Millionen für Erde, Gartendeko und Fischproduktion. Start für erste Etappe in großem Erweiterungsplan zur Optimierung von Gmünder Heizwerk.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. Oktober 2020 (05:59)
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Das Biomasse-Heizwerk im Access-Industrial-Park wird um vielfältige Betriebsbereiche erweitert: Geplant sind ein Kompostier- und Erdenwerk, eine Hackschnitzel-Färberei, eine Indoor-Fischzucht und langfristig diegroßflächige Gemüseproduktion im Gewächshaus. Alle Bereiche sind miteinander verknüpft.
Petra Suchy

Nächstes Monsterprojekt im Access-Industrial-Park an der Gmünder Nord-Einfahrt nach dem 50 Millionen Euro teuren NBG-Bau für Glasfaser-Rohlinge: Rund ums Heizwerk sollen in vier Etappen ein Kompostier- und Erden-Werk, eine Hackschnitzel-Färberei, eine 25 Millionen Euro schwere Indoor-Fischzucht und ein riesiges Gewächshaus zur Gemüseaufzucht entstehen. Alle diese Puzzleteile wirken zusammen, ergänzen einander und sollen künftig einen hocheffizienten ökologischen Kreislauf bilden.

Start mit Erweiterung um Kompostier- und Erdenwerk

Der Startschuss zu dem, was in der NÖN vor zwei Jahren als große Vision eines Teams um Herbert Mandl – Vorstand der damaligen Bioma Energie AG, die nun „G11 Unternehmensverbund AG“ heißt – vorgestellt wurde, fand am 6. Oktober mit dem Spatenstich zur Kompostieranlage statt.

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Herbert Mandl: Die Visionen nehmen langsam Form an.
NÖN

Die Kosten für die Anlage beziffert Mandl mit 1,75 Millionen Euro, wovon mehr als die Hälfte auf die Befestigung und Asphaltierung einer 13.000 m 2 großen Betriebsfläche direkt neben dem Heizwerk entfällt.

Bis Ende März soll hier hochwertige und universell einsetzbare Kulturschwarzerde erzeugt und in einer eigenen Absack-Anlage für die Auslieferung an den Fachhandel aufbereitet werden. Geplant ist auch der Bau eines eigenen Verkaufsgebäudes, über das Kompost, Rindenmulch und Kulturschwarzerde in flexibler Menge direkt – abgesackt, oder etwa über den eigenen Anhänger – käuflich erwerbbar wird.

Brennstoffeinsatz optimieren, Synergien nutzen

Die Funktion der Anlage innerhalb des Kreislaufes rund ums Heizwerk, das infolge von Förderkürzungen zum Nebenschauplatz degradiert werden musste, liegt auf der Hand: „Wir bewirken damit einen effizienteren Brennstoffeinsatz im Heizwerk, auch betriebswirtschaftlich bringt es dank Synergien einiges“, sagt Mandl.

Durch eine Doppelnutzung der fünfköpfigen Belegschaft sei ein aktuell leichter Überhang auffangbar und die Einstellung eines zusätzlichen Mitarbeiters möglich. Das Heizwerk profitiert indes durch einen höheren Heiz- bzw. Nutzwert bei weniger Asche und geringerer Kesselverschmutzung, weil das „Grünzeug“ für die Erdproduktion abgezweigt wird. Unter anderem werden Stehzeiten zur Kesselreinigung damit massiv reduziert.

Erde kommt als Marke „Happy Garden“ auf den Markt

„Der hohe biogene Anteil des angelieferten Waldhackgutes wird über ein Trommelsieb herausgefiltert“, erklärt Herbert Mandl: „Im Kraftwerk verbleibt der reine Holzanteil. Der Rest – den wir genauso mitzahlen und der bis zu 50 Prozent einer Lieferung ausmacht – lässt sich sehr gut kompostieren.“

Für die Produktion fruchtbarer Kulturschwarzerde, die natürlicher Schwarzerde nachempfunden ist, wird er in Gmünd mit Rindergülle, Hühnermist und in Österreich zugekaufter Pflanzenkohle vermengt und kompostiert. Die Anlieferung von Ast- und Wipfelmaterial, Strauchschnitt oder Gras soll ganztägig über eine eigene Einfahrtsspur beim Heizwerk möglich sein, genauso der Kauf der als Marke „Happy Garden“ der G11-Tochter „G11 Terra GmbH“ auf den Markt kommenden Endprodukte.

Bundesweit einzige Hackschnitzel-Färberei kommt

Neben dem Kompostier- und Erdenwerk ist als zweite „Happy Garden“-Schiene die Produktion von Gartendeko vorgesehen: Die G11 Terra GmbH hat dafür die laut Mandl bundesweit einzige Hackschnitzel-Färberei gekauft, die noch heuer am alten Standort abgebaut, generalüberholt über den Winter am Nebengrundstück der Kompostieranlage neu aufgebaut werden soll. Die Investition schlägt sich mit weiteren etwa zwei Millionen Euro zu Buche.

