Autodichte nimmt zu: Gmünd im Spitzenfeld. KEINE TRENDWENDE / 626 Pkw pro 1.000 Einwohner: Gmünd zählt zu den Bezirken mit der höchsten Autodichte in Österreich.

Erstellt am 10. August 2011 (08:13)

VON MARLENE SCHMID

BEZIRK GMÜND / Ein Leben ohne Auto ist für viele Menschen in ländlichen Gegenden kaum vorstellbar. Das dokumentiert auch die jüngste Studie der Statistik Austria. Demnach ist der Bezirk Gmünd einer der zehn Bezirke mit der höchsten Autodichte in Österreich. Auf 1.000 Einwohner kommen 626 Pkw in den anderen Waldviertler Bezirken ist die Fahrzeugdichte allerdings noch deutlich höher. So ist Waidhofen/Thaya mit 652 Pkw je 1.000 Einwohnern der Spitzenreiter in Österreich. Aber: Der Motorisierungsgrad im Bezirk steigt an. Gab es im Jahr 2005 nur 578 Autos pro 1.000 Einwohner, lag die Zahl 2009 schon bei 613 ein Anstieg um 6 Prozent. Auch vom Jahr 2009 auf 2010 wurde ein Anstieg von 2,1 Prozent verzeichnet.

Nach den Gründen dafür brauchen die Sprecher der Autoclubs nicht lange zu suchen. Willy Matzke, Verkehrschef vom ÖAMTC: Das Waldviertel ist weit vom Wasserkopf Wien entfernt und hat deshalb weder ein ausreichendes Zug- noch Busnetz. Ähnlich sieht das Franz Filler, Einsatzleiter-Stellvertreter des ARBÖ Gmünd: Die Möglichkeit des öffentlichen Verkehrs ist zwar eingeschränkt, aber jeder will auch ein eigenes Auto.

Fest steht, dass ein eigener Pkw gerade in Zeiten steigender Treibstoffpreise eine teure Angelegenheit sein kann. Und nicht nur das: In der Arbeitswelt ist ein eigener Pkw oft Grundvoraussetzung. Dies bestätigt auch Michael Preissl von der Arbeiterkammer Gmünd und ergänzt: Die Entwicklung geht in Richtung Individualität und flexible Arbeitszeiten Fahrgemeinschaften funktionieren kaum mehr. Das sei auch einer der Gründe für die hohe Frauenarbeitslosigkeit in der Region. Für Frauen ist es oft schwieriger, ein eigenes Auto zu erhalten. Ohne Auto schwindet aber auch die Job-Chance, so Preissl. Die zunehmende Flexibilität von Dienstzeiten mache auch ein Ausweichen auf vorhandene Bus- und Bahnlinien unmöglich. Eine mögliche Alternative seien Fahrgemeinschafts-Börsen im Internet.