„Sir Tralala“ lud zur Totenmesse. Der Musiker mit der Stimme wie Samt begeisterte im Zwerndorfer Gotteshaus.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 08. November 2017 (20:24)
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Pater Jeremiah Eisenbauer und „Sir Tralala“: Beide waren sich nach dem Kirchenkonzert einig, dass die „Schnapsidee vom Stammtisch“ auch in der Retrospektive eine gute war.
Havranek

In ungewöhnlichem Ambiente ging ein Konzert des Wahl-Marchfelders David Hebenstreit, besser bekannt als „Sir Tralala“, über die Bühne: Die Zwerndorfer Pfarrkirche war als Klangraum aber ideal geeignet, um der Musik des Ausnahmekönners eine weitere Nuance an Tiefgang zu geben.

Das Motto des Abends, „Memento Mori“, sollte an die eigene Vergänglichkeit erinnern, tat dies aber nicht auf eine bedrückend-deprimierende Art, sondern beleuchtete den erlösenden Aspekt des Sterbens – oder wie es der Gänserndorfer Künstler „Extrem Hirsch“ ausdrückt: „Die Endlichkeit ist grausam, doch die Endlichkeit ist gut.“

„Remember that Death is not the End“

Die Idee zum Konzert in der Kirche war am Stammtisch des Zwerndorfer „3er Wirtshauses“ entstanden, Pater Jeremiah Eisenbauer war sofort angetan. Und so stand „Sir Tralala“ schließlich vor dem Altar, die Abbilder der Heiligen und die erwartungsfrohen Zuschauer in den vollen Bankreihen waren angetan von der Stimme, die wie warmer Honig dem Gehör schmeichelte und nachdenkliche Lieder von Nick Cave, Bob Dylan aber auch Motörhead so treffend wiedergab.

Das Predigen – das war mit Pater Jeremiah abgeklärt – ließ sich „Sir Tralala“ nicht nehmen: So wurde philosophiert, wie unzufriedenstellend ein Leben als Stein sein müsse, der die erstrebenswert anmutende Unendlichkeit des Daseins in gelähmter Handlungsunfähigkeit verbringt. Das Publikum als Kirchenchor stimmte in die gleichsam hoffnungsvollen wie bedrohlichen Zeilen mit ein: „Remember that Death is not the End“. Zum Abschluss schickte der Prediger seine Schäfchen mit „Hallelujah“ nach Hause – oder zur Analyse des Gesehenen ins „3er Wirtshaus“.