Trockene Äcker: Spritzen wirkt weniger. Die Dürre bringt nicht nur eine Mäuseplage, die Arbeit der Landwirte wird ebenfalls erschwert.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 31. August 2019 (04:33)
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Die Hitzewelle trocknete die Äcker aus. Untypisch waren vor allem die warmen Winde, die mit einem „Heißluftföhn“ vergleichbar sind. Für die Maisernte ist das sogar positiv, sonst aber problematisch.
Szeker

Eine riesige Staubwolke über einem abgeerntetem Acker – das ist kein seltener Anblick, denn trotz einiger Regenfälle sind die Felder schnell wieder staubtrocken. Die Erträge werden durch die Dürre gedrückt, zudem können neue Krankheiten oder Schädliche auf den Feldern Einzug halten. So haben dieses Jahr etwa die Mäuse den Kulturen der Landwirte zugesetzt. Insgesamt: keine rosigen Zeiten für viele Bauern.

Verantwortlich für die Klimaveränderungen sind bekanntlich globale Faktoren, aber auch lokal bestehen starke Einflüsse auf das Klima. Beim Hochleithenwald (bei Wolkersdorf) führten etwa die Trockenlegungen von sumpfigen Gebieten in den 70er-Jahren zu einem Rückgang der Niederschläge. 70 Millimeter Regen fehlen seither jährlich. Warum, weiß Forstmeister Hubert Schöfberger: Die Feuchtgebiete zogen lokale Gewitter an.

„Die Wirksamkeit von Maßnahmen wie Pflanzenschutz verändert sich bei Dürre und Trockenheit.“ Gottfried Bauer, EGZ

Für den Wald bedeutet zu viel Trockenheit Stress, sodass sich Schädlinge und Krankheiten verbreiten können. Ähnlich präsentiert sich die Entwicklung auf den Äckern der Region, wo die Mäuse sich in der trockenen Hitze rasant vermehrten. Auch in Obstplantagen sorgen die Nager mittlerweile für Ernteausfälle. Die oberösterreichische Landwirtschaftskammer empfiehlt, angesichts der Plage Sitzstangen für Greifvögel aufzustellen. In Zistersdorf wurden die Tiere in den vergangen Monaten vor allem im Zusammenhang mit Giftfallen erwähnt.

Die Trockenheit bringt jedoch auch andere Herausforderungen mit sich: „Die Wirksamkeit von Maßnahmen wie Pflanzenschutz verändert sich bei Dürre und Trockenheit“, erklärt Gottfried Bauer von der Erzeugergemeinschaft Zistersdorf, der rund 300 Betriebe angehören. Auch die Vorbereitungszeiten werden für das Pflegen der Kulturen immer länger. Tendenziell geht mit der Dürre daher auch ein zusätzlicher Arbeitsaufwand für die Landwirte einher.

Auch auf den Grundwasserstand haben niederschlagsarme Jahre natürlich eine Auswirkung. Zistersdorfs Vizebürgermeister Helmut Lehner (ÖVP) machte im Mai auf einen Rekordtiefstand bei den Trinkwasserbrunnen aufmerksam. Zur Sicherheit kaufte die Großgemeinde Wasser zu, um den Spitzenbedarf von 1.600 Kubikmetern täglich zu decken. Probleme mit trockenen Brunnen in der Landwirtschaft sind Gottfried Bauer aber nicht bekannt.

Bodenschutzanlagen könnten ein Ansatz sein

Für die Zukunft stellt sich jedenfalls die Frage, wie mit den widrigen Bedingungen umzugehen ist. Die Bewässerung ist in der Region standörtlich vor allem im Raum Hohenau möglich. Bauer betont überdies, dass Wasser eine endliche Ressource sei und führt als Alternative zur Bewässerung daher an den Standort angepasste Kulturen ins Feld.

In diesem Zusammenhang kritisiert er auch generelle Ge- und Verbote, da die Bedingungen im Ackerbau von Region zu Region sehr unterschiedlich sind. Für die Kulturen ist Trockenheit im Boden laut Bauer zudem ein kleineres Problem als die „trockene, tropische Oberflächenhitze“ über mehr als zehn Tage hinweg und – damit verbunden – fehlender Morgentau.

Wälder könnten hier entgegenwirken, denn ein ausgewachsener Baum kann täglich mehrere 100 Liter an Wasser über die Blätter verdunsten (bekannt als Transpiration). Sogenannte Bodenschutzanlagen (früher Windschutzgürtel) könnten ein Ansatz sein, um neue Waldflächen zu erschaffen. Sie schützen die Äcker vor Erosion und werden vom Land gefördert.