Silo-Abbruch in Hohenau regt auf. SP-Bürgermeister Wolfgang Gaida verteidigt den Abriss des alten Schüttkastens. Die Initiative Denkmalschutz kritisiert diese Aktion jedoch.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 20. November 2020 (04:51)
Der Stein des Anstoßes – der baufällige Getreidesilo in Hohenau.
Halzl

In der Lagerhausgasse, wo bis zum 20. Oktober noch der unversehrte, wenn auch stark renovierungsbedürftige Schüttkasten stand, sind seit letztem Freitag nur noch Trümmer zu sehen.

An dieser Stelle sollen von der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft Arthur Krupp, die den Grund vom Betrieb Fiedler kaufte, Wohnungen und Reihenhäuser errichtet werden.

„ Ich bin froh, dass die Müllhalde nun Geschichte ist und dort jetzt wertvoller Wohnraum entsteht.“ Wolfgang Gaida, SP-Bürgermeister

Der Abbruch des 1904 erbauten Getreidespeichers, der ehemals im Besitz der Fürsten von Liechtenstein war, scheidet die Geister. So kritisiert die Initiative Denkmalschutz in einer Presseaussendung, dass sich die niederösterreichischen Gemeinden zu wenig für ihr eigenes Kulturerbe einsetzen. Hohenaus SP-Bürgermeister Wolfgang Gaida wird vorgeworfen, die eigene Verantwortung zum Erhalt des historischen Gebäudes mit Berufung auf das Urteil des Denkmalamtes abzugeben.

Sucht man den ehemaligen Getreidespeicher in einer Suchmaschine unter „Schüttkasten Hohenau“, findet man unter www.marterl.at einen Eintrag mit dem Vermerk, dass dieser mehrgeschoßige Bau mit rechteckigem Grundriss aus heutiger Sicht als architektonisch höchst wertvoll zu erachten sei.

Das Denkmalamt hingegen ist der Ansicht, dass das Gebäude nicht schützenswert sei. Für Kulturgüter lokaler oder regionaler Natur ist das Bundesdenkmalamt jedoch nicht zuständig.

Die Zuständigkeit liegt bei Bundesländern und Gemeinden. Was die Meinung in der Bevölkerung betrifft, sind manche froh, das alte Gebäude loszuwerden und sehen in ihm nur einen dem Verfall geweihten Klotz, für andere wiederum ist der Abbruch ein Verlust. Für sie ist das Gemäuer ein Kulturgut, eine Reminiszenz an das Hohenauer Gestüt, ja sogar eine Art Wahrzeichen.

Zur Sprache kam die Zukunft des Schüttkastens vermehrt im Zuge einer Bevölkerungsumfrage nach der Wahl zum Bürgermeister im Jänner 2019.

Haushalte befragt

Dabei wurden alle Haushalte befragt, auch online konnte man seine Stimme abgeben. Teils wurden Meinungen zu speziellen Themen erhoben, wie auch zum Wohnbau. Zwar nahm die Befragung nicht direkt auf die Zukunft des Schüttkastens Bezug, sie wurde jedoch auffällig oft erwähnt. Aus der Bevölkerung waren Sätze zu hören wie „Warum steht der noch?“, Lasst euch etwas einfallen!“ oder gar „Der ist gefährlich!“

Gaida begründet den Abriss: „An einer Fassadenseite war eine Leiter angelehnt. Manche Bürger meinten, die Mauer würde gestrichen. In Wirklichkeit stützte sie die Fassade jedoch gegen herabfallende Gebäudeteile.“

Und weiter: „Der Abbruch war im Sinne der Gemeinde. Ich bin froh, dass die Müllhalde nun Geschichte ist und dort jetzt wertvoller Wohnraum entsteht. Deswegen habe ich mich dafür eingesetzt.“ Der Bürgermeister betont, dass er verstehen könne, wenn manche an dem Objekt hängen und Erinnerungen damit verbinden. Der Abbruch sei allerdings richtig gewesen. Auch wenn das Gebäude interessant gewesen sei, sei es nicht erhaltenswert gewesen.

Gaida ortet zudem großen Bedarf an Wohnraum: „Kaum waren die ersten Bagger da, sind schon zahlreiche Anmeldungen für das entstehende Wohnangebot eingetroffen.“ Dies sei für ihn ein Beweis dafür gewesen, dass die Entscheidung richtig war. Er hält fest, dass man auf diese zum Zeitpunkt noch nicht eingehen könne, da alles noch im Entstehen sei.