Politisches Erdbeben um Klaus Tannhäuser. Klaus Tannhäuser legte sein Bürgermeisteramt „aus persönlichen Gründen“ zurück. Kritik kommt von Vorgänger Harald Vogler.

Von Karin Pollak. Erstellt am 03. Juli 2019 (05:34)
NÖN
Klaus Tannhäuser trat zurück.

Der erst seit September 2017 amtierende ÖVP-Bürgermeister Klaus Tannhäuser gab am 28. Juni seinen Rücktritt als Bürgermeister und als Gemeindemandatar mit sofortiger Wirkung bekannt. Somit ist Tannhäuser seit 29. Juni nicht mehr Bürgermeister der Marktgemeinde Bad Großpertholz. In der ersten Stellungnahme gegenüber der NÖN nannte Tannhäuser „persönliche Gründe“ für diesen Entschluss.

„Ich habe das Amt in einer schwierigen Situation übernommen und nach bestem Wissen und Gewissen für die Gemeinde gearbeitet und versucht, das Beste für Bad Großpertholz zu tun“, betont Tannhäuser. So habe er zuletzt noch einige Projekte umsetzen können, wie die Bepflanzung der Grünanlagen im Ortsgebiet, die Auftragsvergabe für die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED oder die Neuausrichtung des Naturparks Nordwald. Außerdem konnte er mit dem zuständigen Landesrat Ludwig Schleritzko für die anstehende Sanierung der B38 in Karlstift noch die notwendigen Vereinbarungen treffen. Seine Funktion als NÖAAB-Gemeindeparteiobmann behält er bis zur Wahl im Herbst.

Klaus Tannhäuser blickt auf eine über 20-jährige Karriere in der Kommunalpolitik zurück. Von 1995 bis 2011 war er Gemeinderat, danach bis 2017 Vizebürgermeister. Im September 2017 wurde er dann zum Bürgermeister gewählt.

Rücktritt kam für ÖVP „überraschend“

Bis zur Wahl eines neuen Bürgermeisters, die in den nächsten zwei Wochen durchgeführt werden muss, leitet Vizebürgermeisterin Martina Sitz die Amtsgeschäfte der Marktgemeinde Bad Großpertholz. Ein Wahltermin steht noch nicht fest.

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Martina Sitz leitet Amtsgeschäfte.

Für ÖVP-Bezirksparteiobmann-Stellvertreter Edmund Kitzler kam der Rücktritt „überraschend“. Und ÖVP-Vizebürgermeisterin Martina Sitz betont: „Wir schätzen Klaus Tannhäuser als beliebten Parteikollegen und freuen uns, dass er Mitglied der ÖVP bleiben wird.“ Während seiner Amtszeit hätte Tannhäuser diverse Instandhaltungsprojekte sowie Güter- und Straßenbauprojekte in der Marktgemeinde Bad Großpertholz umgesetzt. Viele Projekte sind in Planung, wie etwa die etappenweise Aufschließung von Siedlungen oder Modernisierungsarbeiten in der Neuen Mittelschule Bad Großpertholz.

„Bis die Nachfolge an der Gemeindespitze endgültig geregelt wird, werden interne Prozesse aufgearbeitet, denn in dieser ereignisreichen Zeit sind Schnellschüsse fehl am Platz“, streicht Sitz hervor (siehe unten).

„Als Bürgermeister habe ich immer versucht, das Beste für die Bad Großpertholzer zu tun.“Klaus Tannhäuser

In ein etwas anders Licht rückt Gemeinderat Hermann Hahn jun. von der Liste Pertholz Aktiv den Rücktritt Tannhäusers: „Für Klaus Tannhäuser tut mir die gesamte Situation persönlich sehr leid. Seiner Entscheidung zum Rücktritt zolle ich Respekt, denn ich weiß, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen ist. Aber so eine Behandlung, wie sie ihm durch seine eigenen Parteifreunde zuteil wurde, verdient wirklich niemand.“ Hahn gibt der Pertholzer Volkspartei auch gleich einen Tipp: „Bevor das nächste potenzielle Bauernopfer installiert wird, sollte sich gleich Gemeindeanwalt und Kurhaus-Chef Edmund Kitzler als Kandidat zur Verfügung stellen und einmal offiziell Verantwortung für sein Handeln übernehmen.“

Die SPÖ reagiert verhalten. „Anscheinend haben wir nur mehr Saison-Bürgermeister. Aber das muss sich die ÖVP intern ausmachen“, meinte SPÖ-Parteiobmann Helmut Leutgeb.

Einer, der ungefähr weiß, wie es in Klaus Tannhäuser derzeit aussieht, ist sein Vorgänger Harald Vogler, einer der mittlerweile vier Altbürgermeister in der Gemeinde: „Wir sind die Lachnummer Nummer eins. Wenn jetzt nicht die ÖVP den notwendigen Mumm aufbringt und diesen Entwicklungen einen Riegel vorschiebt, gibt es in der Gemeinde Bad Großpertholz ein Desaster.“ Vogler appelliert an alle, genau zu schauen, woher diese Misere kommt, und bei der nächsten Wahl dieser einen Riegel vorzuschieben: „Hinter dem Schlamassel in der Gemeinde und im Kurhaus steht ein Name: Edmund Kitzler.“