Kalmuck-Janker & Dirndlweiber: Trachten im Bezirk Gmünd

Erstellt am 15. Mai 2022 | 04:02
Lesezeit: 3 Min
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Zu den Dietmannser Dirndlweibern gehören auch Andrea Seidl-Schuhmacher, Maria Müllauer, Inge Seidl und Maria Haumer. Diese Gruppe will in ihrer Gemeinde eine eigene Tracht etablieren und bietet dazu auch Nähkurse an.
Foto: Dirndlweiber
Trachten sind wieder populär. Eine eigene Waldviertler Tracht gibt es aber nicht.
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Die Tracht prägt heute das Bild von Bällen, Festen und Hochzeiten. Dabei handelt es sich meist um neu kreierte Dirndln, Anzüge & Co. Eine traditionelle „Waldviertler Tracht“ gibt es nämlich nicht.

„Tracht“ bedeutet eigentlich „das, was getragen wird“ und das bestimmte früher die Herkunft, den Familien- und Berufsstand. Erst im 19. Jahrhundert adaptierte die gehobene Gesellschaft die Arbeitskluft für ihre Bedürfnisse. Als „Role Model“ fungierte damals Kaiser Franz Joseph, der das Gewand der Jäger trug. Viele regionale Trachten entstanden erst 1908, als bei einem Festzug für den Kaiser eine große Menschmasse in dafür eigens erfundenen Trachten erschienen ist.

Die ebenfalls im 19. Jahrhundert entstandene Volkskunde befasste sich mit der Dokumentation der Tracht. „Bemerkenswerte Trachtensammlungen gibt es im 1911 gegründeten NÖ Landesmuseum und im Krahuletzmuseum Eggenburg“, erzählt Eva Zeindl von der Volkskultur. Im Krahuletzmuseum sind aktuell um die 400 bis zu 200 Jahre alte Kleidungsstücke vorhanden, auch einige aus dem Waldviertel.

Von Nazis missbraucht, von Trapps populär gemacht

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Tracht von den Nationalsozialisten missbraucht. „1938 wurde unter anderem den Juden das öffentliche Tragen von Lederhosen verboten“, weiß Brigitte Temper-Samhaber, die sich mit dem Thema im Rahmen ihrer Tätigkeit im Museum „Alte Textilfabrik“ in Weitra auseinandergesetzt hat.

Vor rund 80 Jahren gewann das Dirndl durch die „Sissi“-Filme und die Salzburger Familie Trapp wieder an Bedeutung. Welche Trachten es überhaupt in Niederösterreich gibt, das haben Volkskundlerin Helene Grünn und Franz Lipp zusammengetragen. Die Volkskultur Niederösterreich, die seit 30 Jahren auch mit dem Dirndl gwandsonntag für einen lustvollen Zugang sorgt, fasste 70 Trachten in einer eigenen Trachtenmappe zusammen. Der Bezirk Gmünd ist mit dem Kalmuck-Janker in dieser Sammlung zu finden. Der Kalmuckstoff wurde bis 2004 in der Anderlfabrik in Kleedorf produziert und gerne von Winzern und Bauern getragen. Die Gmünder Festtracht mit schwarzem bestickten Oberteil, die von einigen Volkstänzern getragen wird, wird in der Grünn-Sammlung beschrieben.

Auch privat steigt das Interesse am Nähen von Dirndln. Dazu gründeten sich Nähgruppen – eine davon sind die „Dirndlweiber“ aus Großdietmanns, die 2013 eine eigenen „Dietmannser Tracht“ mit der Volkskultur NÖ kreiert haben. „Bei unseren Nähkursen sind um die 20 Dietmannser Dirndln entstanden“, berichtet Silvia Friedl. Zum Thema Tracht gehört auch die Weitraerin Elfi Maisetschläger, die vor 30 Jahren mit ihrem Geschäft gestartet ist. Sie ist mit ihren Trachtenlinien weithin bekannt.

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