Die Hälfte im Bezirk Gmünd ist „bio“. Bio-Landwirtschaft im Bezirk nach drei Jahrzehnten im Höhenflug: Nachfrage-Boom, Direktvermarktung fasst immer mehr Fuß.

Von Karl Tröstl. Erstellt am 05. Mai 2021 (05:49)
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Ab-Hof-Vermarktung, Selbstbedienungs- und Gemeinschaftsläden erfreuen sich steigender Beliebtheit – ganz besonders in Kombination mit biologischen Produktionsweisen: Knapp die Hälfte aller landwirtschaftlichen Produkte im Bezirk Gmünd stammen laut Bauernkammer schon aus Bio-Landwirtschaft. Die NÖN schaute bei drei Bio-Betrieben vorbei.

Rindfleisch, Eier und Kartoffeln in Reinprechts. Der Hof von Familie Semper in Reinprechts ist mit dem Gütesiegel „Gutes vom Bauernhof“ ausgezeichnet. „Mit der Genuss Region Österreich wurde ein neues Qualitätsprogramm geschaffen. Durch strenge Kontrollen wird sichergestellt, dass alles einheitlich abläuft und den regionalen Einkauf stärkt. Das ist mir sehr wichtig“, sagt Jungbauer Stefan Semper.

Der gelernte Koch und Fleischer weiß, welche Fleischstücke für den einzelnen Kunden wichtig sind. Die Rinder der Rassen Limousin und Charolais leben in Mutterkuh-Familienhaltung (Mutter, Vater, Kind) im Offenstall, der den Auslauf auf einer großen Weide ermöglicht. Die Hühner sorgen für frische Eier – und werden genauso wie die Kartoffeln im Selbstvermarktungs-Laden angeboten.

„Ein Onlineshop ist im Fertigwerden, danach kann die Ware abgeholt werden. Wir planen auch, einen Versand aufzubauen“, sagt Semper. Die Altbauern Maria und Otto Semper sind – wenn Not am Mann ist – immer unterstützend zur Stelle.

Bio aus Überzeugung. Die Familie Pichler aus Schrems hat sich ganz bewusst für die Bio-Produktion entschieden: „Mit der Reaktivierung des Hofes 1991 und vierjähriger konventioneller Bewirtschaftung wurde mir bewusst, dass ich mit der Masse nicht mitgehen kann und auch nicht will“, sagt Franz Pichler. Er stellte auf Bio um, auch ein entsprechendes Lebensgefühl habe sich dadurch entwickelt.

Bedienen sich an der Verkaufshütte: Sandra Preisinger mit Tochter Theresa, Franz, Gerlinde und Theresa Pichler und Markus Wandl.
Karl Tröstl, Karl Tröstl

Sein Hof liegt im Bereich des ehemaligen Herrenteiches, abseits vom Straßenverkehr, er kann daher eine große Palette von Bio-Produkten erzeugen. Neben Erdäpfeln werden auch Freilandeier von rund 400 Hühnern, verschiedene Mehlsorten und Nudelprodukte mit Eiern der eigenen Hühner angeboten. Außerdem gibt es Fleisch vom Galloway-Rind auf Bestellung. Eine Verkaufshütte steht vorm Hof, sie wird bald vergrößert.

Wielingser Familie bietet „Schule am Bauernhof“. In Wielings im Norden betreiben Margarete und Anton Österreicher mit Sohn Florian ihren Bio-Betrieb mit Schafen. Der Bauernhof besteht seit 1787. Österreicher hat 1994 den ersten bäuerlichen Bio-Lehrgang in Edelhof absolviert.

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Vorwiegend werden Schafprodukte produziert: Die kleinste und nördlichste Molkerei Österreichs verarbeitet Milch von etwa 40 Schafen in der eigenen Hofkäserei. Ein interessantes Konzept besteht seit 2019 – die „Schule am Bauernhof“. Hier können Kinder die Schritte vom Schaf bis zum fertigen Käse erleben. „Die Bio-Produktion wird bei uns aus Überzeugung gelebt. ‚Bewusst von und mit der Natur im Einklang leben‘ ist unser Slogan“, erklärt Anton Österreicher beim Hofrundgang.

Selbstbedienung ermöglicht zeitliche Flexibilität. Markus Wandl, Obmann der Bezirksbauernkammer, sieht die Covid-Pandemie als besonderen Aspekt für Bio-Produkte: „Bei den Landwirten ist Versorgungssicherheit gewährleistet. Gerade im Vorjahr hat man gesehen, dass immer genug einheimische, regionale Lebensmittel zur Verfügung stehen. Die Konsumenten schätzen derzeit auch sehr die Selbstbedienungsläden, da fast zu jeder Tages- und Nachtzeit eingekauft werden kann. Mindestabstände und Hygienevorschriften sind da sehr gut einzuhalten.“

Sandra Preisinger beschäftigt sich als Beraterin in der Bezirksbauernkammer mit Selbstvermarktern. Man könne sich auf sie verlassen, betont sie: „Auch in sehr schwierigen Zeiten. Konsumenten schätzen Regionalität und gute Qualität, die Produkte der einheimischen Direktvermarkter werden mehr denn je gekauft. Das sieht man auch an der Vielzahl an bäuerlichen Hofläden, die alleine im letzten Jahr entstanden sind.“ Das Vertrauen der Kunden in Gütesiegel sei dank strenger Kontrollen hoch.

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