Waldviertler „Schuh-Rebell“ Staudinger als nächster Bundespräsident?

Erstellt am 13. August 2022 | 09:52
Lesezeit: 5 Min
Neues Gesicht in der Schar der Herausforderer von Alexander Van der Bellen für die Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober: „Ob ich es werde, das ist nicht gewiss. Der Versuch ist aber fix“, bestätigt Heinrich „Heini“ Staudinger, Chef von Gea und Waldviertler Werkstätten in Schrems (Bezirk Gmünd), auf NÖN-Nachfrage Gerüchte über sein Antreten.
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Partei hat der 69-jährige Selfmade-Unternehmer wie die Mehrheit der weiteren bisher bekannten Bewerber um das Präsidentenamt keine hinter sich, aber ein in vielen Jahren gesponnenes Netzwerk. Und er hat in einem international beachteten Match mit der Finanzmarktaufsicht ab 2012 hohe Popularität erlangt – weil er einen Kampf um ein Crowdfunding-Modell für die Finanzierung des Aufbaus unter anderem von Sonnenstromanlagen abseits der Banken bis zur Pfändung durchzog.

Wegbereiter für alternative Finanzierungsmodelle und Kinoheld

2015 wurde der Graubereich um das Geldeinsammeln bei vielen Kleinanlegern mit dem „Alternativfinanzierungsgesetz“ (AltFG) auf rechtliche Beine gestellt. Heini Staudinger war da als „Schuh-Rebell“ – der eigentlich auch hochwertige Möbel produziert – schon längst gefragter Interview- und Vortragsgast. Der Umsatz am Sitz in Schrems und in den mehr als 50 teils eigenständigen, teils firmenbetriebenen Gea-Läden in Österreich, Deutschland und der Schweiz hatte lichte Rekordhöhen erreicht. Und die Produktionsfirma von Nikolaus Geyrhalter war bereits mittendrin in den Arbeiten für eine Filmdoku, die sich der Geisteswelt des unbeugsamen Wahl-Waldviertlers widmete und ihn unter dem Titel „Das Leben ist keine Generalprobe“ auf die Kinoleinwände brachte.

Kampagnenstart mit Christine Bauer-Jelinek nach dem Wochenende

Staudinger glaubt daher, dass die für ein Antreten zur Wahl erforderlichen 6.000 Unterstützungs-Erklärungen bis zum Stichtag Anfang September keine unüberwindbare Hürde sein sollten. Das Budget soll aus Kleinspenden zusammengetragen werden. Der Start der von Christine Bauer-Jelinek – unter anderem Psychotherapeutin, Wirtschaftscoach und Autorin – koordinierten Kampagne ist für kommende Woche geplant.

Im Präsidentenrennen noch Platz für den  „Schuh-Rebellen“?

Warum er glaubt, dass in einem jetzt schon relativ dicht besetzten Bewerberfeld – den Amtsinhaber Van der Bellen wollen unter anderem FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz, MFG-Chef Michael Brunner, Ex-FPÖ- und BZÖ-Politiker Gerald Grosz, Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny („Marco Pogo“) oder Anti-EU-Aktivist Robert Marschall herausfordern – noch Platz für den „Schuh-Rebellen“ ist? „Einerseits wegen der Inhalte, andererseits wegen einer gewissen Bekanntheit, die natürlich ein Vorteil ist“, sagt Heini Staudinger. Etliche Gruppen von Kleingewerbetreibenden bis zu „Ökoleuten und sozialbesorgten Menschen“ seien zur Ansicht gelangt, dass er der Richtige für die Kandidatur sei.

Für neuen Lebensstil, gegen Covid-Angst und „wahnwitzige Großzügigkeit bei Großkonzernen“

„Millionen Menschen spüren es: Wenn wir so weiter tun, dann fahren wir an die Wand. Und wenn wir deppert sind, dann fahren wir in einen Krieg auch noch hinein“, erklärt der 69-Jährige. Die Art, zu leben, sei nicht mehr vereinbar mit Mutter Erde, die Politik tue aber so, als ließe sich das Problem mit Wirtschaftswachstum lösen: „Wir müssen einen Lebensstil entwickeln, der das gute Leben und nicht das Geld im Fokus hat. Das Wichtigste im Leben ist das Leben, das habe ich schon als 19-Jähriger bei meiner Afrika-Reise gelernt.“Im Winter hatte Staudinger wie berichtet auch bei Covid-Impfdemos mobilisiert. In Waidhofen/Thaya hatte er in dem Zusammenhang etwa von Václav Havel gesprochen: „Der ist im Häfn gesessen unter den Kommunisten. Was ist er dann geworden? Präsident der neuen Tschechoslowakei!“ Nun seien „unsere Politiker“ im Umgang mit der Krise „heillos überfordert. [...] Die zukünftigen Präsidenten, die das können, sind jetzt unter den Demonstranten, oder womöglich sogar im Häfn.“

Das Bemühen im Umgang mit Covid müsse komplett anders sein und weg von Angst und von einem Vorgaukeln eines wichtigen Beitrages durch regelmäßige Impfungen gehen. „Die Pharmakonzerne machen völlig absurde Gewinne. Wenn wir einmal fünf Prozent Gewinn machen, dann ist es ein sensationelles Jahr, aber Biontech macht bei einem Umsatz von 9,6 Milliarden Euro einen Gewinn von 55 Prozent – im Wesentlichen finanziert durch die öffentliche Hand.“ Abgesehen davon seien die besten Maßnahmen zur Stärkung der Abwehrkraft eine gesunde Natur, gesunde Luft, Ernährung oder Bewegung.

Die türkis-grüne Bundesregierung sei generell kleinlich und pingelig gegenüber Klein- und Mittelbetrieben, aber „wahnwitzig großzügig bei Großkonzernen, die sich mit System vom Steuerzahlen drücken können“, sagt Staudinger, der den Präsidentschafts-Wahlkampf Van der Bellens 2016 und in Schrems auch die Bildung der Grünen Liste unterstützt hatte.

Was der Präsident mit den Rahmenbedingungen, die die Regierung schafft, zu tun hat?

„Ein Bundespräsident kann sehr wohl einer Stimmung im Volk eine gewaltige Stimme verleihen“, streicht er hervor: „In meinem Match mit der FMA war die Stimmung in der Bevölkerung entscheidend. Sie hat bewirkt, dass das neue Gesetz kam und unzähligen Firmen nun einen Ausweg bietet. Als Kandidat oder Präsident kann man vieles nicht erreichen – aber viel mehr, als wir alle glauben.“

In der Zentrale der Waldviertler Werkstätten in Schrems und in den selbst betriebenen Gea-Läden werden aktuell laut Firmenauskunft insgesamt etwa 300 Mitarbeiter beschäftigt.

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