„Industrieleiche“ in Gmünd wird belebt. Weitläufige „Intrapack“-Halle in Weitraer Straße wird saniert, unrettbarer Bestand abgetragen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 13. März 2019 (05:10)

34 Jahre ist der Niedergang der Firma Bobbin als einst größte Arbeitgeberin der Stadt Gmünd nun her. Das weitläufige Betriebsareal moderte seither vor sich hin und wurde so zum Symbol für Aufstieg und Fall der Bezirkshauptstadt – und steht inzwischen auch für den Neubeginn. Seit der Übernahme eines großen Teiles des Areals durch die Stadtgemeinde anno 2012 kam in und um die alten Hallen bereits allerhand in Bewegung, und jetzt bereitet die „Schnabl Helmut Transportgesellschaft m.b.H.“ auch eine groß angelegte Sanierung des markanten grau-gelben Lagergebäudes mit altem Intrapack-Schriftzug direkt an der Weitraer Straße vor.

Gebäudehülle nächster Schritt.

Der Frächter mit mehr als hundert Mitarbeitern erwarb die Halle mit etwa 15.000 m2 Lagerfläche vor etwa fünf Jahren, ließ in der Zwischenzeit das Dach komplett erneuern. Die Gebäudehülle ist nun der nächste Schritt, wie Helmut Schnabl auf NÖN-Nachfrage erklärt: „Wir wollen die Situation nicht mehr länger mit ansehen, wollen die Fassade für die Stadt und für uns zunächst an der Vorderseite ansehnlich gestalten und auf das Niveau unseres Betriebes heben.“ In den nächsten Tagen erwartet er die Anbote, „danach soll es so schnell wie möglich losgehen.“ Die Gebäudehülle soll neu gestaltet und eloxiert werden, soll danach auch optisch als Teil des erfolgreichen Gmünder Transport-Unternehmens erkennbar werden.

Gefahr war bereits im Verzug.

Im Vorfeld wurde vor wenigen Tagen im Zusammenwirken von Schnabl und Stadtgemeinde der Übergang zum markanten rückseitigen, vierstöckigen Gebäudeblock in der Roseggergasse abgetragen. „Hier war Gefahr in Verzug, Glasteile hatten sich gelöst und waren zu Boden gefallen“, stellt Vizebürgermeister Hubert Hauer (AfG) klar. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Schnabl sei „hervorragend. Genauso wie bereits beim Bau der neuen Schnabl-Hallen an der B41.“ Im Bereich unter der ehemaligen Gebäudebrücke wurde gegraben – Schachte und eine alte Senkgrube wurden entfernt.
Ziel ist es laut Helmut Schnabl, auch gleich die Ein- und Ausfahrt an der Vorder- und auch Rückseite der großen Lagerhalle neu zu asphaltieren.

Nachnutzung für Wohnbau?

Der Bereich des Areals jenseits der abgerissenen Verbindung gehört großteils der Stadtgemeinde. Die lässt sukzessive unrettbar gewordenen Altbestand abtragen. Damit rückt allmählich die Frage nach der künftigen Verwendung in den Mittelpunkt. Immerhin hat sich an der anderen Seite der Bahngleise in Ehrendorf trotz des trüben Ausblicks auf die Industrieleiche reger Wohnbau entwickelt, der theoretisch auch hier möglich wäre. „Irgendwann müssen wir die weitere Nutzung festlegen“, räumt Vizebürgermeister Hauer ein. Wie berichtet hat sich dazu bereits eine Studentengruppe den Kopf zerbrochen. Die Herausforderung ist der Schornstein mit dem Storchennest, Hauer: „Er ist nur im Verbund mit dem Heizhaus betrachtbar… eine schwierige Konstellation.“ Einst war noch mit dem Gedanken an einen Abriss spekuliert worden.

Noch biss keine Genossenschaft an 

Potenzial sieht die Stadtführung im vierstöckigen Gebäudeblock am Eck Roseggergasse/ Franz-Korherr-Gasse. In der Hinsicht laufe es in mittlerer Zukunft auf eine Grundsatz-Entscheidung hinaus, sagt Hauer: „Soll er saniert oder aufgegeben werden? Das Dach wird allmählich ein Thema…“ Fällt die Entscheidung auf eine Sanierung, so steht auch hier die Frage nach der künftigen Nutzung an. Die Idee eines Wohn-Projektes in alten Industrie-Gemäuern – für die andernorts hohe Nachfrage besteht – würde die Stadtführung reizen. „Leider hält sich bei Genossenschaften das Interesse daran in Grenzen“, sagt Hubert Hauer: „Die Gemeinde ist einst günstig zum Gebäude gekommen, könnte es relativ günstig zur Verfügung stellen.“

Die Stadt hatte 2012 wie berichtet große Teile des Areals als Ausgleich von Außenständen vom ehemaligen Besitzer übernommen. 2.000 m² Bauland-Wohngebiet zwischen Gmünd und Ehrendorf und ein 9.000 m² großes Betriebsgebiet gehören seither der Öffentlichkeit.