Glasfaser erobert den Gmünder Bezirk. Teile Amaliendorfs sind bereits im Netz, Schremser Ortschaften und ganze Pilotregions-Gemeinden folgen noch heuer. Gmünd-Stadt vor Zusage.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. September 2016 (06:25)
alphaspirit/shutterstock.com
Blendende Aussichten: Der Bezirk wird  Schritt für Schritt zur Daten-Autobahn.

Der Gmünder Glasfaser-Pionier NBG feiert wie berichtet sein 20-jähriges Jubiläum. Österreich sei während dieser Zeit im Netzausbau aus dem Spitzenfeld ins Feld der Nachzügler der OECD-Staaten abgedriftet, sagte CEO Karl Bauer der NÖN: Der Konzern habe daher den Fokus weg vom Netzbau zu neuen, etwa sensorischen Möglichkeiten durch die Breitband-Technologie gelenkt – ehe der Ausbau des Glasfaser-Netzes wegen des rapide gestiegenen Bedarfes in den Haushalten plötzlich wieder Fahrt aufnahm.

Gerade im Bezirk tut sich, wie der Geschäftsführer der NÖ Glasfaserinfrastruktur GmbH (nöGIG), Hartwig Tauber, sagt, inzwischen allerhand. Alleine für die Kleinregion Waldviertler StadtLand als Pilotregion des Landes stehen wie berichtet heuer etwa vier Millionen Euro für Investitionen oder die Ablöse verlegter Glasfaser-Leerrohre im Budget. „Derzeit geschieht sehr viel, Projekte werden Schritt für Schritt ausgeschrieben und umgesetzt – möglichst durch regionale Baufirmen“, sagt der Waldensteiner.

Großflächiger Netzbau in zwei ersten Gemeinden

In Amaliendorf-Aalfang wurde der erste Ausbauschritt abgeschlossen, wodurch beim Technologie-Betrieb RZA das Problem der Übertragung großer Datenmengen endlich der Vergangenheit angehört (siehe S. 19).

Fast alle Gemeinden der Pilotregion haben laut Tauber in zumindest 40 Prozent der Haushalte Willenerklärungen, erfüllen also die Voraussetzung zur Übernahme der Kosten bis zum Hausanschluss durch die nöGIG. Die baut nun, anders als andere Anbieter, die Glasfaser direkt bis zum Kunden. Engpässe durch alte Kupferleitungen oder Funkübertragungen bleiben so aus, über das Netz können bereits jetzt 300 Mbit/s bestellt werden.

NOEN, Markus Lohninger
Hartwig Tauber kündigt für die nächsten Wochen die erste große Bauoffensive der nöGIG an.

„Der Herbst 2016 und das Jahr 2017 läuten das Zeitalter des zukunftssicheren Breitband über Glasfaser bis zum Haushalt in der Kleinregion ein“, kündigt Tauber an, wobei er die Unterstützung der Gemeinden und die Zustimmung in der Bevölkerung lobt: „Das bestärkt uns im Bestreben, die Glasfasernetze so schnell wie möglich auszubauen.“ Im ersten Halbjahr 2016 seien noch formelle und rechtliche Vorbereitungen zu treffen gewesen, im Herbst könne aber der großflächige Ausbau starten.

In den Schremser Katastralgemeinden Gebharts, Langschwarza und Pürbach erfolgen demnach bereits die Anschlüsse, wobei bis November eine Verbindung von Langschwarza nach Schrems entlang der B2 gepflügt wird. Die ist nötig, weil im Kulturhaus die Verteilstelle („PoP“) installiert wird, wo künftig die Fasern aller Anschlüsse im Gemeindegebiet zusammenlaufen.

In zwei weiteren Gemeinden wird der Netzaufbau noch im Herbst ausgeschrieben und in Angriff genommen – welche, das verrät Tauber noch nicht. In beiden muss das Netz neu gebaut werden. Tauber: „Wo nicht anders möglich, wird die Künette durch Straßen gegraben. Wir wollen vom PoP aus straßenweise wegbauen und die Arbeiten rasch abschließen, um die Belästigung gering zu halten.“

Lainsitztaler Netz dürfte zur nöGIG wechseln

Überall sonst in der Kleinregion soll ihm zufolge 2017 gebaut werden, wobei Schrems und Gmünd wegen der Anzahl an Haushalten auf mehrere eigene Abschnitte zerlegt wurden. Die anderen Gemeinden mit 40 Prozent werden flächendeckend mit High-Speed-Internet ausgestattet – wobei die Rohre auch zu den Grenzen jener Grundstücke verlegt werden, für die keine Willensbekundungen vorliegen. Eigentümer müssen sich dann später bei Interesse nur um den Anschluss vom Haus bis zur Grundstücksgrenze kümmern.

Gmünd hat für die Areale im Wasserfeld und im Umkreis der Bahnhofstraße die 40 Prozent, einst bereits mitverlegte LWL-Rohre müssen primär nur noch aktiviert werden. Im Herzen der Altstadt sind 40 Prozent knapp noch nicht erreicht, genauso in der Neustadt. Die PoP-Verteiler dürften für die Altstadt nahe des Grenzüberganges Böhmzeil und für die Neustadt nahe der ehemaligen Renner-Volksschule errichtet werden.

Auch mehrere Orte und Gemeinden außerhalb der Kleinregion sind im Pilotprojekt. So sind in Heidenreichstein erste Kunden angeschlossen, derzeit laufen Bemühungen, 40 Prozent in den Katastralgemeinden zu erreichen (siehe S. 34). In Unserfrau-Altweitra haben alle Ortschaften außer Oberlembach Leerrohre – der Verkauf der Netze durch fünf Genossenschaften an die nöGIG bahnt sich an. In Oberlembach will sie das Netz auf eigene Faust bauen.

„Einige weitere Orte könnten außerhalb der Kleinregion noch dazu kommen“, verrät Tauber. So dürfte Großwolfgers, die mit LWL bis zu den Häusern ausgestattete Weitraer Katastralgemeinde, aufgenommen werden.

Heuer dürfte außerdem noch die vor mittlerweile 13 Jahren in den Gemeinden Großschönau und St. Martin gestartete Glasfaser-ARGE des Lainsitztales, der mittlerweile auch Bad Großpertholz angehört, ins nöGIG-Netz wechseln. Hier wurden die ersten Schritte inklusive Bewertung der bestehenden Infrastruktur gesetzt, es geht bereits um vertragliche Details und die Abwicklung: Die Gemeinden werden in absehbarer Zeit über Verkauf, Vermietung oder Verpachtung der bis in die Ortschaften reichenden Netze entscheiden.