Ärztesprecher zu Termin-Knappheit: „Chaos erwartet“. Groß ist die Aufregung auch im Gmünder Bezirk darüber, dass die 10.000 Termine für die Covid-Impfung an über 80-Jährigen am 10. Februar im Internet binnen kürzester Zeit weg waren. Aus dem Bezirk war mit Praktiker Josef Ziegler aus Brand nur eine einzige Impfstelle angeführt, bei der man Termine hätte fixieren können.

Von Karin Pollak und Franz Dangl. Erstellt am 10. Februar 2021 (15:05)
Symbolbild
APA (KEYSTONE)

„Beim Anklicken des dritten oder vierten Termines schaltete sich der Kalender aus und in großen Buchstaben wurde darauf hingewiesen, dass es keine Termine geben würde“, berichtet eine NÖN-Leserin aus dem Raum Weitra, die pünktlich zum angekündigten Freischalt-Zeitpunkt um 10 Uhr ihre fast 87-jährige Schwiegermutter anmelden wollte.
Karin Neumeister aus Heidenreichstein erging es für ihre über 90-jährigen Eltern ähnlich. Ebenfalls aus der Burgstadt meldete sich Karl Pichler: Er habe einzig einen freien Termin im mehr als hundert Kilometer entfernten Petzenkirchen gefunden, ortet hier ein Versagen der Politik sowie einen fahrlässig herbeigeführten „Wettkampf“ um Impfungen. „Anscheinend wird darauf vergessen, dass sich ältere Mitbürger nicht so häufig mit dem Internet beschäftigen und ihre Mobilität nicht mehr so gegeben ist, wie bei jüngeren.“ Er fordert mehr regionale Impfmöglichkeiten.

Die gebe es laut Bezirksärztesprecher Christoph Preißl auch. Seine eigene Ordination in Kirchberg sei zum Beispiel erst für den 1. März als Impfstelle ausgewählt worden. Preißl versteht die Aufregung in der Bevölkerung: „Es war aber von vornherein klar, dass es ein unglaubliches Chaos geben wird, an dem aber weder die Ärzte noch die Ärztekammer Schuld haben.“

Die derzeitige Mangelwirtschaft an Impfstoffen lässt offenbar keine andere Möglichkeit offen.

Die Koordination der Corona-Impfungen obliege Notruf 144 NÖ, somit auch die Terminvergaben. Von hier werden die Impfstellen und die Anzahl der dort zur Verfügung gestellten Impfstoffe festgelegt. Dadurch habe man eine faire Zuteilung im gesamten Bundesland erzielen wollen. Aber, so Preißl: „Ich habe keine Ahnung, welche Ordinationen ausgewählt werden, auch nicht, wie viel und welchen Impfstoff welcher Arzt bekommt.“ Er selbst werde AstraZeneca erhalten – wie viel, das wisse er nicht. „Mir wäre es natürlich lieber, wenn ich meine eigenen Patienten impfen könnte, die ich kenne. Das würde natürlich jeder Arzt gerne machen“, meint Preißl.

Weitere Termine sollen wieder über das Anmeldeportal vergeben werden. Preißl fürchtet bei rund 2.900 Personen im Alter von über 80 Jahren im Bezirk, von denen viele geimpft werden wollen, noch einige unliebsame „Dates“ mit der Plattform. Da die Liste der Impfstellen ständig erweitert werde empfiehlt es sich, dort regelmäßig nachzuschauen.

Bei der einzigen Impfstelle im Bezirk waren am 10. Februar innerhalb weniger Minuten alle Termine ausgebucht. Teilweise reisen Patienten aus weiten Teilen des Bundeslandes an.  "Hier ist Notruf Nö gefordert, die verfügbaren Impfstoffe wohnortnahe für die betagte Bevölkerung zur Verfügung zu stellen", meint Preißl