Herrenhaus wird „Klanghütte“. Um 387.200 Euro wechselt das „Herrenhaus“ den Besitzer – und damit auch seine Bestimmung.

Von Sonja Eder. Erstellt am 03. April 2019 (05:06)
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Das Restaurant im Herrenhaus gehört zur Geschichte - dafür soll es hochkarätige Musikproduktionen, Konzerte, Hochzeiten und Feste hier geben. Sonja Eder

Mit einem Paukenschlag für seine Heimatgemeinde beendet NBG-Chef Karl Bauer die jahrelangen Gastro-Turbulenzen um das altehrwürdige „Herrenhaus“: Über die „KAB Immo GmbH“ kauft er der Marktgemeinde Brand-Nagelberg das im 18. Jahrhundert errichtete Gebäude und eine Gesamtfläche von rund 7.000 Quadratmetern ab. Der Verkehrswert des Anwesens sei vom Gebietsbauamt in Krems 2018 mit 387.200 Euro beziffert worden, sagt SP-Bürgermeister Franz Freisehner nach dem einstimmigen Okay des Gemeinderates: „Wir haben die Verkaufsabsicht beim Land NÖ vorgelegt und gehen davon aus, dass wir grünes Licht erhalten, weil wir alles sehr genau abgewickelt haben.“

Karl Bauer will hier einen lange gehegten Wunsch umsetzen. „Ich möchte ein Qualitäts-Tonstudio errichten, wie es dergleichen bis zur Donau noch nicht gibt“, kündigt er an. Als „alter“ Musiker wünsche er den Kontakt mit Musikern und Künstlern und will die Möglichkeit für die Produktion hochwertiger Musik im Herrenhaus bieten. „Musiker sollen sich hier einige Tage zurückziehen und konzentriert arbeiten können“, so Bauer. Deshalb möchte er einen Teil der Räume im Herrenhaus als Doppelzimmer anbieten, um das Arbeiten im Tonstudio so bequem wie möglich zu machen.

 „Es ist doch das Wahrzeichen von Nagelberg…“,  Karl Bauer erklärt, warum er den innovativen Plan für das Herrenhaus umsetzen will

Über die KAB Immo GmbH hat er ein Kaufangebot an die Marktgemeinde über eben jene 387.200 Euro gelegt und sein Konzept präsentiert. – Das geht weit über den Betrieb eines Tonstudios hinaus. Bauer: „Musik zu produzieren ist eines der wesentlichen Merkmale, würde aber nicht ausreichen, um all die Möglichkeiten, die das Haus hier bietet, zu nutzen.“

Auftritte vor 200 Gästen sollen möglich sein

Die in Gründung befindliche KAB Immo GmbH soll das Haus dem ebenfalls in Gründung stehenden Kulturverein „Klanghütte“ für Musik- und Kulturinteressierte vermieten. Der Verein soll das Tonstudio im linken Trakt vom Haupteingang aus betreiben. „Wir wollen die Verkabelung in den Gastrobereich weiterführen, um hier auch Tonaufnahmen von Chören, Bigbands und großen Ensembles durchführen zu können. Wegen fixer Licht- und Tonausstattung möchten wir hier auch auf einer fixen Bühne Konzerte veranstalten“, so Bauer. Der Verein soll eine Geschäftsführung plus Assistenz beschäftigen. 

„Wenn Bands, Gruppen und Kabarettisten das Tonstudio nutzen, dann wünschen wir uns, dass sie auch gleich ein Konzert oder einen Auftritt im Herrenhaus anbieten“, so Bauer. Dafür soll eine Wand zwischen Restaurant und Saal entfernt werden, ein großer Raum mit Bühne und Bar für bis zu 200 Gäste entstehen. „Alle regionalen Kulturtreibenden sollen sich hier präsentieren können“, so Bauer.

Das Gasthaus bleibt zu – öffnet aber für Feiern

Die „Klanghütte“ soll als Non-Profit-Organisation, aber kostendeckend geführt werden. Dazu sei eine Breite im Angebot notwendig. Ein Seminarraum soll eingerichtet werden, zwecks Team-Building oder für Seminare sollen die Räume, Garten und auch die zur Verfügung stehenden sieben Doppelzimmer Firmen angeboten werden. Der Garten soll eingebunden, aber auch als Lounge für Gäste genutzt werden können.  Denn für die Zimmergäste im Haus müssten auch Frühstück und abends Getränke angeboten werden, das will Karl Bauer mit der Installierung einer kleinen Kaffeebar kombinieren, die auch der Bevölkerung als Ort der Kommunikation zur Verfügung steht.

Das Gasthaus soll geschlossen bleiben, aber etwa für Taufen oder Hochzeiten angeboten werden – die Kapelle im Garten des Herrenhauses sei der optimale Ort, um die Ehe zu schließen und zu feiern. Zur Verköstigung von Feiergästen hofft Bauer auf die Zusammenarbeit mit Gastronomiebetrieben aus der Umgebung. Für deren Catering will er die Küche des Gastrobetriebes zur Verfügung stellen.

Sonja Eder
Bürgermeister Franz Freisehner und Karl Bauer freuen sich über die neue Bestimmung vom „Herrenhaus“, das nun mit dem Namen „Klanghütte“ den Bogen aus seiner Vergangenheit als Glashütte zum zukünftigen Tonstudio und zur stylishen Event-Location schlagen wird.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Idee einer fixen Sommerbühne im Garten für Konzerte und Sommertheater. „Die stufenförmigen Rasenflächen sind optimal dafür“, freut sich Bauer. Für den Winter wünscht er sich einen kleinen, einfachen Weihnachtsmarkt im Innenhof, da würde er gerne mit hiesigen Vereinen zusammenarbeiten. „Wir haben alles da, was wir brauchen: Wasser, Strom, Toiletten, selbst ausreichend Parkraum.“

Umbau-Arbeiten sollen im September starten

Im September soll mit den Umbauarbeiten begonnen werden, die Heizanlage soll erneuert, manches baulich umgestaltet, die Kapelle und der Außenbereich „top“ hergerichtet werden. Die Charakteristik des historischen Gebäudes soll weiter bestehen und durch moderne Details aufgewertet werden. In dem Trakt, in dem die Bücherei der Markgemeinde bleiben soll, soll das Mitarbeiter-Büro sein. Bauer: „Ich wünsche mir ein sehr gutes Team, das hier richtig gutes Marketing macht, damit der Eventkalender voll ist.“

Bürgermeister Freisehner freut sich über die neue Bestimmung des Herrenhauses. „Seit 2010 müssen wir dafür einen jährlichen Abgang von 7.600 Euro verzeichnen“, sagt er: „Es wird sicher Hand und Fuß haben, was der Karl hier beabsichtigt. Das hat er mit seiner Firma schon zur Genüge bewiesen.“

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