Weitraer Paar paddelt nach Hamburg. Weitraer wollen die 1.114 Kilometer über Lainsitz, Moldau und Elbe mit Trimaran bewältigen.

Von Karin Pollak. Erstellt am 28. Juni 2020 (05:57)
Mit dem Trimaran trainieren Peter Bochnik und Helga Langer schon seit dem vorjährigen Herbst am Ottensteiner Stausee. Damit wollen sie die über 1.100 Kilometer von Weitra nach Hamburg zurücklegen.
privat

Helga Langer (68) und ihr Mann Peter Bochnik (72) aus Weitra haben nach ihrer siebenjährigen Weltumseglung (die NÖN berichtete) eine neue Herausforderung gefunden: Das Ehepaar will auf dem Wasser- und Landweg von Weitra über Lainsitz, Moldau und Elbe nach Hamburg.

„Eigentlich wollten wir dieses Projekt jetzt im Juni starten, doch Corona hat uns einen Strich durch diesen Plan gemacht. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, betont das Ehepaar, das gegenwärtig mit einem Wohnmobil durch Österreich tourt. Die Idee zur Paddeltour ist durch historische Unterlagen entstanden, in denen Bochnik entdeckte, dass man früher Langholz vom Buchersbach in Tschechien ausgehend auf der Moldau und der Elbe bis nach Hamburg geschwemmt hat. Dort wurden die Holzstämme dann zum Bau von Schiffsmasten verwendet. „Diese Route hat mich fasziniert und wir haben sie einfach vom Buchersbach auf die Lainsitz verlegt“, meint Bochnik. Über 1.100 Kilometer lang ist die Strecke zwischen Weitra und Hamburg auf dem Wasserweg. „Die Grobplanung steht, ein Boot haben wir auch schon“, meint der Arzt.

 „Im Grunde genommen ist Weitra durch die Lainsitz nur der am weitest entfernte Vorort von Hamburg.“ Peter Bochnik

 

Helga Langer und Peter Bochnik freuen sich schon auf ihre Bootstour, die sie von Weitra nach Hamburg führen wird.
Karin Pollak

Ihr Segelboot „Twiga“, mit dem sie um die Welt gesegelt sind, haben sie im Vorjahr verkauft. Jetzt befindet sich wieder eine „Twiga“ in ihrem Besitz. „Im Internet haben wir einen Trimaran gefunden, mit dem wir uns segelnd, paddelnd und auch tretend fortbewegen können“, erzählt Helga Langer. Der Trimaran wurde natürlich auch „Twiga“ getauft (ist Suaheli und heißt Giraffe). Der Mittelteil dieses Bootes wiegt 50 Kilo, die Zusatzausrüstung samt Mast bringt ebenfalls dieses Gewicht auf die Waage. „Dazu kommen noch das Gepäck, die Verpflegung, das Zelt und die Luftmatratzen. Wir werden also ziemlich schleppen müssen, denn dort, wo es am Wasser nicht weitergeht, wollen wir auf Räder umsteigen“, schaut das Ehepaar in die nächste Zukunft.

Corona konnte die Vorfreude nicht bremsen – auch wenn das Leben auf dem Trimaran karger sein wird als auf dem Segelboot: Es gibt weder Küche noch Bett, die Fortbewegung durch meist reine Muskelkraft ist anstrengender als das Segeln. Aber die Vorfreude auf spannende Eindrücke dominiert – beispielsweise auf das Schloss Orlik, die Stadt Melnik oder die Elb-Auen bei Dresden. „Während des Lockdowns habe ich mich intensiver mit dieser Tour auseinandergesetzt. Ich will ja wissen, wo Quartiere oder Campingplätze sind“, erklärt Langer. Denn hin und wieder wollen die Weitraer schon in einem Bett schlafen.

Training am Ottensteiner Stausee

Helga Langer und Peter Bochnik, die schon am Ottensteiner Stausee mit ihrer neuen „Twiga“ trainieren, wollen einfach in der Natur unterwegs sein, diese empfinden und sich mit ihr auseinandersetzen. „Es gibt verschiedene Arten von Leben. Jetzt ist für uns das Flusswanderleben gekommen. Im Grunde genommen ist Weitra durch die Lainsitz nur der am weitest entfernte Vorort von Hamburg“, meint Bochnik, der es ja wissen muss, hat er ja lange Zeit in der Hansestadt gelebt. Etwa zwei Monate lang soll die Tour dauern – aber, so das Ehepaar: „Wir werden uns nicht stressen.“