Geschlechter-Unterschiede: Wo bleiben die Frauen?. Am 8. März ist Weltfrauentag. Die NÖN hörte sich in Banken sowie anderen Firmen um und fand heraus, warum dieser auch im Jahr 2018 noch notwendig ist.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 08. März 2018 (05:29)
Mauritsch
Kompetente Damenringe in der OMV Gänserndorf: Anita Ernst (Betriebsrat), Andrea Hänsler-Iro (Performance, Portfolio, Planning), Isabell Schretter (Production Geology), Andrea Schramm (Human Resources), Angelika Zartl-Klik (Leitung Sicherheit), Andrea Frohner (Projektabteilung), Sandra Swoboda (Leitung Human Resources), Franziska Stadlbauer (Project Services), Bettina Hönig (HSE), Helga Vogg (Kommunikation), Susanne Sentesch (Assistenz Geschäftsleitung) und Christine Asperger (Betriebsratsvorsitzende).

Welttag der Frauen am 8. März – ist das heutzutage noch notwendig? Die NÖN fragte in den Unternehmen und bei den Frauen nach. Die Antwort – sowohl bei Arbeitnehmer- als auch Arbeitgebervertreterseite – ist ein klares Ja. Vereinbarkeit von Beruf und Familie, ein frauenmäßig dünn besiedeltes oberes Management, Einkommensdifferenzen und geringere Pension durch kinderbedingte Teilzeitarbeit sind die Eckpunkte. Christine Asperger, Betriebsratsvorsitzende der OMV Gänserndorf, ÖGB-Landesfrauen- und GPA-DJP-Frauenvorsitzende, steuert mit einem speziellen Frauenförderungsprogramm dagegen:

„Es ist uns gelungen, gemeinsam mit den anderen Mineralölfirmen eine Arbeitsgruppe zu implementieren, wo detaillierte Maßnahmen ausgearbeitet werden sollen. Wir sind noch am Anfang, aber es freut mich, dass uns die Geschäftsleitung mit Generaldirektor Rainer Seele voll unterstützt.“

Keine einzige Frau im obersten Management

„Frauen führen sozialer und vorsichtiger. Ihre Unternehmen wachsen langsamer, aber stabiler.“Dagmar Förster, Frau in der Wirtschaft

Der Standort Gänserndorf ist vom weiblichen Geschlecht sehr dünn besiedelt: Unter 604 Mitarbeiter befinden sich nur 80 Frauen, im obersten Management gar keine. „An Ausbildung und Leistung liegt es nicht. Leider trauen sich Frauen noch immer zu wenig zu, da müssen wir gegensteuern. Vor allem in den technischen Berufen ist noch viel Luft nach oben“, sieht Asperger Handlungsbedarf.

Besser sieht es bei den beiden großen Regionalbanken aus. Als Aufsichtsratsvorsitzende führte Andrea Seidl die Marchfelder Bank umsichtig und erfolgreich durch den Loslösungsprozess vom Volksbankensektor. Von insgesamt 36 weiblichen Mitarbeitern sind vier in Führungspositionen, elf arbeiten Teilzeit. „Als Vater von vier Kindern habe ich vollstes Verständnis für den Wunsch nach Teilzeitarbeit, auch wenn das organisatorisch manchmal schwierig ist“, versucht Vorstand Hartwig Trunner befriedigende Lösungen zu finden. Das sieht auch Direktor Josef Buchleitner von der Raiffeisen Regionalbank so: „Viele wünschen sich Teilzeit wegen der Kinder. Wir bemühen uns, auf die Wünsche der Frauen einzugehen.“ Der Frauenanteil in der Bank liegt mit 51 Prozent im ähnlichen Bereich wie beim Mitbewerber, auch im mittleren Management finden sich etliche Damen, die Aufsichtsratsvorsitzende-Stellvertreterin ist ebenfalls eine Frau.

Die Geschäftsleitung sowohl im Bergbaubetrieb OMV als auch in den Banken ist ausschließlich männlich. Besser sieht es bei den Unternehmerinnen aus: Von den insgesamt 5.426 aktiven Kammermitgliedern im Bezirk sind 2.305 weiblich. Frau in der Wirtschaft Dagmar Förster, Chefin des Sanitätshauses Luksche, sieht Unterschiede zwischen den Geschlechtern: „Frauen führen sozialer und vorsichtiger. Ihre Unternehmen wachsen vielleicht langsamer, aber stabiler“, sieht Förster Unterschiede.

Ein Knackpunkt stellt sich allen Frauen, egal ob Unternehmerin oder Arbeitnehmerin: Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie.

Kinderbetreuung liegt weiterhin bei Frauen

Kinderbetreuung beim Berufswiedereinstieg ist eine Problematik, die auch Asperger gut kennt. „Wir starten gerade eine Umfrage, wie viele Mitarbeiter einen Betriebskindergarten in Anspruch nehmen würden. Bei entsprechend großer Zahl an Rückmeldungen werden wir versuchen, das auch für den Standort Gänserndorf durchzusetzen.“ Wenn auch der Papamonat im Großbetrieb OMV ein Thema ist – die Hauptlast der Kinderbetreuung liegt bei den Frauen, und das bringt Karriereknick, geringeres Einkommen durch Teilzeitarbeit und damit weniger Pension mit sich.

Das sieht auch Maria Zickl so. Sie ist Mutter von zwei kleinen Kindern und wieder berufstätig. „Ich arbeite zwanzig Stunden pro Woche in Wien. Im Kindergarten muss ich für die gesamte Nachmittagsbetreuung bezahlen, obwohl das Kind nur eine halbe Stunde davon in Anspruch nimmt. Flexiblere Regelungen würden mir den Alltag wesentlich erleichtern.“

Auch wenn für die Frauen fast ausnahmslos die Kinder im Vordergrund stehen – gegen Unterstützung und Verbesserung hätte keine etwas einzuwenden.