Fünf Fragen für sechs Spitzenkandidaten im Wahlkreis. Die Spitzenkandidaten des Wahlkreises Thermenregion stellten der NÖN "Rede und Antwort"

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 25. September 2019 (03:34)
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Welcher drei Themen für die Region möchten Sie sich besonders annehmen? 

Angela Baumgartner (ÖVP), Nationalrätin aus Sulz im Weinviertel:

Die Infrastruktur soll verbessert werden, öffentliche Verkehrsmittel müssen ausgebaut und eine flächendeckende qualitative Gesundheitsversorgung muss gewährleistet werden. Auch die Pflege und Altenbetreuung gehört bestmöglich ausgestaltet.

Katharina Kucharowits (SPÖ), Nationalrätin aus Schwechat:

Es braucht Kinderkrippen und Kindergärten, kostenlos und mit Öffnungszeiten, die der Arbeitswelt entsprechen. Wohnen ist ein Grundrecht und oft teuer. Zudem braucht es bezahlbare Öffis, deshalb fordern wir das 365-Euro-Klimaticket.

Werner Herbert (FPÖ), Nationalrat aus Margarethen:

Mehr sichtbare Polizeipräsenz und Rücknahme der Postenschließungen bei der Polizei. Forcierung von Umfahrungen zur Verkehrsberuhigung und Lärmvermeidung in den Gemeinden. Und: Ausbau der medizinischen Versorgung.

Bettina Bergauer (Grünen), Gemeinderätin aus Deutsch-Wagram:

Den öffentlichen Verkehr radikal erweitern. Raus aus Öl bzw. Gas und erneuerbare Energien ausbauen. Schaffung regionaler Wertschöpfung durch Investition und Förderung neuer umweltverträglicher und zukunftsfitter Technologien.

Christoph Mautner-Markhof (NEOS), Gemeinderat aus Schwechat:

Wir brauchen dringend eine Taktverdichtung bei Öffis sowie einen Ausbau. Ebenso notwendig ist der Ausbau bei Gymnasien und BHS. Um Arbeitsplätze zu schaffen, müssen die Synergien der Flughafenregion besser genutzt werden.

Nadja Helmy (JETZT), NÖ̈-Parteivorstandsmitglied aus Wien:

Ich strebe eine enge Kooperation mit Bürgerinitiativen gegen geplante Großprojekte an, um deren Themen auf Bundesebene zu heben. Wichtig ist der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Primärversorgungszentren.

Wie stehen Sie eigentlich persönlich zur Breitspurbahn? 

Angela Baumgartner (ÖVP):

Man muss das Projekt genau bewerten, überlegt handeln, denn der Bezirk Bruck darf nicht überfordert werden. Derzeit liegt das Projekt auf Eis. Es sind einige Fragen auch auf europäischer Ebene offen, was die Breitspur in Europa betrifft.

Katharina Kucharowits (SPÖ):

Ein klares Nein zur Breitspurbahn. Wir brauchen und wollen sie nicht. Unsere Region ist am Plafond der Verkehrs-Belastungen. Die damit einhergehenden Logistikzentren ziehen noch mehr Schwerverkehr an, dagegen treten wir vehement auf.

Werner Herbert (FPÖ),:

Leider gibt es noch wenig Konkretes zu diesem Projekt, wodurch eine Beurteilung schwer möglich ist. Unsere Region darf aber weder zum größten „Logistikparkplatz“ Europas werden, noch dürfen wir von einer Lkw-Lawine überrollt werden.

Bettina Bergauer (Grünen):

Wir lehnen das Projekt ab. Der Güter-Umschlagplatz am Ende der Breitspurbahn in Österreich würde einen massiven Lkw-Verkehr nach sich ziehen. Das Projekt steht für das aus dem Ruder gelaufene Wirtschaften aus dem letzten Jahrtausend.

Christoph Mautner-Markhof (NEOS):

Solange nicht klar ist, welche Auswirkungen es auf Mensch, und Umwelt gibt, kann man das Projekt nicht seriös beurteilen. Ich sehe es kritisch, wenn der Verkehr des Güterterminals zu einem beträchtlichen Teil über Lkw abgewickelt werden soll.

Nadja Helmy (JETZT):

Angesichts der Dimension dieses Projekts muss die Bevölkerung miteinbezogen und die tatsächliche Notwendigkeit evaluiert werden. Hunderte zusätzliche Lkw sowie eine enorme Feinstaubbelastung wären die Folgen der Breitspurbahn.

Was würden Sie tun, um das Verkehrsproblem im Bezirk Bruck in den Griff zu bekommen? 

Angela Baumgartner (ÖVP):

Ich setzte mich für eine weitere Stammstrecke ein, damit der öffentliche Verkehr die steigenden Fahrgastzahlen bewältigen kann. Bei den Straßenprojekten muss man vor allem in den Schutz der Anrainer und deren Lebensqualität investieren.

