Nach Hausbrand: „Erschöpft und emotional ausgelaugt“. Fünf Monate nach Hausbrand in Steinbach: Versicherung lenkte ein, Wiederaufbau naht – im Kopf wirkt das Feuer aber nach.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 11. Juni 2021 (04:54)
Erinnerungen an das Feuer. Ulrike Wögerer und Roman Hiksch vor ihrer Brandruine in Steinbach. Mit dem Wiederaufbau des Hauses soll es demnächst losgehen.
Karin Pollak, Archiv

Am 26. Dezember stand das Haus von Ulrike Wögerer und Roman Hiksch in Steinbach in Brand. Der Schaden war groß, die Sorgen ebenso, weil die Versicherung zuerst ablehnte. Jetzt geht es aufwärts: „Die Versicherung hat den gesamten Schaden übernommen“, berichten die Hausbesitzer.

Schaden wird übernommen. Es seien sehr intensive Wochen gewesen, aber: „Nach all den Strapazen und Ungewissheiten gibt es doch ein gutes Ende. Wir hatten die Gelegenheit, im Rahmen eines sehr ausführlichen Gespräches mit den für unseren Schadensfall Verantwortlichen in der Generaldirektion der Generali Versicherung unsere Lage, unsere Einwände und auch unsere Kritik vorzubringen. Schon dieses Gespräch fand in einer sehr wertschätzenden und respektvollen Atmosphäre statt“, berichtet Ulrike Wögerer, die wie ihr Mann sehr überrascht über die Rückmeldung der Generali – keine Woche später – war: „Der Schaden wird in voller Höhe übernommen, hat es geheißen. Dann ging es Schlag auf Schlag mit der endgültigen Bemessung der Schadenshöhe, dem Einrichten eines Baukontos, der Planung des Wiederaufbaus und so weiter“, betonen die Steinbacher. „Dass eine so große Organisation imstande und willens ist, einen solchen Kurswechsel zu initiieren, können wir nur mit höchster Wertschätzung anerkennen. Darauf können wir nur mit einem aufrichtigen ‚Danke‘ antworten und diese Erfahrung als Lichtblick inmitten dieser verrückten Zeiten verbuchen“, betont Roman Hiksch.

Der Umgang mit dem Verlust – und mit Covid-Todesfällen. Die Folgen des Brandes hätten das Paar „zutiefst erschöpft und emotional ausgelaugt“, sagt er. „Jetzt, da wir nicht mehr um die existenzielle Basis unseres Lebens fürchten müssen, hat langsam vielleicht auch das Platz, was dringend Raum und Aufmerksamkeit verlangt: Die Verarbeitung des Verlustes von so viel Lieb-Gewonnenem, der Abschied von dem Zuhause, das wir uns geschaffen hatten“, meint Hiksch, der manchmal noch mitten in der Nacht aufschreckt: „Ich sehe mich, mit einem Schlafmantel bekleidet, in den Wintergarten laufen und werde dort von den Flammen, die sich vom Dach und aus der Decke aus ausbreiten, überrascht. Ich realisiere in dem Augenblick, dass unser Haus verloren ist.“

Karin Pollak, Archiv

Bei Spaziergängen besuchte das Paar schon öfter die Brandruine. „Beim Anblick des Hauses mit den verkohlten Balken und dem halb eingestürzte Giebel kamen uns die Tränen und wir spürten schmerzhaft, wie viel Liebe wir in dieses Haus gesteckt hatten - und was alles sich unwiederbringlich in Rauch aufgelöst hatte“, ist Ulrike Wögerer tieftraurig, die mit ihrem Partner noch zwei weitere Schicksalsschläge verkraften musste: „In dieser Zeit waren unsere Eltern bzw. Schwiegereltern an Covid-19 erkrankt. Die Mutter starb an Corona Anfang Februar, ihr Mann folgte ihr nicht mal zwei Wochen später nach.“

Großartige Unterstützung. In dieser Zeit hätten sie viel Unterstützung von vielen lieben Menschen bekommen. „Stellvertretend für diese möchten wir hier Christiane Winter vom Gasthaus Winter in Steinbach erwähnen, die uns in ihrem Ferienappartement aufgenommen und die ganze Zeit verköstigt hat, sowie Brigitte und Thomas Samhaber, die nicht nur unermüdlich mit uns geräumt haben, sondern in deren Ferienwohnung wir nun bis auf Weiteres unsere Bleibe gefunden haben. Hier leben auch unsere zwei Katzen, die die Feuerwehr zum Glück retten konnte.“

Bauarbeiten starten. Jetzt geht es an den Wiederaufbau. „Die Pläne sind in der Begutachtung. Wir hoffen, dass die Bauverhandlung bald stattfindet und uns grünes Licht gegeben wird, mit den Arbeiten zu beginnen“, betont Wögerer. Die Arbeiten wurden bereits in die Hände von Thomas Leutgeb von der Firma „bauart.work“ gelegt, der schon 2019 die Sanierung des Hauses durchgeführt hatte. „Ein Problem stellen die immens gestiegenen Baustoffpreise dar. Inwieweit sich der Wiederaufbau in vollem Umfang mit dem bewilligten Budget ausgeht, wissen wir nicht. Aber wir haben keine Eile. Es ist uns wichtiger, die einzelnen Schritte mit Bedacht zu gehen. Ob wir nun ein oder zwei Monate früher oder später wieder einziehen können, ist nicht wichtig“, sagt Roman Hiksch, und: „Es wäre auf jeden Fall nett, Ulrikes 60. Geburtstag Ende Jänner nächsten Jahres im neuen Zuhause feiern zu können.“ Mit welchem Gefühl sie in ihr Haus zurückkehren werden, das ist offen.