SP-Protest: Aufregung um Taxi-Service. Gratistaxi wegen Baustelle: SP-Mandatar beklagt „Parteibuchwirtschaft“, VP-Sitz stellt klar.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 03. August 2019 (04:45)
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Links: SP-Gemeinderat Josef Scharinger, selbst Karlstifter, ging auf die Barrikaden; Rechts: Bürgermeisterin Sitz: VP-Kollege soll Fahrten „nach Wirtschaftlichkeit“ weitergeben.

Keine zwei Wochen nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin von Bad Großpertholz fing sich Martina Sitz (ÖVP) eine erste Rüge der Opposition ein: SPÖ-Gemeinderat Josef Scharinger poltert nach einer per amtlicher Mitteilung kundgetanen Entscheidung der Gemeindechefin über „Parteibuchwirtschaft vom Allerfeinsten“.

Ausgangspunkt sind die Straßen-Totalsperren in der Katastralgemeinde Karlstift wegen umfangreicher Fahrbahn-Sanierungen an B38 und B41. Während der Zeiten können auch Busse kaum oder gar nicht durchfahren – Sitz bot der Bevölkerung für „Ausnahmefälle“ an, sich durch das Pertholzer Taxiunternehmen Kuttner von nicht bedienten Halten zu Ersatzhaltestellen „transportieren zu lassen“.

Genau das stößt Scharinger, selbst Karlstifter, auf. Sitz habe den Betrieb eines Parteikollegen und Geschäftsführenden Gemeinderates engagiert, der neun Kilometer vom Ort entfernt liegt. Den Karlstifter Taxidienst Zeiler habe sie aber gar nicht in die Pläne einbezogen, obwohl durch die wegfallenden Anfahrten 18 km pro Fahrt eingespart werden könnten – Geld, das angesichts der Finanzierung des Taxiservices die Gemeindekassa entlasten würde.

„Wir sind vielleicht unbewusst übergangen worden.“ Hildegard Zeiler zur Mitteilung über den Taxiservice. Sie bietet den einzigen Taxidienst in Karlstift.

Die an sich gut gemeinte Entscheidung sei angesichts der enormen Herausforderungen rund um die 550.000 Euro teure, kurzfristig angebahnte Großbaustelle im Schreiben „vielleicht nicht richtig angekommen“, räumt Bürgermeisterin Sitz im NÖN-Gespräch ein: Der Plan sei von Haus aus gewesen, dass die Firma Kuttner mit den infrage kommenden Taxidiensten in der Umgebung in Kontakt trete und Anfragen zu Fahrten „nach Wirtschaftlichkeit“ – abhängig vom konkreten Wohnort betroffener Gemeindebürger – weitergebe.

Hildegard Zeiler will der Darstellung Glauben schenken: „Wir sind vielleicht unbewusst übergangen worden.“ Die wochenlange Baustelle bringe auch ihr Gasthaus in eine schwierige Situation, „wir spüren das“.

Laut Sitz ist in den ersten vier Tagen der Totalsperre jedenfalls keine einzige Fahrt angefallen, der öffentlichen Hand seien also auch keine Kosten angefallen.

Die Totalsperre mit überlangen Umwegen läuft bis 31. Juli bzw. von 19. bis 21. und schließlich 26. bis 28. August. Die Fertigstellung der Fahrbahn inklusive der Nebenanlagen ist gegen Ende Oktober geplant.

Kind im Bus vergessen: „Auf nichts einlassen“

Noch keine weiteren Entwicklungen gibt es indes laut Bürgermeisterin in einer zweiten Transport-Causa – das vor wenigen Wochen in einem Kindergartenbus vergessene Kind.

Eine Mutter spricht gegenüber der NÖN unter anderem von einer hohen Dunkelziffer an vergessenen Kindern und wiederholten Gefahren-Situationen durch Busfahrer im besagten Betrieb, „wir haben Angst“. Dazu Sitz: Sie sei erst seit einigen Tagen Bürgermeisterin, die Sicherheit der Kinder habe höchste Priorität – seitens der Gemeinde sei man für alles offen.

Die Mutter bezweifelt aber hohes Engagement der Gemeindechefin bei der Aufklärung unter Verweis darauf, dass deren Gatte selbst Mitarbeiter in besagtem Betrieb sei. Dem widerspricht Martina Sitz klar: „So etwas lasse ich mir sicher nicht nachsagen, darum habe ich die Sache auch an die Kindergarten-Inspektorin übergeben!“ Ihr Gatte sei im Betrieb auch nur in sehr geringem Ausmaß beschäftigt. – Die Inspektorin soll sich nach dem Urlaub der Angelegenheit annehmen, auch andere Beteiligte sollen eingebunden werden.