Katharina Kucharowits (SPÖ):

Es braucht einen umfassenden Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln. Öffis, die bezahlbar und gut getaktet sind. Und es braucht dringend die in vielen Gemeinden seit Langem geforderten Umfahrungen. Wir können nicht länger warten.

Werner Herbert (FPÖ),:

Rascher Ausbau der A4, Ausbau der bilateralen Möglichkeiten für ein effizienteres Vorgehen zur Strafverfolgung ausländischer Verkehrssünder und ein restriktives Vorgehen gegen Maut-Flüchtlinge.

Bettina Bergauer (Grünen):

Radikaler Ausbau der Öffis. Flächenwidmung und Siedlungsentwicklung auf regionaler Ebene planen und gemeindeübergreifend handeln. Mit dem Römerland Carnuntum hätten wir einen kompetenten, erfahrenen Partner in der Region.

Christoph Mautner-Markhof (NEOS):

Anzusetzen ist vor allem bei den Öffis – von zusätzlichen Busverbindungen zu den Bahnhöfen bis hin zu verdichteten Intervallen, etwa auf der Strecke der S7. Ich wünsche mir außerdem eine rasche Ausweitung der Zone 100 bis zum Flughafen.

Nadja Helmy (JETZT):

Das hohe Verkehrsaufkommen lässt jegliche Planung vermissen. Das enorme Lkw-Aufkommen mindert die Lebensqualität. Ein Lkw-Fahrverbot in der Früh, strengere Fahrzeugkontrollen und Blockabfertigung könnten die Lage entspannen.

Braucht der Bezirk Gänserndorf Ihrer Meinung nach ein eigenes Krankenhaus? 

Angela Baumgartner (ÖVP):

Unsere Erstversorgungszentren müssen ausgebaut werden, um eine rasche Einschätzung der notwendigen und richtigen medizinischen Versorgung zu gewährleisten.

Katharina Kucharowits (SPÖ):

Ein eigenes Krankenhaus sieht der regionale Strukturplan „Gesundheit für Niederösterreich“ nicht vor. Wesentlich im ersten Schritt ist jedoch der Ausbau der sogenannten Primärversorgungszentren.

Werner Herbert (FPÖ),:

Auf jeden Fall. Es ist nicht zumutbar, dass man rund eine Stunde Fahrzeit mit dem eigenen Fahrzeug in Kauf nehmen muss, um das nächstgelegenen Spital in Niederösterreich zu erreichen.

Bettina Bergauer (Grünen):

Ja, Spitäler sollen möglichst nah bei den Menschen sein. Anbindung an öffentlichen Verkehr ist wichtig, um Familienbesuche zu erleichtern. Es ist übrigens erstaunlich, dass die nö. Krankenhäuser noch immer keine Ladestationen für E-Autos einplanen.

Christoph Mautner-Markhof (NEOS):

Wir brauchen nicht den 28. überteuerten Standort, sondern einen Systemumbau in Richtung wohnortnahe Versorgung. Allein in meinem Wahlkreis fehlen derzeit vier Allgemeinmediziner.

Nadja Helmy (JETZT):

Ja, meines Erachtens ist die stationäre bzw. ambulante Gesundheitsversorgung in Form eines Krankenhauses in diesem über 100.000 Einwohner zählenden Bezirk notwendig.

Wie wichtig sind die geplanten Schnellstraßen S1 inkl. Lobau-Tunnel und S8 für Sie? 

Angela Baumgartner (ÖVP):

Natürlich sehr wichtig, da sie eine erhebliche Verbesserung der Verkehrssituation für die Menschen im Bezirk Gänserndorf darstellen.

Katharina Kucharowits (SPÖ):

Wichtig und dringend ist der Ausbau von attraktiven und bezahlbaren Öffis. Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen endlich zur echten Alternative werden, das ist auch eine wichtige Antwort auf die Klimakrise.

Werner Herbert (FPÖ),:

Das sind extrem wichtige Straßenbauprojekte, die dazu beitragen, künftig den Bezirk Bruck vom Schwerverkehr zu entlasten und gleichzeitig für den Bezirk Gänserndorf eine wichtige regionale Anbindung darstellen.

Bettina Bergauer (Grünen):

Keine weiteren Schnellstraßen! Sie kosten Unmengen an Geld, zerstören Natur und Umwelt und entlasten nur punktuell. Das Geld sollte man lieber in den Ausbau der Bahn und die Taktverdichtung investieren.

Christoph Mautner-Markhof (NEOS):

Wir haben im Landtag gegen den Tunnelbau gestimmt. Die für die Steuerzahler teuerste Variante an der breitesten Stelle der Lobau haben wir wegen massiver Auswirkungen auf die Umwelt nie gutgeheißen.

Nadja Helmy (JETZT):

Der Ausbau der beiden Schnellstraßen ist keine adäquate Verkehrslösung im Sinne des Klimaschutzes. Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs wäre dagegen die umweltschonendere und zeitgemäßere Variante.