Baustopp: Riesen-Silo wird gekürzt. 9-Millionen-Euro-Baustelle sprengte Maß des Erlaubten. Silo muss gestutzt werden!

Von Karin Pollak. Erstellt am 10. April 2019 (05:01)
Karin Pollak
Der Turm von Altweitra steht aufrechtlich wackeligem Fundament.

Ein durch die Gemeinde verhängter Baustopp wegen sieben Meter hoher Anschüttungen und eines zu hoch werdenden Silos, der dennoch munter von erlaubten sechs auf 22 Meter Höhe weitergewachsen ist: Beim Bau des neuen Pelletswerkes von Y-Pellets im Altweitraer Industriegebiet tun sich massive Konflikte auf – die bereits zu einer ersten Konsequenz führten. Der Silo muss auf 18 Meter redimensioniert werden!

Das Werk wird wie berichtet seit Juni 2018 für Kosten von etwa neun Millionen Euro von der Firma Y-Pellets mit Sitz in Gars errichtet. Die Bauarbeiten schreiten zügig voran, mit der Produktion von Pellets sollte Mitte des Jahres begonnen werden. Doch vorerst sind einmal die Behörden am Zug.

„Diese Vorgangsweise erlaubt sich niemand. Das grenzt schon an einen Skandal, den wir abgedreht haben.“Erich Sadilek ist Bausachverständiger der Gemeinde

Laut Anrainervertreter hielt man sich nicht an Vorgaben in Genehmigungen. Vor allem geht es um einen der drei geplanten und für jeweils sechs Meter Höhe genehmigten Silos.

„Genehmigungen gelten auch für diese Firma“

Daher wandten sich Gerhard Wandl und Herbert Feiler aus Altweitra an VP-Bürgermeister Otmar Kowar. „Wir wollen die Sache nicht unkommentiert hinnehmen“, so Feiler zur NÖN. Bürgermeister Kowar bestätigt die nicht genehmigten Bauarbeiten und den im Herbst verhängten Baustopp für die Außenanlagen, der auch wegen der nicht genehmigten Anschüttung und der dadurch geänderten Entwässerung ausgesprochen worden sei. Im Betriebsgebäude an sich habe weitergearbeitet werden dürfen.

De facto veränderte sich allerdings auch das Außenbild merklich. Trotz des Baustopps wurde ein Silo im Jänner von 16 auf 22 Meter erhöht, worauf sich die Bürgervertreter nochmals an die Gemeinde Unserfrau-Altweitra gewandt hatten. „Jeder der baut, muss sich an die genehmigten Pläne halten. Das gilt auch für diese Firma“, sagt Feiler.

Bei einem Lokalaugenschein am 25. Februar kam es zu einer Einigung: Der Silo darf 16 Meter hoch sein. Diese Höhe wurde auch für die beiden noch in Bau befindlichen Silos vereinbart. Der bestehende Silo muss also gekürzt werden.

18 Meter als neue Kompromiss-Lösung

Jedoch blieb es auch bei dieser Vereinbarung nicht. „Y-Pellets hat einen neuerlichen Vorschlag eingebracht. Die Kürzung auf 18 Meter sei einfacher durchzuführen, außerdem sei die Lagerkapazität in einem 16 Meter hohen Silo zu gering“, so Kowar. Dieser neuerliche Vorschlag wurde laut Bürgermeister auch fixiert: „Wir brauchen keine neuerliche Bauverhandlung, der bestehende Silo wird auf 18 Meter gekürzt, die beiden anderen Silos werden 16 Meter hoch sein. Es müssen dafür aber unverzüglich die neuen Pläne eingebracht werden.“ Laut Kowar liege bereits eine Auftragsbestätigung einer Baufirma für die Kürzung vor, doch die Arbeiten können erst im Sommer starten.

Dieses neuerliche Übereinkommen bestätigt auch Architekt Erich Sadilek, der Bausachverständige der Gemeinde: „Hier wurde vom Bauherrn in Eigenverantwortung entschieden, den Silo höher zu bauen. Es gab dazu keine erforderliche baubehördliche Genehmigung. Diese Vorgangsweise erlaubt sich eigentlich niemand, das grenzt schon an einen Skandal, den wir abgedreht haben.“

„Wir wissen vom neuen Übereinkommen, das in der Vorwoche anscheinend zwischen Gemeinde und Betreibern getroffen wurde, offiziell nichts“, stellt Feiler klar. Ob und welche Schritte seitens der Anrainervertretung dazu unternommen werden, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. „Wir suchen einen Konsens, wollen aber, dass mit offenen Karten gespielt wird“, meinte Feiler.

BH prüft, ob Änderungs-Verfahren nötig ist

Auch Bezirkshauptmann Stefan Grusch bestätigt das Szenario. Die Bezirkshauptmannschaft sei als Gewerbebehörde in den Fall involviert: „Das gesamte Werk wurde anders ausgeführt, als es genehmigt worden ist. Wir müssen jetzt prüfen, ob ein Änderungsverfahren notwendig ist. Das muss erst technisch beurteilt werden.“ Die Bezirkshauptmannschaft will die neuen Pläne und mögliche Änderungen bei den Arbeitsabläufen überprüfen und dann entscheiden, ob eine neue Genehmigung notwendig ist. „Für die baulichen Maßnahmen ist die Baubehörde, sprich die Gemeinde, zuständig. Aber eines ist sicher: Gibt es seitens unserer Behörde ein Änderungsverfahren, dann sind auch die Anrainervertreter dabei“, stellt Bezirkshauptmann Grusch NÖN klar.

Seitens der Firma Y-Pellets war vor Redaktionsschluss trotz mehrerer Versuche und Bitten um Rückruf niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Es hieß telefonisch lediglich, dass der bisherige Betriebsleiter Stephan Schneider das Unternehmen verlassen habe – und Geschäftsführer Michael Kotyk nicht im Haus sei.

Zumindest die Anrainer sehen einen Lichtblick: Ein angeblich neuer Leiter des Altweitraer Werkes habe um ein Treffen gebeten. Man wolle nun ein gutes Einvernehmen suchen.