Betrugsprozess: Welpenhändler geht frei. Trotz umfangreichen Beweisverfahrens kann tschechischem Hundehändler nicht nachgewiesen werden, dass er vorsätzlich Vierbeiner mit tödlichem Virus verkaufte.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 23. Juli 2018 (18:26)
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Mistelbach Gänserndorf Weinviertel - Betrugsprozess: Welpenhändler geht frei
Verteidiger Franz Stacher (links) erkämpfte für seinen Mandanten – im Bild rechts mit seinem Tierarzt – einen rechtskräftigen Freispruch. Fotos: NÖN
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Die Freude einer Mistelbacherin, Hauskirchnerin und einer Hausbrunnerin war groß, als sie die ersehnten kleinen Vierbeiner von einem Welpenhändler in Tschechien abholen und endlich in Händen halten konnten. Die Freude währte nicht lange, die Welpen erkrankten an Parvovirose, einem ansteckenden tödlichen Virus.

Weitere sieben Welpenkäufer aus Niederösterreich bezogen von dem tschechischen Hundehändler (64) kranke Tiere. Da die Anfangskontakte und Kaufgespräche der Interessenten über den Schwiegersohn des Tschechen im Weinviertel abliefen, konnten die österreichischen Behörden aktiv werden, als der Verdacht im Raum stand, der Welpenhändler verkaufe nicht geimpfte Hunde oder Tiere mit falschen Impfpässen.

Sachverständiger: Vorgangsweise bei uns nicht üblich, in Tschechien schon

Bei den Verkäufen habe alles seine Ordnung gehabt. Er habe die gewünschten Welpen gesucht, von Züchtern mit Papieren gekauft und sei mit den Kleinen dann zum Tierarzt gegangen, beteuerte der Händler seine Unschuld zu dem Betrugsvorwurf.

Der tschechische Tierarzt bestätigt beim Prozess eine Untersuchung der Tiere und dass er die Impfetiketten von den nationalen Impfpässen einfach in den EU-Ausweis geklebt habe. Eine bei uns nicht übliche, aber gängige Vorgangsweise in Tschechien, wie ein Sachverständiger erläutert. Damit wären die Papiere fragwürdig, da man über die Herkunft und Zucht der Hunde wenig bis gar nichts wisse.

Ein gravierendes Problem sei die oft zu frühe Übergabe von Welpen – in Papieren oftmals um 14 Tage älter gemacht. Der Mutterschutz falle damit weg und der Stress für die Welpen mache eine Impfung dann wirkungslos, erläutert der Experte. Er bestätigt der Richterin, dass auch geimpfte Tiere erkranken können.

Dem Welpenhändler können letztlich nach einem umfangreichen Beweisverfahren keine vorsätzlichen Betrugsabsichten nachgewiesen werden, zumal alle Verkäufe und Welpen-Übergaben in Tschechien abgewickelt wurden. Der Händler (mit Verteidiger Franz Stacher) wird rechtskräftig freigesprochen.