es hat sich bedauerlicherweise kein Arzt gefunden.“
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Quirgst lässt die Vorwürfe nicht auf sich sitzen: „Seit Anfang vorigen Jahres ist die Kassenstelle vakant. Es wurde mit Telefonaten, Briefen und persönlichen Vorsprachen bei verschiedenen Stellen sehr viel unternommen, um einen Arzt, der die Kassenstelle übernehmen will, zu finden. Bis hin zum erwähnten Beschluss der finanziellen Unterstützung. Bedauerlicherweise hat sich bei uns kein Arzt und keine Ärztin gefunden.“

Ewalds Kritik würde jedoch auch SP-Gemeinderat Harald Nikitscher betreffen, der von 2015 bis Anfang des Jahres 2020 Gesundheitsstadtrat war. „Schon vor zwei Wochen habe ich einen Brief an die Stellenplankommission geschrieben, da über die Erweiterung der Ausschreibung von Deutsch-Wagram nach Strasshof weder die Stadt noch der diensteinteilende Arzt informiert wurden“, äußert Quirgst seinen Unmut über diese Vorgehensweise.

Birgit Jung von der NÖ Ärztekammer stellt klar: „Wir sind in diesen Fällen nur Vermittler und haben keinen Einfluss auf die Verträge, die Ärzte mit den jeweiligen Kassen abschließen. Wenn wir erfahren, dass eine Stelle frei wird, schreiben wir sie aus. Die Versorgung der Gemeinden mit Kassenärzten ist definitiv nicht die Aufgabe der Ärztekammer.“