Bahnhof Heidenreichstein: "Liebe auf den dritten Blick"

Schweizer Eisenbahnfreund besucht schon seit 30 Jahren die Schmalspurbahnen im Waldviertel.

Erstellt am 22. November 2021 | 06:01
440_0008_8229604_gmu46nord_hstein_eisenbahnfan_schweiz.jpg
Regelmäßiger Besucher der Schmalspurbahnen im Waldviertel: Quirinus Reichen (Mitte) mit dem Team des Waldviertler Schmalspurbahnvereins (WSV) Harald Herdin, Manfred Schwingenschlögl, Patrick Miedler, Johannes Schendl und Michael Schleifenbaum (von rechts).
Foto: Stefan Hawlicek

Es hat sich vieles verändert, seit Quirinus Reichen das erste Mal den Bahnhof Heidenreichstein besucht hat. Anno 1991 hat sich der Schweizer Eisenbahnfreund zum ersten Mal auf den Weg ins nördliche Niederösterreich gemacht, um einem Schmalspurnetz, das er bis dato nur aus Büchern und Zeitschriften kannte, einen Besuch abzustatten. „Meine Arbeitskollegen waren damals regelrecht entsetzt, als ich ihnen erzählte, ich werde das Waldviertel und seine Schmalspurbahnen besuchen“, erinnert sich der pensionierte Historiker.

Die Skepsis seiner Kollegen kam nicht von irgendwo. Im August 1991 zerfiel die Sowjetunion. „Und aus Sicht meiner Kollegen, die über die geografische Lage des Waldviertels offenbar nicht so genau Bescheid wussten, wollte ich genau dorthin fahren“, schmunzelt der Eisenbahnfreund. Seine Beziehung zum Waldviertel und seinen Schmalspurbahnen bezeichnet der Schweizer Eisenbahnfreund auch nach 30 Jahren gerne noch als „Liebe auf den dritten Blick“.

Denn: „Es hat tatsächlich einige Zeit gedauert, bis ich die Waldviertler Landschaft so richtig schätzen gelernt habe. Gerade deswegen möchte ich die Region und ihre Bahn einfach nicht mehr missen und versuche, jedes Jahr mindestens ein Mal hier zu sein.“

Vom Güterverkehr zur Tourismusattraktion

Den Veränderungen, die das Netz der Waldviertler Schmalspurbahnen in diesen 30 Jahren durchlebt hat, kann der begeisterte Fotograf sehr viel abgewinnen. „Bei meinem ersten Besuch gab es zwischen Gmünd und Groß Gerungs noch Personen- und Güterverkehr. Auch nach Litschau waren regelmäßig Güterzüge unterwegs.“ Dass die Schmalspurbahn heute ausschließlich touristische Zwecke erfüllt, sieht er als neue Chance, um einen langfristigen Betrieb sicherzustellen. Dass dabei sowohl das Land Niederösterreich wie auch der Waldviertler Schmalspurbahnverein (WSV) bemüht sind, das gesamte Schmalspurnetz zu erhalten, ist für ihn der Optimalfall. Denn: „Jede der drei Schmalspurstrecken hat ihren Reiz.“

Unfall legte den Bahnbetrieb lahm

Auch an Anekdoten aus dem Schmalspurbahn-Alltag der vergangenen drei Jahrzehnte mangelt es Quirinus Reichen freilich nicht. So war es nach der Anreise mit dem Autoreisezug von Feldkirch bis Linz für ihn stets eine Selbstverständlichkeit, in Karlstift zuerst rechts in Richtung Langschlag abzubiegen. „Am Bahnhof Langschlag habe ich mich dann immer erkundigt, wann die Güterzüge fahren.“

So auch an jenem Tag, als ein Unfall, von dem der Schweizer nichts ahnen konnte, den Betrieb lahmgelegt hatte. „Als mir der Fahrdienstleiter erklärte, dass vorerst überhaupt nichts fährt, habe ich zuerst an einen Witz gedacht. Bis mir dann erklärt wurde, was passiert ist.“