„Ihr könnt eh testen gehen, aber…“. Gmünds AK-Chef über verordnetes Schweigen bei Contact Tracing und andere Entwicklungen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 06. Februar 2021 (05:16)
Michael Preissl über den Arbeiterkammer-Alltag in Coronazeiten, seine eigene Einstellung zum ImpfthemaundseineFreudeüberLockdown- Lockerungen.
Markus Lohninger

Vergeblich hatten Arbeiterkammer und Konsumentenschutz um eine Verlängerung von Kreditstundungen infolge der Corona-Pandemie gekämpft, Stundungen von Krediten aus der Zeit von vor dem ersten Lockdown liefen Ende Jänner aus. Bei der AK Gmünd habe es bis dato dazu keine Meldungen gegeben, sagt deren Leiter Michael Preissl. Ihm sind im Zusammenhang mit dem Virus aber andere bedenkliche Inhalte zu Gehör gebracht worden.

Schweigen beim Contact Tracing

Preissl erzählt von einigen Firmen im Bezirk, in denen die Belegschaft angehalten sei, der Gesundheitsbehörde im Fall einer Covid-Infektion beim „Contact Tracing“ keinen Hinweis auf den Arbeitgeber zu nennen, um keine weiteren Quarantänefälle auszulösen. Bezirkshauptmann Stefan Grusch hatte bereits dahingehende Verdachtsfälle geäußert, sich mehrere Neuinfektionen dadurch erklärt.

Damit nicht genug. Preissl: „Fallweise erkundigen sich Beschäftigte zum Beispiel, wie das mit FFP2-Masken in Gesundheitsberufen so ist.“ Vorgesetzte würden behaupten, dass Tests beim Tragen von FFP2-Masken hinfällig seien – dabei seien Antigen-Tests für Jobs in Alten- und Pflegeheimen alle drei Tage und in Kur- und Krankenanstalten alle sieben Tage vorgeschrieben.

Testen gehen dürfen – und müssen?

Betriebsräte seien immer wieder mit „nicht unbedingt vertrauensfördernden“ Aussagen von Vorgesetzten konfrontiert, wenn‘s ums Testen geht, sagt Preissl: „Da kommen Sachen wie: ‚Ihr könnt eh testen gehen, aber nicht in der Dienstzeit‘.“ Meldungen dieser Art hätten sich nach der neuen Teststrategie mit flexibler nutzbaren Teststraßen im Bezirk gehäuft.

Auch das Gegenteil kennt der Arbeitnehmervertreter: Beschäftigte, die vom Chef zur Testung aufgefordert wurden, das aber nicht wollen. Was sie dagegen tun können? Nichts, wenn sie in einem Pflege- oder Gesundheitsberuf arbeiten, verweist er auf eine Verordnung: „Wer in einem anderen Beruf tätig ist, kann auf sein Recht auf ‚gelindere Maßnahmen‘ beharren – wie das Tragen einer FFP2-Maske.“ Ob eine Weigerung ein Entlassungsgrund ist, darüber werde noch diskutiert.

Preissl für Impfungen und gegen „Herumgeeiere“

Insgesamt sieht Gmünds AK-Chef durchaus große antivirale Bemühungen der Betriebe im Bezirk. Mehrere Unternehmen sammeln demnach Willensbekundungen für Impfungen in der Belegschaft.

Preissl selbst, neben dem Job auch Stadtrat in Schrems und Kommandant im Katastrophenhilfsdienst, hat sich im Herbst in die Infiziertenliste eingetragen. Ihm wird immer noch eine stark beeinträchtigte Lunge beschienen, wie er sagt. Sein Interesse an einer Impfung hat er bereits doppelt deponiert – im Vormerksystem des Landes und dem der Feuerwehr: Er dränge sich keinesfalls vor, betont er, „aber wenn eines Tages der Name Preissl aufleuchtet, dann hebe ich sicher meine Hand“.

Generell freuen ihn die Lockerungen im Kampf gegen das Virus. Ein „Herumgeeiere“ mit skifahrenden Zweitwohnsitzern und stark heruntergefahrener Gesellschaft auf der anderen Seite tue nicht gut. Die kontrollierte Öffnung sei die einzige Alternative zur „wirklich radikalen Schließung für einige Tage“ gewesen, „die Leute halten diesen Zustand langfristig nicht aus.“