Nach Bürgermeisterwahl in Zistersdorf: Das sagen die Betroffenen

Erstellt am 09. Juni 2023 | 15:15
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Ortstafel Zist
In der Stadt Zistersdorf und ihren acht Katastralgemeinden leben knapp 5.500 Einwohner.
Foto: NÖN
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Nach dem überraschenden Rücktritt von Helmut Doschek als ÖVP-Stadtchef und der Bürgermeisterwahl steht Doscheks Nachfolger fest: Es handelt sich um den bisherigen Vize Elmar Schöberl. Neuer Vizebürgermeister ist Martin Bauer. Beide wurden mit den Stimmen der ÖVP (absolute Mehrheit im Gemeinderat) gewählt. Nach der Wahl sprachen alle drei Politiker mit der NÖN.

Was sagt Doschek zum Wahlausgang? „Meine Befürchtungen wurden bestätigt – jetzt haben die reaktionären Kräfte in der Fraktion das Kommando übernommen.“ Schöberl, aber vor allem Bauer sei einer der härtesten Gegner von Doscheks innovativem Kurs gewesen: „Bauer hatte schon früher mehrmals betont, dass bei unseren Projekten alles viel zu schnell geht und dass es auch zu viele sind.“

Doschek
Helmut Doschek ist jetzt parteifreier Gemeinderat. Er lebt in Großinzersdorf.
Foto: Mauritsch

Deshalb sehe Doschek für die Zukunft der Gemeinde schwarz. Als Beispiel nennt er die Windparks: „Knapp 50 Anlagen sind beschlossen und werden errichtet. Zusätzlich sind noch etwa 30 weitere angedacht. Die werden jetzt vermutlich nicht mehr kommen. Der finanzielle Schaden für die Kommune wäre dann gewaltig.“

Warum? „Weil Zistersdorf dann stromautark gewesen wäre. Alle Haushalte und Firmen hätten dann günstigen Strom gehabt und wären nicht mehr auf die jetzigen Energieversorger und deren Preispolitik angewiesen.“ Doschek hätte noch viele andere Pläne gehabt, darunter die Errichtung eines Ärztezentrums, einer Schwimmhalle und eines Unterstufengymnasiums.

Elmar Schöberl
Der neue Bürgermeister Elmar Schöberl wohnt in Maustrenk.
Foto: Stadtgemeinde Zistersdorf

Der neue Bürgermeister Elmar Schöberl ist hauptberuflich Landwirt und Lehrer an der Landwirtschaftlichen Fachschule Mistelbach. Kann der 47-Jährige, der in Maustrenk lebt, alle drei Berufe unter einen Hut bringen? „Vorerst gebe ich nichts davon auf. Man wird künftig sehen, ob sich zeitlich alles vereinbaren lässt.“

Im Moment befinden sich er und seine Fraktion in einer Orientierungsphase: „Wir beraten noch, wie wir die Aufgaben verteilen – zwischen der Stadträten, dem Vizebürgermeister und mir.“ Was sind Schöberls Ziele? „Mir sind die Bürgernähe und der Konsens sehr wichtig. Deshalb will ich die Vorhaben für unsere Gemeinde auch immer bürgernah umsetzen.“ Was sagt er zu Doscheks Sorge, dass die restlichen geplanten Windparks nicht mehr gebaut werden? „Wenn die Bevölkerung sie will, werden sie auch errichtet.“

Martin Bauer
Der neue Vizebürgermeister Martin Bauer lebt in Windisch-Baumgarten.
Foto: Stadtgemeinde Zistersdorf

Der neue Vizebürgermeister Martin Bauer (39) lebt in Windisch-Baumgarten, ist gelernter Installateur und arbeitet im Brotberuf für die Netz NÖ GmbH. Auch er wird seinen Hauptberuf weiterhin ausüben. War Bauer ein Gegner von Doschek? „Überhaupt nicht. Ich bin halt ein kritischer Mensch, der immer wieder konstruktive Kritik geäußert hat. Das war auch nie ein Problem. Manchmal hat mir Doschek recht gegeben, dann wieder nicht. Es gibt eben unterschiedliche Meinungen.“

Laut Bauer wisse die ÖVP-Fraktion noch immer nicht, warum Doschek eigentlich zurücktrat: „Wir waren alle froh, dass es ihn gab. Er hatte seine Aufgabe immer zu 100 Prozent erfüllt. Von uns hat ihn niemand gedrängt, aufzuhören. Wir wurden einfach vor vollendete Tatsachen gestellt.“