Die Anlage war Teil eines großen Gartenbaubetriebes im Innviertel, mit dem auch gemeinsam für die Errichtung eines Glashauses getüftelt wird. „Die Halle wird dort für einen anderen Zweck benötigt, zudem ist es ein Standort ohne Wärme“, erklärt Mandl, wie sich der Kauf ergeben hatte. Das Gmünder Heizwerk kann diese Wärme künftig unkompliziert liefern, das bestehende Personal und der Maschinenpark können mitgenutzt werden. Auch die Zulieferer überschneiden sich.

Vor allem: Die G11 übernimmt eine bestehende Marke mit einem fixen Kundenstock, zu dem auch große Märkte zählen – und die auch als Kunden für die Waldviertler Kulturschwarzerde infrage kommen.

Trocknungs-Prozess erhöht Heizwerk-Auslastung

Für die bunten Deko-Elemente werden Hackschnitzel entrindet, abgesiebt und im nassen Zustand eingefärbt. Damit keine Chemie in die Gärten des Landes kommt, wird ausschließlich mit natürlichen Erdpigmentfarben gearbeitet – das Farbspektrum deckt somit nur diverse Nuancen von Gelb, Orange, Rot bis zu Braun- und Grautönen ab. Zum Abschluss durchläuft das Hackgut einen Trocknungsprozess, durch den die Farbe dank der Hitze aus dem Kraftwerk konserviert wird.

In Gmünd müssen dafür auch eine neue Halle, Trocknungscontainer sowie Anlagen zur Absackung und Palettierung angeschafft werden. Die Auslastung des Heizwerkes soll durch die zusätzliche Aufgabe um ein Fünftel erhöht werden.

Baustart 2021? Indoor-Fischzucht mit über 110 Becken soll 40 neue Jobs bringen

Die nächste Stufe im ökologischen Verbund bildet eine Indoor-Kreislaufanlage zur Fischproduktion, die etwa 40 Arbeitsplätze für Gmünd schaffen soll. Das Projekt ist laut Mandl in der finalen Phase für die Einreichung zum Genehmigungsprozess. Ziel ist es, bis Sommer 2021 mit dem Bau beginnen zu können – die Option auf eine spätere Vergrößerung wird in den Planungen berücksichtigt.

Geplant sind zwei Hallen mit zusammen etwa 12.000 m 2 Fläche und mehr als 110 Becken, in denen der komplette Kreislauf von der Aufzucht von Zandern aus Elterntierhaltung über die Mast bis zur Verarbeitung zum frischen Premium-Filet vereint ist. 299 Tonnen Zander sollen hier pro Jahr durch die G11-Tochter „G11 Fisch GmbH“ gezüchtet und verarbeitet werden.

Die intensive, ganzjährig erforderliche Heiz- und Klimatechnik macht auch dieses Projekt stimmig mit dem Heizwerk, findet Mandl. Vor allem: „Für die Planungen sind jetzt schon etwa 1,6 Millionen Euro geflossen. Ein Zurück gibt es eigentlich schon nicht mehr.“

Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini aus Gmünd? Eine Frage des Betreibers

Noch nicht ganz so fortgeschritten sind millionenschwere Pläne für die Errichtung einer großflächigen Gemüse-Aufzucht im Glashaus als letztes Mosaiksteinchen auf 14 Hektar Grund zwischen Heizwerk und Breitensee.

„Es würde als Abnehmer von Wärme und Wasser aus der Fischproduktion wunderbar in den Gesamtverbund passen. Dazu kommt, dass der Kauf hochwertiger, regionalbezogener Lebensmittel nicht nur ein kurzfristiger Trend ist“, sagt G11-Vorstand Herbert Mandl.

Er hat die Flächen schon für Bio-Landwirtschaft der „G11 DomOlus GmbH“ als weitere Tochter der AG angemeldet. Aber: „Es bräuchte einen erfahrenen Partner, der unsere Vision als Betreiber umsetzt.“ Ein solcher sei in einer Region mit relativ geringer Gemüse-Produktion – geplant sind Tomaten, Gurken, Paprika und Zucchini – schwer zu finden.

Warum die Muttergesellschaft von Bioma auf G11 umgetauft wurde?

Weil die Biomasse zwar voll mit drin hängt, aber nicht mehr der Unternehmensschwerpunkt ist, schmunzelt Herbert Mandl: G11 sei die Kurzform der Anschrift in der Grenzlandstraße 11.

Genauso bezieht sich „G1“ auf die Grenzlandstraße 1. Was die mit alledem zu tun hat? G1 ist der Dachname von Mandls eigener Firma. Die vereint in einer früheren Tischlereihalle die Marken „Moorlife“ für effektive Mikroorganismen und „Meine Biotik“ mit Mikroorganismen für Garten, Haushalt oder Haustier des Endkunden, der sich hier auch mit Aperivo-Sticks eindecken kann und den Gmünder GLS-Standort vorfindet.