Wohnbau-Pläne: Betroffene Bürger kämpfen weiter. Nun liegt Gutachten vor, das Vorkommen von Eulen bestätigt. VP-Bürgermeister will Projekt genau prüfen.

Von Nina Wieneritsch und Christoph Szeker. Erstellt am 12. Juli 2019 (04:48)

Die Stadt plant, in der Friedensgasse 24 neue Wohnungen zu errichten (die NÖN berichtete). Nun gerät das Projekt aber immer mehr ins Wanken. Bereits in den vergangenen Wochen machten Anrainer gegen die geplante Wohnhaus-Anlage mobil. „Unsere Lebensqualität würde sich exponentiell verschlechtern“, sagt einer von ihnen.

Zudem haben sich auf dem Areal Waldohreulen angesiedelt, was nun in einem jagdfachlichen Gutachten bestätigt wird. Bei einem Lokalaugenschein von Experten wurden insgesamt sechs Vögel dieser Art beobachtet. Laut Jagdgesetz dürfen deren Horstbäume und -plätze nicht verändert oder gar beschädigt werden – eigentlich das Todesurteil für das Projekt, das unter Dach und Fach schien. Die NÖN fragte bei VP-Bürgermeister Helmut Doschek nach.

Der Bearbeiter, der sich in der Gemeinde um das Gutachten kümmert, war auf Urlaub, weshalb Doschek nicht vorgreifen will. Allerdings sagt er: „Wir werden uns das Ganze sehr genau anschauen.“ Der Bauamtsdirektor werde sich einlesen, dann werde man mit der Behörde und dem Wohnbauträger (Schönere Zukunft) Kontakt aufnehmen und den Fall prüfen.

Warum für die geplanten Wohnungen überhaupt Grünraum zerstört werden soll, ist für die Anrainer unverständlich; zumal die Stadt immer wieder auf Naturschutz pocht. Jüngst wurde sie zum Beispiel mit der „Natur im Garten“-Plakette ausgezeichnet.

„Verstehe nicht, warum Natur zerstört wird“

Doschek erklärt: „Wir achten insofern darauf, Grünraum zu schützen, als sich die Siedlungen nicht nach außen ausdehnen sollen.“ Man wolle stattdessen die Stadt verdichten, um bestehende Strukturen zu nutzen. Künstler Ronald „Hero“ Heberling ist einer der Betroffenen: „Ich verstehe nicht, warum hier eine der letzten Grünflächen in der Stadt zerstört werden soll, obwohl überall gegen den Klimawandel gekämpft wird.“

Und weiter: „Wir haben die Wohnung damals aufgrund der Natur vor der Haustür gekauft.“

Es gebe verschiedene alternative Bauplätze, sagt er. Anscheinend wolle man das Projekt aber mit aller Kraft durchboxen. „Während die Politiker es so darstellen wollen, dass wir uns primitiv gegen ein Wohnhausprojekt wehren [eine Anspielung auf die Stellungnahme des Grünen-Mandatars Karl Kolar in der letztwöchigen NÖN-Ausgabe, Anm.], wird dabei verschwiegen, dass in den präsentierten Plänen von der Gesamtfläche von über 3.000 m Natur lediglich mickrige 300 m als Grünfläche übrig bleiben.“ Der Rest soll mit Zufahrtsstraße, rund 50 Parkplätzen für den Wohnblock, einer Müllinsel und Gehwegen verbaut werden.