Bürgerversammlung: "Wir sind A1 einfach egal“. Beschwerden bringen nur kurz Besserung – Bürger von Bad Großpertholz protestieren gemeinsam. Abgeordnete Göll: „Auch andere Gemeinden haben das Problem.“

Von Karin Pollak. Erstellt am 01. August 2018 (06:07)
Karin Pollak
Einigkeit über die Parteigrenzen hinweg herrscht derzeit in großen Teilen der Gemeinde Bad Großpertholz, wenn es um den nicht vorhandenen A1-Handy-Netzempfang geht. Bei einer „Bürgerversammlung“ im Anwesen von Thomas Leutgeb und Michael Reichert erhielten Bürgermeister Klaus Tannhäuser und Landtagsabgeordente Margit Göll rund 300 Unterschriften und den Auftrag, etwas gegen diese eingeschränkte Lebensqualität zu tun.

„Es reicht“ – so äußern viele Bürger der Marktgemeinde Bad Großpertholz ihren Unmut über den sehr eingeschränkten A1-Handyempfang. Trotz Unterschriftenaktionen und Interventionen bei mittlerweile drei Bürgermeistern (Artner, Vogler und jetzt Tannhäuser) bleiben aber rund 800 der derzeit 1350 Hauptwohnsitzer handytechnisch auf der Strecke. „Wir sind A1 einfach egal“, zeigt SPÖ-Gemeinderat Helmut Leutgeb aus Mühlbach auf. Er hat um die 300 Unterschriften eingeholt und am vergangenen Freitag an Landtagsabgeordnete Margit Göll und Bürgermeister Klaus Tannhäuser (beide ÖVP) übergeben.

„Wir brauchen dringend ein funktionierendes Handynetz für den Alltag. Dass wir im nördlichen Niederösterreich von A1 abgespeist werden, ist nicht in Ordnung. Denn auch andere Gemeinden haben dieses Problem“, betonte dabei Göll. Sie berichtete von zahlreichen „Funklöchern“ auch in Moorbad Harbach. Beschwerden würden kurz Besserung bringen, aber „dann drehen sie wieder den Empfang zurück.“

„Bis man den notwendigen Code aufs Handy kriegt, ist die Zeit zur Anmeldung wieder abgelaufen.“ Thomas Leutgeb über die Probleme beim Telebanking

Thomas Leutgeb, Bauleiter bei BZ-Bau, Michael Reichert, AHS-Lehrer und Musikschulleiter in Wien, Malermeister Daniel Maurer, Internist Robert Mörzinger oder Listengemeinderat Hermann Hahn berichteten bei der zwanglosen Bürgerversammlung über persönliche Einschnitte durch das nicht funktionierende Handynetz.

Mörzinger erzählte von einem tragischen Ereignis, bei dem ein Patient mit einem akuten Herzinfarkt nur knapp gerettet werden konnte. Die Rettungskette habe erst verspätet über das Festnetz gestartet werden können.

"Dann geht's wieder nicht"

Kein Telebanking ohne Handy – davon können Menschen aus Mühlbach, Abschlag, Seifritz, Watzmanns, Weikertschlag & Co „ein Lied singen“. Finanzonline und überhaupt alle Services, die über die Bürgerkarte möglich sind, benötigen ein funktionierendes Handynetz. „Bis man den notwendigen Code aufs Handy kriegt, ist die Zeit zur Anmeldung wieder abgelaufen. Also muss man wieder von vorne beginnen und dann geht’s wieder nicht“, sagte Bauleiter Leutgeb. An ein Arbeiten von zuhause aus sei nicht zu denken. Bisher sei er nur über Whatsapp erreichbar gewesen, das musste er wegen der Datenschutz-Grundverordnung löschen.

Die Anwesenden aus der Gemeinde, darunter Gemeinderäte aller Parteien, waren sich einig: „Die Erreichbarkeit bedeutet Lebensqualität.“ Daher werden von A1 Maßnahmen gefordert.

Seitens der A1 werde die Beschwerde sehr wohl ernst genommen, betonte Jochen Schützenauer auf NÖN-Nachfrage. Eine Stellungnahme zum konkreten Fall langte urlaubsbedingt jedoch vor Redaktionsschluss nicht mehr ein – sie wird natürlich nachgereicht.

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